Mit Begeisterung bei der Arbeit

Peter Kreuz und seine Mitautorin Anja Förster zeichnen ein düsteres Bild der Arbeitswelt: Sie gehen davon aus, dass „die meisten Menschen die meiste Zeit ihres Lebens ganz offensichtlich nicht das machen, was ihnen das Gefühl gibt, voll in ihrem Element zu sein“. In ihrem Buch wollen sie zeigen, dass es auch anders geht: Wie wir Arbeit wieder als lebenswerten Teil unserer Identität  zurückerobern und wieder mehr „das tun können, was unsere Augen funkeln lässt“.

Frage: Trifft ihre Behauptung tatsächlich zu? Gibt es Zahlen, die die These der unzufriedenen Arbeitenden belegen?

Peter Kreuz: Laut Gallup haben 24 Prozent der Arbeitnehmer bereits innerlich gekündigt und 61 Prozent machen Dienst nach Vorschrift. Ein Viertel der Menschen schleicht also wie Zombies zur Arbeit. Und der emotionale Höhepunkt des Tages ist dann die Vorfreude auf den Feierabend. Was für ein Wahnsinn! Diese Menschen verlieren, weil sie bei der Arbeit nicht mal ansatzweise das entfesseln, was eigentlich in ihnen steckt: Ihre Fähigkeit zu originellen Problemlösungen, ihre Intuition und ihre Leidenschaft. Aber auch die Unternehmen verlieren: Sie sind weniger innovativ, weniger wandlungsfähig und letztlich weniger erfolgreich, als sie sein könnten.

Frage: Welche Gründe gibt es dafür? Die Wahl des Berufes beziehungsweise des Arbeitsplatzes ist doch gleichsam eine Lebensentscheidung – warum kommt dann eine so unbefriedigende Lebensweise dabei heraus?

Kreuz: Viel zu häufig wird der Berufsweg danach ausgewählt, was ein vermeintlich guter und sicherer Job ist oder was andere – Eltern, Berufsberater, Freunde – einem raten. Doch für unser berufliches Glück ist es ganz entscheidend zu erkennen, was unsere Talente sind und wofür wir brennen. Viele wagen es aber nicht, sich diese Fragen zu stellen. Damit vergeben sie die Chance, zu sein, wer sie wirklich sind und zu werden, wozu sie fähig sind.

Frage: Unterscheiden sich große Konzerne und mittelständische Betriebe/Familienunternehmen in den Anforderungen an die Mitarbeiter?Geben die „Kleinen“ mehr Raum für Kreativität, zählen bei den „Großen“ vor allem die Zahlen?

Kreuz: Das halte ich für einen Irrglauben. Erfolgreiche Unternehmen, gleich welcher Größe, haben verstanden, dass Freiraum für Kreativität eine entscheidende Zutat ist, damit die Zahlen auch morgen noch stimmen. Das Problem liegt anderswo. Managementvordenker Peter Drucker hat es mal so ausgedrückt: „90 Prozent dessen, was wir Management nennen, bedeutet, den eigenen Mitarbeitern im Weg zu stehen.“ Das ist das Problem vieler Führungskräfte, in großen wie in kleinen Unternehmen. Sie sehen ihren Job eben nicht darin, ihren Teams den notwendigen Freiraum zu geben, damit diese ihre Kreativität und Leidenschaft ausleben können.

Info: Der 6. Bayreuther Ökonomiekongress am 15. und 16. Mai ist die größte Veranstaltung ihrer Art in Europa. Er wird von Studenten der Uni Bayreuth organisiert. In diesem Jahr werden unter anderem Audi-Chef Rupert Stadler, Bosch-Aufsichtsratsvorsitzender Franz Fehrenbach und Sahra Wagenknecht/Die Linke auf dem Kongress sprechen. Das komplette Programm: www.oekonomiekongress.de

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