Mia Pittroffs Blick auf das Absurde

In der Szene ist Pittroff damit eine gefeierte und mit Preisen überhäufte Rarität. Was ihr zugleich eine recht exklusive Nische sichert. Die überdies – man werfe eine Blick auf ihren Tour-Kalender – erstaunlich nachgefragt ist. Und so ist Pittroff im deutschsprachigen Raum gut unterwegs.

Logische und dennoch absurde Rückschlüsse

Wobei die Visite in Bayreuth auch für sie besonders gewesen sein dürfte. Zum einen, weil sie hier aufgewachsen ist, zum anderen, weil hier die Art und Weise, wie sie sich auf der Bühne gibt, ausnehmend authentisch wirkt. Hier, etwa, muss sie nicht erklären – sie tut es trotzdem –, was es mit dem Ausdruck „worschd“ auf sich hat, hier versteht man sofort, warum sie, aus dem Sprachgefühl heraus, den „Buddhismus“ dem Protestantismus oder dem Katholizismus vorziehen möchte.

Und hier erschließt sich auch, weil einfach dem oberfränkischen Naturell entsprechend, nahezu intuitiv die Konzeption ihres Programms: Das bedächtig zögerliche Herantasten an den jeweiligen Gegenstand ihrer Betrachtungen, das dann doch oft überraschend tiefgründige Sinnieren, warum sich manches so verhält, wie es sich verhält, die in sich zwar logischen, aber dann doch irgendwo absurden Rückschlüsse.

Das E-Bike als Initiationsritus fürs Alter

Beispielsweise über das Altern; über das in der deutschen Sprache Nichtvorhandensein eines Begriffes, der die Übergangszeit zwischen jung und alt beschreibt. Und in der Konsequenz, derzufolge es laut Pittroff „immer bergauf gehen“ muss. Auch wenn „bergab“ eigentlich naheliegender, weil „natürlich leichter“ wäre.

Was dann wiederum dazu führe, dass man sich mit Eintritt in das Rentenalter ein hochgerüstetes E-Mountainbike zulege und damit, quasi als „Initiationsritus“, die Alpen überquere.

Am roten Faden locker entlang

Wobei das Altern natürlich nicht der einzige Programmpunkt ist, den Pittroff dezidiert unter die Lupe nimmt. Der Strauß ihrer Themenpalette ist bunt. Ob Facebook, Wadentattoos, App-Wahnsinn, Deo-Typen – Sprüher, Roller oder gar Pads – das Treiben in angesagten Szenelokalen in Berlin oder Nürnberg – all das verarbeitet sie in einem gut zwei Stunden währenden, höchst vergnüglichen Monolog.

Einen roten Faden gibt es, obgleich locker gehalten, natürlich auch: Den 65. Geburtstag ihrer Mutter. An diesem und deren Wunsch nach einem persönlichen Gedicht hangelt sie sich gekonnt durch ihr Programm.

Dann ist Schluss mit lustig, dann wird es brutal

Aufgelockert wird dieses durch Gesangseinlagen, die das zweite Gesicht der Mia Pittroff offenbaren. Denn in ihnen klingt dann und wann, zumindest was Text und Vortrag angeht, einer der Großmeister des tiefgründigen, oftmals auch rabenschwarzen Humors durch: Georg Kreisler.

Da blinzelt dann, natürlich liebenswert verpackt, wahrlich Abgründiges durch. Beispielsweise in der Hommage an einen Zeitgenossen namens „Jürgen“. Ein in der Gemeinschaft hoch geschätzter Mensch, der nur bei einer Sache „Pickel im Gesicht“ bekommt, nämlich dann, wenn sich jemand mit dem Auto vor seine Einfahrt stellt. Dann ist Schluss mit lustig, dann wird es brutal.

Mit Ellenbogen durch die Szene

Und das sind wiederum die Momente, die offenbaren, dass die junge Frau, die hier auf der Bühne steht und ein Mädchen gibt, das verwundert mit großen Augen durch eine immer absurder anmutende Welt läuft, in Wirklichkeit ganz anders ist. Schließlich braucht derjenige, der sich im Kabarett behaupten will, nicht nur ein gutes Konzept, sondern auch entsprechend Ellenbogen. Mia Pittroff hat sie offenbar.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06