Mistelgau: Pfarrerin Steiner geht

Im Kurier-Gespräch zog die engagierte Pfarrerin, die mit großer Offenheit arbeitet, ein Resümee ihrer Arbeit. Sie spricht auch darüber, was sie bewog, Mistelgau zu verlassen. „Schade, schade, schade…“ Diese Worte waren in den vergangenen Wochen in Mistelgau immer wieder zu hören. Bei der Pfarrerin gingen schriftliche Danksagungen und andere Gesten der Dankbarkeit ein. Besonders berührend war für sie nach der Christmette an Heiligabend die Aussage eines Zwölfjährigen, der ihr unter Tränen sagte, dass er gerne von ihr konfirmiert worden wäre.

130 Taufen

Hinter Friederike Steiner liegen achteinhalb Jahre seelsorgerischen Wirkens in Mistelgau. Dazu gehörten 130 Taufen und die gleiche Zahl an Beerdigungen und 40 Trauungen. 207 Jugendliche durfte sie konfirmieren. Unzählige Gottesdienste hat sie in Mistelgau, Glashütten und Tröbersdorf gehalten.

Nicht zu vergessen die unzähligen Hände, die sie schüttelte, die Besuche und Begegnungen mit Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Die Gespräche, die sie führte, waren für sie immer eine Herzensangelegenheit. Den Problemen der Jugendlichen hat sie sich ganz besonders gern angenommen.

Ziel: Moderne Gottesdienste

Doch nicht alles gelang. Nicht umsetzen konnte sie die von ihr gewünschten Veränderungen im Gottesdienst. Modernere Formen hatte sich die Pfarrerin gewünscht. Allzu fest sind die traditionellen Abläufe in Mistelgau und auch anderswo verankert. Dazu fällt ihr Matthäus 9, Vers 17 mit dem Gleichnis von Jesus ein: „Ein neuer Wein geht nicht in alte Schläuche.“

Im Gespräch mit Friederike Steiner wird klar, welche Vorstellungen sie beim Amtsantritt in Mistelgau hatte. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit sah sie damals und auch heute noch im Gottesdienst, einschließlich Taufe, Trauung und Beerdigung sowie im seelsorgerischen Wirken. Sie wollte das Gemeindeleben beleben. Immerhin blieb die Zahl der Besucher in ihren Gottesdiensten gleich – anders als im allgemeinen Trend. Was die Pfarrerin besonders freut: Um ihre Predigt zu hören, kamen auch Besucher von außerhalb in die Bartholomäuskirche.

Viele zusätzliche Aufgaben in der Gemeinde

Keine Vorstellung hatte die Theologin bei ihrem Amtsantritt von dem, was sie alles zusätzlich bewältigen musste. Das war der große Kindergarten, der in Steiners Amtszeit zur Krippe erweitert wurde. Zudem gab es Probleme bei der Personalführung der Einrichtung. Es habe lange gebraucht, den Kirchenvorstand davon zu überzeugen, die Betriebsführung an die Diakonie abzugeben. Damit kam die finanzielle Verantwortung, Führung und Kontrolle des Kindergartens in professionelle Hände.

In die Mistelgauer Jahre fallen auch mehrere Bauvorhaben. So die Renovierung des Gemeindehauses, das neue Pfarrbüro in der Schulstraße, die Sanierung des Kirchendaches sowie die Anlage eines Teilanonymen Grabfeldes. Zudem wurde die Sanierung in der Kirche Tröbersdorf umgesetzt.

Freuen kann sich Friederike Steiner darüber, wie sich die Filialkirche Glashütten entwickelt hat. Die Gemeinde mit 800 Gläubigen und Pfarrerin Stefanie Krauß nähert sich der Selbstständigkeit.

Der Gottesdienst ist und bleibt für Pfarrerin Steiner das Zentrum einer lebendigen Gemeinde. Der Gottesdienst wird ihr auch an der neuen Wirkungsstätte eine Herzensangelegenheit sein.

Ein Abschied in Dankbarkeit

Im Großen und Ganzen geht die Geistliche dankbar von Mistelgau weg. Mit Freude erfüllt es sie, dass sie in dieser Zeit wieder heiraten konnte. Ihre drei Kinder sind aus dem Haus. Da hatte sie Zeit zum Nachdenken. Ihr ist klargeworden, dass sie sich auch noch mit 55 Jahren einer neuen Herausforderung stellen kann.

Von der Arbeit in Bayreuth erhofft sie sich, weniger Verwaltungsaufgaben ausüben zu müssen und erwartet mehr seelsorgerische Tätigkeit. Pfarrerin Steiner will sich vor allem bei den sozial Schwachen engagieren. In der Bayreuther Erlöserkirche wird sie am 5. Februar ins Amt eingeführt. Zunächst steht jedoch am Sonntag, 22. Januar, um 9.45 Uhr in der Mistelgauer St.-Bartholomäus-Kirche die Verabschiedung an.

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