Michael Koch beklagt "Respektlosigkeit"

Waren Sie überrascht von der Entscheidung, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird?

Michael Koch: Schon. Maßgebend sollte doch zu allererst der Erfolg der ersten Mannschaft sein, denn dafür wurde ich eingestellt. Und da haben wir die sportlichen Vorgaben doch erfüllt. Wir wollten uns vom Abstiegskampf fern halten, und das haben wir geschafft. Dabei war es eine ausgesprochen schwierige Saison mit vielen Verletzungen und Nachverpflichtung. Man muss sich mal vor Augen halten, dass wir allein sechs Center eingesetzt haben, von denen am Ende nur noch einer gespielt hat.

Wurde Ihnen eine Begründung für die Trennung genannt?

Koch: Mir persönlich wurde keine Begründung genannt, und nachträglich hat auch niemand mehr mit mir gesprochen. Es wurde eine Pressemitteilung herausgegeben, und die war mit mir abgesprochen. Das war auch der Grund, warum ich mich vor dem Ende der Saison nicht mehr äußern wollte. Dass der Verein dann noch mal an die Presse geht und der Süddeutschen Zeitung ein Interview gibt, zeugt für mich von einer gewissen Unerfahrenheit und einer gewissen Respektlosigkeit mir gegenüber. Der letzte Satz dort war: "Man trennt sich ja schließlich nicht von einem Erfolgstrainer." Und das während der noch laufenden Saison.

Gab es vorher Hinweise oder Anzeichen in dem Sinne: Wenn sich dieses oder jenes nicht ändert, dann kann es nicht weiter gehen?

Koch: Ich war mal bei einer Aufsichtsratssitzung anwesend vor sechs bis acht Wochen ungefähr. Da wurden viele Themen angesprochen, aber mir wurde nicht ausdrücklich nahe gelegt: Das und das muss sich ändern. Alle Gründe, die jetzt genannt werden, hätte man zuallererst auch mit dem noch amtierenden Trainer besprechen können.

Sehen Sie selbst Fehler, die Sie sich im Rückblick vorwerfen?

Koch: Zu allererst gilt: Das ist ein Profigeschäft. Der Aufsichtsrat stimmt ab, und wenn sich dann eine Mehrheit gegen einen ausspricht, muss man das als Gegebenheit auch hinnehmen. Sicher macht man auch als Trainer viele Fehler – wer macht das nicht im Leben? Dass man mehr zu hören bekommt, wenn man Spiele verliert, als wenn man Spiele gewinnt, das ist auch klar.

War nicht das Risiko zu groß, mit dem Minimalkader von zehn Profis auskommen zu wollen? Würden Sie das rückblickend anders machen?

Koch: Nicht unbedingt. Wir spielen ja nur einmal pro Woche. Der finanzielle Rahmen hätte auch die Möglichkeit geboten, einen Kader mit zwölf Spielern zu etablieren. Aber ein Ziel war es auch, die Positionen elf und zwölf mit Spielern aus der eigenen Jugend zu besetzen. Das habe ich auch mit Nachwuchstrainer Marcel Schröder wiederholt diskutiert. Da gibt es zurzeit in Bayreuth aber einfach niemanden, den man in die erste Mannschaft integrieren kann. Während der Saison hatten wir dann zunehmend Cameron Vines, den Amerikaner aus der zweiten Mannschaft, beim Training dabei. Man muss aber auch einfach sagen, dass es eine Seuchensaison war. So viele Verletzungen sind nicht normal. In der Tabelle sieht man, dass die Mannschaften mit gleichmäßigerem Rhythmus auch besser abgeschnitten haben.

Sind Sie qualitativ mit allen Ihren Spielerverpflichtungen zufrieden? Waren Fehlgriffe dabei, die man Ihnen vorwerfen könnte?

Koch: Ich werde nicht öffentlich über einzelne Spieler reden. Alle haben versucht, ihr Bestes zu geben. Dass man bei der Verpflichtung von zehn Spielern nicht immer nur Volltreffer landet, wird auch anderen Trainern bei anderen Vereinen passieren.

Sie haben selbst schon die sechs Center angesprochen. Lag das auch daran, dass die Verpflichtungen für diese Position nicht richtig gepasst haben?

Koch: Das war wirklich schwierig. Kendall Gray hat nicht so richtig eingeschlagen, hatte dann aber auch eine langwierige Verletzung. Phillipp Heyden hatte praktisch vom ersten Tag an anhaltende Probleme mit seinem operierten Knie. Domagoj Bubalo und Enosch Wolf hatten nur Zeitverträge, bis die Verletzten zurückkommen sollten, aber das war dann nie wirklich der Fall. Bei der Verpflichtung von Drew Naymick musste man dann schon sehen, was der Markt zu dem Zeitpunkt noch hergibt. Er war eher ein defensivstarker Center, der aber menschlich gut ins Team gepasst hat. Mit ihm haben wir ja auch ein paar wichtige Spiele gewonnen. Letztlich ergab sich dann die Chance mit Andreas Seiferth, und das war natürlich perfekt.

Wenn man den am Anfang gehabt hätte, hätten sich die anderen Fragen wahrscheinlich gar nicht gestellt.

Koch: Das kann man so sagen, aber zu Saisonbeginn hatte es diese Option nicht gegeben, schon allein wegen der Finanzen. Andreas Seiferth ist ein gestandener deutscher Spieler, Kendall Gray ein amerikanischer Rookie. Das ist eben immer die Frage, wie man das Geld verteilt. Wir haben auf den anderen Weg gehofft mit dem Rookie. Dann hat sich die Chance ergeben, dass Andi Seiferth frei war, der beim FC Bayern auch nur einen Zeitvertrag hatte.

Das darf man wohl als Glücksfall bezeichnen, denn wenn der FC Bayern einen Spieler haben will, tut sich ein Verein wie Bayreuth vermutlich schwer, ihn zu bekommen?

Koch: Es hat schon auch mit dem Spieler zu tun, der sagt: Ich suche eine neue Chance, mich zu präsentieren. Dabei muss man sagen, dass uns die Bayern auch sehr entgegengekommen sind. Sie haben Andi sogar ein paar Tage früher frei gegeben, damit er in einem wichtigen Spiel schon dabei sein konnte, das wir dann auch gewonnen haben (85:73 gegen Oldenburg; Anm. d. Red.). Dafür gebührt Bayern-Manager Marko Pesic großer Dank.

Etwas überraschend für einen Außenstehenden war auch die Trennung von Jeffrey Xavier, dessen Statistiken doch gar nicht so schlecht waren. Hatte das mit der handgreiflichen Auseinandersetzung zu tun, die es in der ersten Saisonphase mal im Team gegeben hat?

Koch: Diese Entscheidung hatte allein disziplinarische Gründe.

Nachverpflichtungen über die Agentur des Sohnes? "Nicht eine!"

Gerüchteweise hört man den Vorwurf, Sie hätten selbst von Nachverpflichtungen profitiert, weil Ihr Sohn als Spielervermittler aufgetreten sei und die Provision so in der Familie blieb.

Koch: Das ist so eine typische Geschichte, wie man sie bei schoenen-dunk.de oder sonstwo im Internet aufschnappen kann. Tatsächlich arbeitet mein Sohn für eine Spieleragentur, die in Zypern beheimatet ist – allerdings erst seit November 2015. Bei der Zusammenstellung unseres ursprünglichen Kaders war er also noch gar nicht involviert, und von den späteren Nachverpflichtungen kam keine einzige über diese Agentur zustande – nicht eine!

Wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektive für den Bundesliga-Standort Bayreuth?

Koch: Bayreuth hat eine sehr gute Struktur. Das ist ein gefestigter Verein, der sich in der ersten Liga etabliert hat. Durch das Grundgerüst mit den drei bereits feststehenden deutschen Spielern ist er auch in der nächsten Saison in jedem Fall gut aufgestellt. Die Basis an deutschen Spielern ist nun mal sehr wichtig, weil die nicht so einfach austauschbar sind. Dazu kommt ein gutes Umfeld mit guten Sponsoren und einem Wahnsinnspublikum, das die Mannschaft immer unterstützt. Nicht umsonst war Bayreuth schon immer heimstark. Aber man muss hier visionär denken. Die Liga wird sich früher oder später verkleinern, weil sich die großen Vereine in diesem Punkt irgendwann durchsetzen werden. Der einfachste Weg dazu wird es sein, die Lizenzstandards immer weiter hoch zu setzen. Dann fallen die Vereine, die das nicht stemmen können, automatisch raus. An Standorten wie Bayreuth muss man daher schon zwei bis drei Jahre im Voraus planen. Denn Bayreuth gehört in die Bundesliga.

Offen für Jobs im In- und Ausland

Und wie steht es um Ihre eigenen Zukunftsaussichten auf dem Trainermarkt?

Koch: Ich bin da ganz offen. Jetzt tut sich ja erst mal nichts, weil fast in allen Ländern die Playoffs laufen. Das gibt auch ganz willkommene Zeit zum Erholen und Runterfahren, denn der Job ist nun mal auch stressig. Wenn sich im Sommer mit den ersten Wechseln das Rad in Bewegung setzt, wird man sehen, welche Optionen sich ergeben.

Sind Sie auf die Bundesliga fixiert, oder käme auch ein Engagement im Ausland in Frage?

Koch: Ich kann mir beides vorstellen. Schließlich war ich schon als Spieler einige Jahre im Ausland. Ich hätte auch grundsätzlich nichts dagegen, bei einem großen Verein noch mal als Assistent zu arbeiten. Das könnte eine interessante Erfahrung sein.

Kümmern Sie sich allein um die Jobsuche, oder übernimmt das eine Agentur?

Koch: Ich habe auch eine Agentur, die mich vertritt. Das ist entspannter. Vor allem aber braucht man viele Verbindungen, gerade wenn man sich international umschaut. Die hat man zwar in gewissem Rahmen, aber so eine Agentur kann das mit ihrem Netzwerk viel besser.

Das Gespräch führte Eberhard Spaeth

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Kommentare

Da stellt sich Galewski im Herzogkeller auf die Bühne und sagt "Wir haben eine sehr erfolgreiche Saison gehabt".

Dann verstehe wer will, dass man sich vom Coach dieser sehr erfolgreichen Saison trennt