Mediendesign in Münchberg: Studieren am Ende der Welt

Vielleicht ist Mareike Frank genau so eine Studentin, die sie in Münchberg suchen. Sie ist 25 Jahre alt, sie kommt aus Rehau und studiert in Münchberg Mediendesign. Sie ist im dritten Semester. Ihr Kurs heißt Information-Design bei Michael Zöllner. Die Studenten versuchen, die Autobahn A9 zu visualisieren, die ein paar Kilometer weiter nördlich verläuft. Es geht darum, Geschichten zu erzählen und Zusammenhänge zu erklären.

Vor Mareike Frank hängen große beige Papierbögen an der Wand. Ihre Darstellung handelt von Ost und West. Von BRD und DDR. Von Golf und Trabi. Sie verbindet Weltgeschichte mit der Geschichte des Autos und mit persönlichen Geschichten. Die Familie der Studentin stammt aus Mödlareuth. Mareike Frank hat die verschiedenen Geschichten kombiniert. Man sieht jetzt zum Beispiel, wie schnell die Produktzyklen im Westen waren und wie langsam im Osten. Und wie das Leben auf beiden Seiten der Grenze war.

Warum beige, will Michael Zöllner wissen. Weil es auch eine persönliche Geschichte ist, sagte die Studentin. Deshalb der warme Ton, deshalb die Farbe. Sie sagt: "Ich wollte gerne eine persönliche Ebene mit reinbringen, reine Fakten fesseln mich nicht." Zöllner nickt. Es geht auch darum.

Michael Zöllner ist Professor für Mediendesign in Münchberg. Der Campus Münchberg gehört zur Hochschule Hof. Lange gibt es die Mediendesigner in Münchberg noch nicht. Münchberg ist Textilstadt. So steht das auf der Homepage der Stadt. So war das lange auch am Hochschulstandort. Textildesign kann man dort studieren. Und Innovative Textilien. Und Umweltingenieurwesen. Und seit 2010 Mediendesign. Die meisten Studenten kommen aus der Region, man könnte einen 100-Kilometer-Radius ziehen, sagt Zöllner. Aber die Studenten kommen auch von weiter her.

Daniela Stumpf ist so eine Ausnahme. Sie hat Mitfahrgelegenheiten untersucht. Weil sie selbst aus der Nähe von Landshut nach Münchberg pendelt und weil sie den Eindruck hatte, das machen viele Menschen. Das Problem: Es gibt keine offiziellen Daten. Sie hat eine Umfrage auf Facebook gemacht und einen Fragebogen hochgeladen. Herausgekommen sind die durchschnittliche Fahrtstrecke oder ein Bild des Mustermitfahrers. "Der ist 22,84 Jahre alt, zu 70 Prozent weiblich und zu 74 Prozent Student", sagt Daniela Stumpf.

Noch so eine Besonderheit: Sie gehen nicht nur nach Mappe, nicht nach dem, was die Studenten schon können. „Wir gestalten das offener. Wir wollen kluge und interessierte Studenten kriegen. Das ist ein Experiment, aber es glückt jedes Jahr“, sagt Michael Zöllner.

Constantin Götz ist noch einer von denen, nach denen Zöllner sucht. Der junge Mann hat geschaut, wie sich Computerspiele und Autofilme auf die Unfallstatistik auswirken. Er hat Ausschläge in der Statistik dargestellt, man sieht jetzt Spitzen. Immer im Sommer. Götz sagt: "Die Unfälle haben nicht zugenommen." Eines der Ergebnisse. Und: Im Winter passieren weniger Unfälle. Jedes Jahr. Angestiegen ist die Statistik nur nach dem Film "The Fast and the Furios".

Michael Zöllner sagt: "Wir wollen Daten auswerten und nicht nur aufhübschen." Es ist der Unterschied zu anderen Designstudiengängen. Es geht um die Analyse hinter der Darstellung. "Bei uns ist es wichtig, dass die Leute die Dinge, die sie bearbeiten, verstehen", sagt der Professor. Früher haben Designer Geschäftsberichte illustriert oder Museumsführer schön gemacht. "Der Verhübscher steht aber immer am Ende der Kette", sagt Zöllner. Deshalb der Münchberger Weg. Es gehe um Emanzipation. "Nur so können Designer ihr eigenes Arbeitsumfeld mitprägen."

Studium in Münchberg:

Die Studiengänge: Die Hochschule Hof bietet insgesamt 29 Bachelor- und Masterstudiengänge an. In Münchberg finden Textildesign, Innovative Textilien und Mediendesign statt, die Studenten des Umweltingenieurwesen pendeln zwischen Hof und Münchberg.

Mediendesign: Das Studium läuft über sieben Semester. Die Studienschwerpunkte sind  Informationdesign und Interactiondesign (Michael Zöllner), Servicedesign und Interfacedesign (Torsten Stapelkamp), Fotografie und Film (Frieder Wolfram), Typografie und Editorialdesign (Claudia Siegel)

Werkschau: Einen Einblick in die Arbeit der Münchberger Studenten bieten die Werkschau Design-Blick, die heute und morgen in Münchberg statfinden. Geöffnet ist die Ausstellung am Freitag, 30. Januar, von 18 bis 22 Uhr, und am Samstag von 10 bis 22 Uhr.

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Kommentare

Geografisch betrachtet liegt Münchberg fast mitten in Europa.

Münchberg macht halt seine Hausaufgaben und wartet nicht, bis die gute Fee kommt und drei Wünsche anbietet.
Waldsassen/Oberpfalz liegt in der Mitte Europas!
Ich schrieb "fast"
Konnersreuth liegt auch fast in der Mitte Europas.