Mistelgau wird die Therme zu teuer

Die Pläne für eine Renovierung der Therme stehen noch ganz am Anfang. Bis gebaut wird, werden noch Jahre vergehen. „Entwicklungskonzept 2020“ nennt der Zweckverband Therme Obernsees, dem unter Vorsitz von Landrat Hermann Hübner Vertreter der Gemeinde Mistelgau und des Kreistages angehören, sein Programm.

Mistelgau trägt 30 Prozent der Therme

Die Therme sei kein Prestigeobjekt für den Landkreis, sondern ein Wirtschaftsfaktor für die Fränkische Schweiz, begründete Hübner den Sanierungsbedarf. „Der Modernisierungsbedarf der Therme ist nicht von der Hand zu weisen“, sagte Geschäftsführer Gernot Geyer. Die Ansprüche der Gäste seien heute einfach andere als vor 20 Jahren.

Bis zu zwölf Millionen Euro könnte der Umbau kosten. „Wenn alles so kommt, wie jetzt vorgestellt“, wie Geyer im Gespräch mit dem Kurier betont. Die Kosten für die Therme teilen sich der Landkreis (70 Prozent) und die Gemeinde Mistelgau (30 Prozent).

Sturm: "Riesige Belastung für die Mistelgauer"

Das hieße nun nicht, dass Mistelgau für die Sanierung 3,6 Millionen Euro aus der eigenen Tasche berappen müsste. Denn beim Zweckverband geht man fest davon aus, dass ein Teil der Kosten über staatliche Zuschüsse finanziert werden kann. Im Idealfall könnte es sogar einen privaten Investor geben. Ob es jemanden gibt, der Interesse hat, soll jetzt geprüft werden.

Wahrscheinlich ist aber, dass die Sanierung über den Zweckverband abgewickelt wird. Das löste bei der Sitzung am Dienstagabend im Landratsamt eine Diskussion darüber aus, wie die Kosten für die Therme künftig zwischen dem Landkreis und Mistelgau aufgeteilt werden sollen. Gemeinderat Hans Sturm sprach von einer „riesigen Belastung für die Mistelgauer“.

Mistelgau zahlt über die Kreisumlage zweimal

Einerseits belaste die Gemeinde ihren eigenen Haushalt für ein Projekt, von dem große Teile des Landkreises profitierten. Andererseits schaue das Landratsamt beim Mistelgauer Haushalt genau hin, dass die Gemeinde alle Auflagen erfülle. „Die Therme ist wichtig“, sagte Sturm. Aber über die direkte Beteiligung und die Kreisumlage zahle Mistelgau zweimal.

Nach Aussage von Landrat Hübner habe Mistelgau bei Eröffnung der Therme 45 Prozent der Kosten getragen, der Kreis 55 Prozent. Der Kreisanteil sei dann später zugunsten der Gemeinde auf 70 Prozent hochgefahren worden. Dennoch setzte sich auch der Mistelgauer Bürgermeister Karl Lappe nun dafür ein, den Gemeindeanteil weiter zu verringern. „Jeder hat die Einrichtung in den 90ern gewollt“, sagte er. Aber damals sei die Finanzlage von Mistelgau auch noch besser gewesen.

Auch der Bürgermeister will den Gemeindeanteil senken

Lappe: „Man muss darüber nachdenken, den Anteil weiter zu senken.“ Wenn jetzt Millionen für einen Umbau der Therme anstünden, sei das eine große Zusatzbelastung für seine Gemeinde. Lappe sprach den Zweckverband für die Seilbahn am Ochsenkopf an. Dort zahle der Kreis 80 Prozent der Kosten. Die restlichen 20 Prozent verteilten sich auf vier Gemeinden.

Die Kostenverteilung im Zweckverband stand nicht auf der Tagesordnung der Sitzung. Und Hübner reagierte zurückhaltend auf die Forderung. „Ich nehme zur Kenntnis, dass die Gemeinde Mistelgau die Beteiligungsverhältnisse überdenken will“, sagte er. „Wir werden uns einem Gespräch nicht verschließen.“ Er stellte aber ausdrücklich fest, dass das nicht als Signal in irgendeine Richtung zu verstehen sei.

Der Mistelgau-Tarif ist Geschichte

Auslöser für die Diskussion war der die Abschaffung des sogenannten Mistelgau-Tarifs. Gemeindebürger konnten seit dem Jahr 2001 bis November vergangenen Jahres günstiger in den Badebereich der Therme. In einem ähnlichen Fall hatte das Bundesverfassungsgericht im Sommer 2016 entschieden, dass solch ein Sondertarif gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstoße. Die Verbandsversammlung hat nun gegen drei Stimmen aus Mistelgau entschieden, den Rabatt endgültig abzuschaffen.

Zuvor hatte Thomas Meier vom Projektbüro GMF aus Neuried die mögliche Umgestaltung der Therme vorgestellt. Vom Kinder- über den Badebereich, die Sauna, die Gastronomie bis zum Foyer soll die Therme modernisiert und aufgehübscht werden. Die Planungen seien aber ausdrücklich „keine Abkehr von der bisherigen Strategie“. Die Therme in Mistelgau soll auch weiterhin vorrangig Familien mit Kindern ansprechen.

Nicht bewertet

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Kommentare

Es ist schon bezeichnend, dass die Abschaffung des "Mistelgau-Tarifs" für den aktuellen Diskussionsbedarf sorgt!
Man muss sich fragen, ob die Investitionen wirklich der Daseinsvorsorge dienen.
Erinnert sei an die defizitären Bäder in Bayreuth und Pegnitz. Aber auch an Maßnahmen wie z.B. die Mehrzweckhalle Altenplos oder die Gedanken zur Schaffung derselben z.B. in Eckersdorf. Fragen Sie bitte die Verantwortlichen, ob sie ihre privaten Gelder hierfür bereitstellen würden!
Meines Erachtens ist ein "Entwicklungskonzept 2020" zu kurz gegriffen. Die Zeitschiene müsste bis vielleicht bis 2050 greifen.
Es ist und bleibt auf Dauer ein Defizitgeschäft. Darüber muss sich Landkreis und Gemeinde Mistelgau im Klaren sein.
Die finanzielle Katastrophe ist vorprogrammiert!