Medi testet gegen Ligakollegen Gießen

„Da waren gute Ansätze dabei und wir haben einiges ausprobiert, es waren aber auch viele Schlampigkeiten dabei und man hat gesehen, dass unsere Beine derzeit schwer sind“, zieht Medi-Cheftrainer Raoul Korner nach dem Treffen mit Karlsruhe kritisch Resümee und schiebt nach: „Ich bin allerdings auch selten zufrieden. Es passt in der derzeitigen Phase der Saisonvorbereitung die Richtung, alle Spieler sind gesund und es entwickelt sich eine gute Teamchemie. Jetzt geht es darum, mehr Präzision zu entwickeln und gerade in der Defensive mit mehr Aggressivität zu spielen.“

Für die Bayreuther geht es im „Europapokal-Modus“ unmittelbar weiter: Der Vergleich mit den Gießenern ist nach den Duellen in Ulm und gegen Karlsruhe das dritte Spiel binnen sieben Tagen. Dabei kann Korner auf personelle Verstärkung setzen: Robin Amaize ist zwischenzeitlich von der Universiade in Taipeh zurückgekehrt und wird gegen die Hessen ins Geschehen eingreifen können. Somit fehlt nur noch Neuzugang John Cox. „John wird am kommenden Mittwoch zur Mannschaft stoßen und dann erstmals beim Turnier in Charleroi zum Einsatz kommen“, verrät Korner.

Gießener sind schwer einzuschätzen

Die Gießen 46ers stellen derzeit einen schwer zu taxierenden Gegner dar. Am zurückliegenden Wochenende feierten die Hessen bei ihrem eigenen Turnier nach einer kapitalen 56:92-Klatsche gegen die BG Göttingen im Spiel um Platz drei einen beachtlichen 102:90-Erfolg über den hessischen Rivalen Skyliners Frankfurt.

Auch eine Orientierung am Leistungsvermögen des Tabellenneunten der zurückliegenden Spielzeit erscheint wenig Erfolg versprechend. Bis auf Lokalmatador Benjamin Lischka sowie Marco Völler, der aufgrund einer Dopingsperre erst Anfang September wieder in den Spielbetrieb eingreifen darf, haben alle Leistungsträger den Club verlassen. Ebenso hat sich der bisherige Head Coach Denis Wucherer für eine neue Aufgabe beim ambitionierten ProA-Vertreter Köln 99ers entschieden und nach vierjähriger erfolgreicher Tätigkeit kein leichtes Erbe hinterlassen: Der Ex-Nationalspieler hatte die Hessen aus der ProA zurück in die BBL geführt und war trotz wirtschaftlich stark begrenzter Möglichkeiten in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils nur haarscharf an der Playoff-Teilnahme vorbeigeschrammt.

Neuer Trainer Ingo Freyer

Seine Nachfolge hat Ingo Freyer angetreten, der bei Phoenix Hagen von 2007 bis zur Insolvenz der Westfalen im November 2016 unter vergleichbaren Rahmenbedingungen ähnlich erfolgreiche Arbeit geleistet hatte. „Ingo Freyer hat eine lange Ära in Hagen geprägt und dabei bewiesen, dass er einen Klub mit bescheidenen Mitteln in der BBL etablieren kann. Er kann jeden einzelnen Punkt unserer Anforderungen erfüllen, sei es Erfahrung in der Liga, kontinuierliche Arbeit im Nachwuchsbereich und Basketball-Know-How“, erklärt Gießens Geschäftsführer Heiko Schelberg, weshalb die Wahl auf den ehemaligen Nationalspielmacher fiel.

Freyer steht in Gießen vor einem Neuaufbau, nicht zuletzt der Abgang von Leitwolf Cameron Wells (Varese/ITA) oder Center-Entdeckung Justin Sears (Ludwigsburg) hat die Hessen spürbar getroffen. Sechs neue Kontingentspieler gingen an Bord, kein einziger mit BBL-Erfahrung. Vielversprechend klingt der bisherige Werdegang von Dee Davis. Der 24-jährige US-Guard kommt vom slowenischen Vizemeister Rogaska Crystal und war bester Vorbereiter sowie drittbester Scorer der slowenischen Liga. Ebenfalls für den Backcourt eingeplant sind seine US-Landsleute Austin Hollins (Karhu/FIN), der sich zuletzt gegen Frankfurt mit 27 Punkten als Topscorer auszuzeichnen verstand, und Max Landis (Aalst/BEL). Landis zog sich unlängst allerdings einen Meniskusriss zu und fehlt somit auf unabsehbare Zeit.

Zur Verstärkung der Flügelpositionen engagierten die Hessen die beiden US-Forwards Jamar Abrams (SCM CSU Craiova/ROM) und Kayel Locke (Bashkimi Prizren/Kosovo). Lockes Tryout-Vertrag wurde zwischenzeitlich aber genauso beendet, wie die Zusammenarbeit mit dem 2,06 Meter großen senegalesischen College-Absolventen Malik Dime (Washington State Univ.), der als Abräumer an den Brettern eingeplant war. „Wir mussten alle gemeinsam erkennen, dass der Schritt in die BBL noch zu groß für Malik ist. Mit dem Aufhebungsvertrag konnten wir für beide Parteien eine schnelle Lösung finden. Malik und wir haben nun jeweils die Chance, uns noch einmal anders zu orientieren“, erklärt Cheftrainer Ingo Freyer die Trennung. Dass die Hessen morgen bereits Ersatz für die beiden Abgänge präsentieren können, erscheint unwahrscheinlich.

Teamkollege von Robin Amaize

Auf den deutschen Positionen kamen mit dem jungen Centerspieler Mahir Agva (Frankfurt), der zuletzt Seite an Seite mit Robin Amaize die deutschen Farben bei der Universiade vertrat, und Spielmacher Mauricio Marin (Tübingen) zwei Akteure mit Ligaerfahrung dazu. Neuland in der BBL betreten der 19-jährige Flügelspieler Leon Iduma Okpara (Köln) sowie der ebenfalls erst 19-jährige und 2,10 Meter große Anthony Okao (IBA München).

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06