Medi: Von Bayreuth in die Welt

Es war noch nie so schwierig, im europäischen Vereins-Basketball den Überblick zu bewahren wie in der laufenden Saison. Gleich 113 Mannschaften gehen in vier internationalen Wettbewerben an den Start.

Das privatwirtschaftliche Unternehmen Euroleague Commercial Assets (ECA) organisiert nicht nur die Königsklasse Euroleague mit 16 Teilnehmern, darunter dem Deutschen Meister Brose Bamberg, sondern auch deren Unterbau, den Europcup mit 20 Teams. Hier nehmen mit Vizemeister Ratiopharm Ulm, Pokalsieger Alba Berlin und dem FC Bayern München drei deutsche Clubs teil.

Der Kontinentalverband Fiba Europe richtet die neugegründete Champions League mit 40 Teams aus, in der mit den EWE Baskets Oldenburg, MHP Riesen Ludwigsburg und Fraport Skyliners Frankfurt drei Bundesligisten starten. Hinzu kommt der Fiba Europe Cup mit 37 Teams. Eines davon sind die Telekom Baskets Bonn.

ECA und Fiba Europe liefern sich seit mehr als einem Jahr einen unerbittlichen Streit, in dem es um Macht, Geld und die Teilnahme der besten Mannschaften geht.

Ein Medi-Ex bei Maccabi Tel Aviv

Mit dabei in den vier Wettbewerben sind auch zwölf Spieler, die in den vergangenen Jahren das Trikot von Medi Bayreuth trugen. Der US-Amerikaner D. J. Seeley (in der Saison 2013/14 bei Medi) hat es sogar in den Kader des mehrfachen Euroleague-Gewinners Maccabi Tel Aviv geschafft, der aktuell den vierten Tabellenplatz belegt und am Mittwoch nächster Woche Brose Bamberg empfängt. Der Montenegriner Sead Sehovic (ebenfalls 2013/14 bei Medi) spielt in seiner Heimat mit KK Buducnost Podgorica im Eurocup.

Gleich sechs ehemalige Bayreuther sind mit ihren aktuellen Arbeitgebern in der Champions League vertreten, vier im Fiba Europe Cup. Dort ist mit Predrag Krunic bei den Telekom Baskets Bonn auch ein ehemaliger Medi-Trainer (März bis Dezember 2013) beschäftigt.

Im Euroleague-Kader von Brose Bamberg wird mit dem 19-jährigen Leon Kratzer sogar ein gebürtiger Bayreuther geführt. Der Centerspieler, der 2011 zum Nachbarrivalen wechselte, stand in dieser Saison bereits sechsmal auf dem Spielberichtsbogen, kam allerdings noch nicht zum Einsatz.

 

Ein Überblick:

Brandon Bowman: Belgien
Den Globetrotter hat es nach der Saison 2014/15 in Bayreuth (13,6 Punkte pro Partie) nach Puerto Rico und dann nach Zypern verschlagen. Seine 17. (!) Profi station verbringt der US-Forward aktuell beim belgischen Topclub Spirou Charleroi. Für Bowman läuft es als Topscorer (15,3 Punkte) bestens, das Team ist in Champions-League-Gruppe E mit zwei Siegen und vier Niederlagen aber nur Vorletzter.

Daniel Mullings: Finnland
Nach einer durchwachsenen Saison 2015/16 in Bayreuth (5,2 Punkte pro Spiel) und einem Zwischenstopp in China zeigt der flinke Kanadier seit Saisonbeginn in der Champions League beim finnischen Club Kataja Basket Joensuu sein ganzes Potenzial. Mit 15,4 Punkten und 7,6 Rebounds ist er in beiden Kategorien bester Spieler des Teams, das mit zwei Siegen und vier Niederlagen aber nur Vorletzter in Gruppe B ist.

Domagoj Bubalo: Litauen
In Bayreuth half der kroatische Center zu Beginn der Vorsaison vier Spiele aus (6,8 Punkte im Schnitt). Danach wechselte er zum BC Siauliai nach Litauen, mit dem er im Fiba Europe Cup jüngst alle sechs Vorrundenspiele verlor. Bubalo blieb dabei mit 4,0 Punkten und 1,0 Rebounds im Schnitt unauffällig.

Arvydas Siksnius: Litauen
Das Bayreuth-Gastspiel des Litauers in der Saison 2012/13 verlief mit nur 4,4 Punkten in sieben Einsätzen enttäuschend. Anschließend spielte er bei mehreren kleineren Vereinen in seiner Heimat, ehe er dort 2015 den Sprung zum Spitzenclub Neptunas Klaipeda schaffte. Beim Spitzenreiter von Champions-League-Gruppe B (5:1 Siege) ist er mit 3,0 Punkten und 2,2 Rebounds pro Partie solider Rollenspieler.

Sead Sehovic: Montenegro
Der Montenegriner wechselte nach seinem Bayreuther Kurzgastspiel (zehn Spiele in der ersten Saisonhälfte 2013/14 mit durchschnittlich 12,5 Punkten) zu MZT Skopje nach Mazedonien. Zur Spielzeit 2015/16 kehrte er in seine Heimat zum Spitzenclub KK Buducnost Podgorica zurück. Im Eurocup kommt er in drei Einsätzen auf bescheidene 1,3 Punkte und 1,7 Rebounds im Schnitt.

Danny Gibson: Bulgarien
Über Stationen in Griechenland und Polen kam der US-Spielmacher, der von 2010 bis 2012 in Bayreuth unter Vertrag stand (12,3 Punkte in 64 Partien), zum bulgarischen Abonnementmeister Lukoil Academic Sofia. Im Fiba Europe Cup ist er mit 16,0 Punkten Topscorer des Teams, das Vorrundengruppe F mit 4:2 Siegen als Erster abschloss.

D.J. Seeley: Israel
Nach seiner Zeit in Bayreuth, als er im Februar 2014 das Team verstärkte und mit 13,4 Punkten maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt war, verschlug es den US-Amerikaner zu den Delaware 87ers in den NBA-Unterbau NBDL, danach spielte er in Manresa (Spanien), bei Besiktas Istanbul und auf Gran Canaria wieder in der spanischen Liga. Im Sommer wurde der Swingman von Maccabi Tel Aviv verpflichtet. In den ersten neun Euroleague-Spielen dieser Saison gelangen ihm 8,7 Punkte und 3,3 Assists.

Kyle Weems: Türkei
Der Bayreuther Topscorer der Saison 2013/14 (14,6 Punkte) spielte bei JSF Nanterre und Strasbourg IG zwei Jahre lang bei Spitzenclubs in Frankreich. Zur laufenden Saison zog er zu Besiktas Istanbul weiter und ist mit seinem neuen Club in sechs Champions-League-Spielen noch ungeschlagen. Mit 9,2 Punkten und 4,0 Rebounds pro Partie ist der US-Forward Leistungsträger.

Jeffrey Xavier: Portugal
In Bayreuth wurde der Vertrag des US-Boys in der Vorsaison nach 13 Einsätzen (10,2 Punkte) gekündigt. Über den spanischen Zweitligisten CB Breogan kam er zum portugiesischen Meister FC Porto, dessen klägliches Vorrunden-Aus im Fiba Europe Cup (sechs Niederlagen in sechs Spielen) er mit 12,5 Punkten pro Partie nicht verhindern konnte.

Brian Qvale: Deutschland
Der US-Center spielte 2013/14 im Medi-Dress mit 13,1 Punkten und 6,0 Rebounds stark auf. Nach einem NBA-Probevertrag bei den Charlotte Hornets und einer Saison in Bursa (Türkei), kehrte er 2015 in die Bundesliga zu den EWE Baskets Oldenburg zurück. In der Champions League ist er bester Scorer (14,0 Punkte) und Rebounder (7,2) des Tabellen-Dritten von Gruppe C (4:2 Siege).

Ekene Ibekwe: Deutschland
Die Skyliners Frankfurt sind bereits die 16. (!) Profistation des US-Amerikaners, der für die nigerianische Nationalmannschaft spielt. In Champions-League-Gruppe A rangieren die Hessen mit 3:3 Siegen auf Platz drei. Ibekwe ist zweitbester Scorer (11,4 Punkte) und bester Rebounder (5,2) des Teams. Ähnliche Statistiken (11,7 / 5,6) hatte er in der Saison 2011/12 in Bayreuth.

Kenneth Horton: Deutschland
Nachdem er sich mit Medi nach einer starken Saison 2015/16 (12,4 Punkte pro Partie) nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte, heuerte der Power Forward bei den Telekom Baskets Bonn an. Die Rheinländer qualifi zierten sich im Fiba Europe Cup mit 3:1 Siegen souverän für die Zwischenrunde, der US-Amerikaner war mit 12,7 Punkten eine Stütze des Teams.

Nicht bewertet

Anzeige