Mehr Geld für die Dörfer

Dass auf dem Land richtig was geht, dass haben wir zuletzt bei den Mittelalterspektakeln in Plankenfels und Hollfeld, Waischenfeld und Gefrees erlebt. Mittelalterliche Kostüme und Darbietungen gab es auch vor schon längerer Zeit in Creußen. Den Anlass gaben jedes Mal die Ortsjubiläen. Die bunten Gewänder und Mützen, Rüstungen, Helme und Wappen haben ja ihre Reize. Sie werten jedes Jubiläumsfest auf. Soweit der vorgründige Eindruck.

Doch hinter den Festspielen der Vergangenheit steckt viel mehr, wie der Bezirksheimatpfleger Günter Dippold in dieser Woche darlegte. Was da in der Mitte der Bürger entsteht, zeitigt vor allem nachhaltige Wirkung. Es ist richtig, wenn sich Menschen mit der Vergangenheit ihrer Heimat beschäftigen. Das stärkt das Selbstwertgefühl und stiftet Identität. Gerade in einer zunehmend globalisierten Welt gibt das vielen Menschen Orientierung. Wer weiß, woher er kommt, der weiß auch, wohin er will. So lautet eine einfache, aber viel sagende Formel. Zudem rücken die Menschen zusammen, wenn sie die Geschichte ihres Ortes darstellen. Das schafft auch noch Gemeinschaft.

Dass bei alldem Bilder erzeugt werden, die die Vergangenheit Oberfrankens nicht immer richtig zeigen, schadet nicht. Denn die Geschichte ist ohnehin komplizierter und kann in wenigen Stunden gar nicht dargestellt werden.

Auch in Oberfranken wird seit Jahren viel Geld dafür ausgegeben, den Landstrich bekannter zu machen, sein Ansehen aufzuwerten und sogar das Selbstwertgefühl seiner Bewohner zu steigern. Die Anstrengungen der Marketingexperten richten sich nach innen, weil der Oberfranke für seine Zurückhaltung und Bescheidenheit bekannt ist. Allzu gern stellt er sein Licht unter den Scheffel.

Das Geld für die groß angelegten Marketingoffensiven könnte sinnvoller ausgegeben werden. Das zeigen die Mittelalterspektakel. Die Bürger, die den ganzen Aufwand tragen, verdienen mehr finanzielle Unterstützung. Die Staatsregierung täte gut daran, wenn sie die Heimatforschung und die Veranstalter von Mittelalterspektakeln besser fördert. In den Dörfern wäre das Geld gut aufgehoben.

udo.bartsch@nordbayerischer-kurier.de

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Montag, 13. November 2017 - 11:06