Michael Müller zur EM: „Durchweg positiv“

Der 31-Jährige Bayreuther vom Bundesligisten MT Melsungen, der das letzte seiner bisher 75 Länderspiele (133 Tore) im November beim Supercup absolviert hat, gehört zwar zu den 28 Spielern, aus denen das Aufgebot gebildet werden muss, aber zu einer Nachnominierung auf seiner Position im rechten Rückraum bestand bislang kein Anlass.

Wie beurteilen Sie den EM-Auftritt der deutschen Mannschaft?

Michael Müller: Ich würde doch sagen: durchweg positiv! Gegen Spanien ist man noch ein wenig an den eigenen Fehlern gescheitert, die eiskalt bestraft wurden. Seither wirkt aber alles sehr solide. Gegen Schweden haben vielleicht Fehler der gegnerischen Trainer etwas mitgeholfen. Das sagen auch meine schwedischen Vereinskollegen. Gegen Slowenien hat das junge Team dem Druck standgehalten und vor allem eine sehr gute Abwehr gespielt.

Sind Sie überrascht von den vielen knappen Ergebnissen bei der EM?

Müller: Europameisterschaften waren schon immer spannend, und es zeichnet sich seit Jahren ab, dass sich das Niveau weiter angleicht. Vor allem die kleineren Balkanstaaten holen auf. So kann es passieren, dass sogar Island in der Vorrunde rausfliegt.

Was kann man dem deutschen Team in der Hauptrunde zutrauen?

Müller: Es wird schwer, das Halbfinale zu erreichen, nachdem Spanien und Dänemark mit je vier Punkten ins Rennen gehen. Da hat man jetzt drei Endspiele, die man alle gewinnen muss. Aber es sollte auf jeden Fall das Ziel sein, denn in diesem Feld kann jeder jeden schlagen.

Der Bundestrainer nennt die jugendliche Frische seiner Mannschaft als Vorteil gegenüber den älteren Leistungsträgern der Spitzenteams, je mehr das intensive EM-Programm „in die Knochen geht“. Kann das mehr sein als Wunschdenken?

Müller: Die Kraft wird sicher früher oder später zum Faktor in so einem harten Turnier. Mannschaften wie Frankreich, Spanien oder Polen müssen sich das schon einteilen. Aber sie sind so lange dabei, dass sie genau wissen, wann es darauf ankommt. Die Franzosen haben gegen Polen richtig schlecht gespielt, aber das passiert ihnen nicht zweimal. Spanien hat auch noch nicht durchgehend überzeugt, aber das Team ist so routiniert, dass es bestimmt noch zulegen kann. Auf der anderen Seite muss man sich auch fragen, ob die Deutschen ihr Niveau halten können. Da muss schon viel zusammen kommen, vor allem starke Leistungen von Torhütern und Abwehr. Bisher hat das funktioniert, aber in der Vorbereitung war es doch auch schwankend.

Trainingslager bei 28 Grad

Juckt es Ihnen nicht in den Fingern, wenn Sie die Spiele am Fernseher verfolgen müssen?

Müller: Na ja, mal so und mal so. Zu Beginn der EM-Vorbereitung war ich mit einer Fußverletzung angeschlagen und auch einfach müde. Statt der EM hatte ich jetzt mit dem Verein eine Woche Trainingslager auf Fuerteventura bei 28 Grad – das hat richtig gut getan. Jetzt beginnt es tatsächlich wieder zu jucken. Ich freue mich wieder sehr auf Handball, und so eine EM ist ja nicht nur sehr anstrengend, sondern natürlich richtig geil! Aber ich habe diesen Januar auch so sehr genossen.“

Das Gespräch führte Eberhard Spaeth

Nicht bewertet

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