Mehr Gäste - und trotzdem drückt der Schuh

Die frohe Botschaft stellte Andrea Luger an den Beginn ihrer Rede. Nach dem schon guten Jahr 2015 gab es für Oberfrankens Beherbungsbetriebe auch 2016 teils satte Steigerungen, berichtete die Bezirksvorsitzende beim Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Bayreuth. 7,2 Prozent mehr Ankünfte und 7,0 Prozent mehr Übernachtungen bei einer ordentlichen Bettenauslastung von knapp 39 Prozent standen Ende November zu Buche. Zahlen, mit denen die Region die gesamt-bayerischen Werte locker in den Schatten stellt. Am besten lief's - vor allem dank der Landesgartenschau - in Bayreuth, wo die Zahl der Übernachtungen gleich um gut zwölf Prozent zulegte (wir berichteten). Hof dagegen musste als nahezu einzige Region einen Rückgang um 1,9 Prozent hinnehmen.

Aufruf an die Politik

Positive Nachrichten, bei denen sich Luger allerdings nicht lange aufhielt. Denn es gebe auch genug Probleme, mit denen die Branche zu kämpfen habe. Und die gelte es im Jahr der Bundestagswahl an die Politik zu adressieren. "Wir erwarten Antworten", rief die Gastronomin, die ein Landhotel in Behringersmühle führt, so vehement in den Saal, dass die anwesenden Landtagsabgeordneten kaum überhört haben dürften, dass sie gemeint waren.

Luger formulierte drei Hauptforderungen:

 

  • Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes: Das Gesetz sei völlig veraltet. Vor allem die darin verankerte tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden sei ihr und ihren Kollegen ein Dorn im Auge. Es müsse möglich sein, dass bei einer Veranstaltung wie einer Hochzeit auch mal zwölf Stunden gearbeitet werden dürfe und dafür an einem anderen Tag eben nur vier oder sechs Stunden. Luger plädierte für eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden bei Beibehaltung der Gesamtarbeitszeit. So könne das Personal flexibel eingesetzt werden.

 

 

  • Steuerliche Gleichbehandlung: Es sei nicht einzusehen, dass auf Essen, das an Supermarkttheken oder Imbissbuden - also im Stehen - eingenommen werde, nur sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig werde, auf ein im Restaurant serviertes aber 19 Prozent. "Wir erwarten, dass die frisch zubereitete und servierte Suppe steuerlich nicht schlechter gestellt wird als die Tütensuppe im Lidl oder Aldi." Lebensmittel sollten steuerlich gleich behandelt werden, egal wo und wie sie verkauft werden. Ganz nebenbei bekämen die Betriebe bei einer Senkung finanzielle Spielräume für Investitionen.

 

 

  • Bürokratie: Mehr als 20 Dokumentationspflichten müssten die gastronomischen Betriebe mittlerweile nachkommen. Der Hinweis auf Allergene im Essen und die für die Branche noch verschärften Aufzeichnungspflichten nach dem Mindestlohngesetz seien dabei die ärgerlichsten. Zwei Stunden und mehr müssten Gastronomen mittlerweile pro Tag für so etwas aufwenden. "Diese Zeit fehlt ihm für seine eigentliche Aufgabe, nämlich sich um den Gast zu kümmern", sagte Luger.

 

Schon seit Jahren leidet die Branche unter eklatantem Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Das habe einerseits mit der Demografie und dem Run auf das Studium zu tun, aber die Betriebe müssten auch selber ihre Hausaufgaben machen und in die Ausbildungsqualität investieren. Immerhin gebe es hier aber auch eine positive Nachricht: Nach vielen Jahren sinkender Auszubildendenzahlen hätten sich 2016 wieder 5,6 Prozent mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Gastronomie und Hotellerie entschieden.

Systemrelevant

Zahlen, die Dehoga-Bayern-Vorstandsmitglied Ralf Barthelmes um weitere interessante ergänzte: Die bayernweit rund 40.000 Betriebe der Branche beschäftigten mittlerweile jeden 20. Arbeitnehmer und sogar jeden zehnten Auszubildenden im Land. "Wir sind systemrelevant", sagte der Würzburger.

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