Michael Stoschek wird 70

Der in Coburg geborene Enkel von Firmengründer Max Brose übernahm 1971 das Metallwerk und entwickelte es zu einem weltweiten Hersteller mechatronischer Komponenten und Systeme für Fahrzeugtüren und -sitze, wie auch von Elektromotoren und Elektronik.

Er startete die Internationalisierung des Familienbetriebs: Unter seiner Führung expandierte Brose in dreieinhalb Jahrzehnten in 19 Länder, zugleich stieg der Umsatz um nahezu das Hundertfache. Seit 2006 vertritt Michael Stoschek im Unternehmen die Interessen der Eigentümerfamilie.

Stammhauslehre bei Siemens

Nach dem Abitur am Gymnasium Casimirianum in Coburg absolvierte Michael Stoschek eine Stammhauslehre bei der Siemens AG. Auf Wunsch seines verstorbenen Großvaters übernahm er am 1. Oktober 1971 im Alter von 23 Jahren die Leitung des damaligen Metallwerks Max Brose & Co. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen fast 1000 Mitarbeiter in Coburg und erzielte einen Umsatz von 55 Millionen DM (28 Millionen Euro).

Ende der 1980er-Jahre startete Michael Stoschek mit den ersten beiden Auslandsstandorten im britischen Coventry und im spanischen Rubi die Internationalisierung von Brose. Im Sinne seines Großvaters legte er großen Wert auf eigenfinanziertes Wachstum. Möglich wurde dies auch durch die Zurückhaltung der Gesellschafter bei den Entnahmen. Systematisch baute der geschäftsführende Gesellschafter das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Mechatronik-Spezialisten aus.

Rückzug 2005

2005 zog sich Michael Stoschek aus dem operativen Geschäft zurück und übernahm den Vorsitz der Gesellschafterversammlung. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Umsatz von Brose auf 2,2 Milliarden Euro erhöht, die Zahl der Standorte war weltweit auf 39 angewachsen und der Automobilzulieferer beschäftigte fast 9000 Mitarbeiter. Bis heute vertritt Michael Stoschek die Interessen der Eigentümer gegenüber dem Management nach außen und tauscht sich regelmäßig mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung aus.

Außerhalb von Brose übernahm Michael Stoschek Verantwortung als Mitglied der Vollversammlung der IHK zu Coburg und von 2007 bis 2008 als Präsident. In seiner Geburtsstadt Coburg setzt er sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz ein, engagierte sich für die Neugestaltung des Marktplatzes und initiierte mit weiteren Unternehmern und Architekten das „Neue Innenstadtkonzept“, das bei einem Bürgerentscheid aber keine Mehrheit fand.

Von 2004 bis 2016 war er Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Weltkulturerbe der Stadt Bamberg. Auf Betreiben von Michael Stoschek fördert die Brose Unternehmensgruppe seit Jahrzehnten an ihren weltweiten Standorten Sport, Bildung, Kultur und Soziales. Privat engagiert er sich auf vielfältige Weise: Er unterstützt mehr als 50 Institutionen, Projekte und Personen in seiner Heimatgemeinde Ahorn, der Region und in aller Welt.

Viele Auszeichnungen

Für sein unternehmerisches Wirken erhielt der Jubilar 2003 den Initiativpreis der Stiftung Industrieforschung. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden gewürdigt, als Familienunternehmer des Jahres ausgezeichnet und hat die Goldene Ehrennadel der IHK zu Coburg erhalten.

Zum 70. Geburtstag wollte ihn die Stadt Coburg zum Ehrenbürger machen. Das lehnte er mit der Begründung ab, frühere mit dieser Ehrung ausgezeichnete Unternehmer seien älter als er gewesen. „Natürlich habe ich mich über die geplante Ehrung gefreut und nicht abgelehnt, sondern eine weniger hohe Auszeichnung vorgeschlagen“, wird er in einem Interview der Brose-Mitarbeiterzeitung zitiert.

Zugleich räumt er erstmals ein, dass auch der Streit um die „Max-Brose-Straße“ eine Rolle spielte. Wörtlich heißt es: „Die unberechtigten Vorwürfe gegen meinen Großvater sind noch nicht vergessen, und ich wollte nicht wieder in die politische Auseinandersetzung geraten. Max Brose verdanken die Coburger übrigens mehr als mir; denn er hat vor fast 100 Jahren seine Firma von Berlin nach Coburg verlegt.“

Leistungssportler

Auch als Leistungssportler machte er sich einen Namen: Stoschek war zweimal bayerischer und viermal fränkischer Meister im Springreiten. 2006 wurde er Europameister im Rallyesport mit historischen Fahrzeugen. Beim neunmaligen deutschen Basketballmeister Brose Bamberg ist er Aufsichtsratsvorsitzender.

Der Sport habe ihm für seine berufliche Aufgabe sehr viel gegeben: „Das Ziel, zu gewinnen, die Bereitschaft, zu kämpfen und aus Fehlern zu lernen sowie die Erkenntnis, dass jeder Erfolg am nächsten Tag schon Vergangenheit ist. Diese Erfahrungen haben mich auch im Beruf geprägt“, sagt der Jubilar in der Mitarbeiterzeitung.

Stoschek ist ob seiner Prinzipien eine streitbare Persönlichkeit. Und wer sich wie er öffentlich engagiert und klar positioniert, muss mit Kritik rechnen. Manchmal habe er diese Reaktionen auch bewusst in Kauf genommen, gesteht er im Interview. „Ich habe auch nie das Bedürfnis verspürt, Everybody´s Darling zu sein.“

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