Messerattacke in Asylbewerberheim: Vier Jahre Haft für den Angeklagten

Er soll getobt haben und geschrien: „Ich bring dich um.“ Und: „Ich stech dich ab.“ Das hatten Zeugen in den beiden Verhandlungstagen ausgesagt. Darauf wies auch der Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz hin, der in seinem Plädoyer am Dienstag den Vorsatz als erwiesen sah. Strafmildernde Umstände sah der Oberstaatsanwalt nicht. Statt eines Strafrahmens zwischen zwei Jahren und elf Jahren und drei Monaten für den Versuch forderte Schmalz sechs Jahre Haft. Bei Totschlag geht das Gesetz von einer Freiheitsstrafe von Mindestens fünf Jahren aus.

Hilmar Lampert, der Verteidiger des Angeklagten, sagte zwar, er sei nach der Beweisaufnahme nicht der Meinung, dass der Stich Richtung Schulter nachgewiesen ist. Doch bei der entscheidenden Frage, ob ein Tötungsvorsatz vorlag, sagte er: „Von einem Tötungsvorsatz ist auszugehen.“

Der Angeklagte hatte sich im November des vergangenen Jahres darüber geärgert, dass er immer dann das Zimmer verlassen musste, wenn sein Mitbewohner seine Freundin zu Besuch hatte. Das soll fünf bis sechs Mal in der Woche vorgekommen sein, der Angeklagte durfte dann nicht im gemeinsamen Zimmer übernachten. An einem Sonntag im November gerieten Angeklagter und Opfer darüber in Streit, der Angeklagte verließ das Zimmer, kam mit einem Messer zurück. Ein Brotmesser, Wellenschliff, die Klinge 18 Zentimeter lang. Er schrie: „Ich bring dich um.“ Das Opfer erlitt Kratzspuren am Hals, eine Bisswunde und einen Schnitt am Finger. Seit der Tat sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Der 27-jährige Äthiopier hatte in der Verhandlung zugegeben, dass er mit einem Messer auf das Opfer losgegangen sei. Anwalt Lampert führte dieses Teilgeständnis als mildernden Umstand an. Er beschrieb seinen Mandanten als intellektuell unterlegen. „Er hat das Drohen mit dem Messer als eine völlig normale Handlung beschrieben.“ Das Opfer soll den Angeklagten vor der Tat beleidigt und gekränkt haben. Der Anwalt sagte: „Fest steht aber, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne war.“ Die Verteidigung hielt zwei Jahre und neun Monate Haft  für Tat- und Schuld angemessen.

Nach kurzer Beratung sprach die Kammer das Urteil: vier Jahre Freiheitsstrafe. Wegen versuchten Totschlags. Michael Eckstein, der Gerichtsvorsitzende, sagte in der Begründung des Urteils: „Der Angeklagte handelte wenigstens mit bedingtem Tötungsvorsatz.“ Auf den schloss die Kammer durch die Aussagen des Opfers. Das hatte dem Gericht gezeigt, wie viel Kraft nötig war, um Angreifer und Arm von seinem Hals wegzuhalten. Die Kammer war auch überzeugt, dass die Schürfwunde am Hals vom Messer kam.

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