Medi-Team vor letztem Schritt zu Rang vier

In Gefahr geraten kann diese Position ohnehin nur noch, wenn Tabellennachbar TB Bonn alle drei ausstehenden Spiele gewinnt. Das ist gegen Göttingen, in Gießen und gegen Oldenburg sicher nicht unmöglich, aber auch keineswegs selbstverständlich. Andererseits ist für die Bayreuther ihre erste Gelegenheit zum Ausräumen der letzten Zweifel auch gleich die beste. Danach kommt schließlich Titelanwärter Bayern München, und zum Finale der Hauptrunde steht die Aufgabe bei den Würzburgern auf dem Programm, die sich in letzter Zeit sichtlich um einen versöhnlichen Abschluss einer insgesamt enttäuschenden Saison bemüht haben.

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Für Medi-Trainer Raoul Korner ist eine möglichst frühe Entscheidung ohnehin wertvoll, um danach entsprechend viel Zeit für die Einstellung auf die Playoffs zu haben. Dabei denkt er allerdings nicht an Entspannung: „Wenn Spieler angeschlagen sind, lassen wir sie ohnehin immer kürzer treten. Grundsätzlich ist es aber keine gute Idee, in den letzten Spielen vor den Playoffs weniger als 100 Prozent zu geben. Schließlich geht es darum, einen Rhythmus aufzubauen.“ Ebenso wenig hilfreich sei der gegenteilige Ansatz, sich mit verschärftem Trainingspensum für die neue Phase der Saison rüsten zu wollen: „Die konditionelle Verfassung unseres Teams ist top – und mehr als top ist nicht nötig.“ Einen wesentlichen Teil der Vorbereitung auf die Playoffs sieht der Coach vielmehr im mentalen Bereich: „Man muss nicht nur die Beine frei bekommen, sondern auch den Kopf. Playoffs müssen jedem Spaß machen. Wir sollten sie als Belohnung für die ganze Saison betrachten. Und es gilt, den Fokus ganz auf einen einzelnen Gegner zu konzentrieren.“

Auch die Gäste sind ein Überraschungsteam

Bevor es so weit ist, will Korner die Aufmerksamkeit seiner Mannschaft aber nicht von den Gießen 46ers ablenken, die mit ihrer reellen Playoff-Chance fast ebenso viele Experten überrascht haben wie die Bayreuther mit ihrem vierten Platz. Mit fünf Siegen in Folge hatten sich die Hessen unter die besten Acht nach vorn gearbeitet, ehe sie zuletzt in Ulm zwar mit 63:72 gestoppt wurden, aber sich auch beim Spitzenreiter als hartnäckiger Gegner erwiesen. „Im Vorjahr war die Überraschung noch größer“, sagt Raoul Korner. „Da hat Trainer Denis Wucherer schon gezeigt, dass er mit überschaubaren finanziellen Mitteln an die Playoffs anklopfen kann. Ich bitte das ausdrücklich als Kompliment zu verstehen.“

Als auffälligstes Merkmal im Spiel der Gießener nennt der Medi-Trainer das hohe Tempo: „Das gilt auf beiden Seiten des Feldes: In der Verteidigung sind sie extrem aggressiv, und im Angriff suchen sie auch im Halbfeld das schnelle Spiel. Das müssen wir eindämmen und gleichzeitig in der eigenen Offensive gut auf den Ball aufpassen sowie unsere Vorteile unter dem Korb nutzen.“ Im Hinspiel klappte das alles gut, als die Bayreuther mit 100:82 den fünften Sieg innerhalb ihrer später bis zu zehn Spielen anhaltenden Erfolgsserie feierten und von der Konkurrenz erstmals als ernsthafter Anwärter auf einen Spitzenplatz wahrgenommen wurden. Diesmal wurde die Vorbereitung allerdings beeinträchtigt, weil einige Spieler krankheitsgeschwächt waren. Auch Korner selbst lag vorübergehend mit Fieber im Bett: „Wir hatten keine ganz so tolle Trainingswoche.“

Bonn oder Berlin: "Ziemlich genau 50:50"

Obwohl nur noch drei Spiele in der Bundesliga-Hauptrunde ausstehen, sieht Trainer Raoul Korner die Frage nach dem Gegner für seine Mannschaft von Medi Bayreuth in der ersten Playoff-Runde völlig offen: „Die Chancen stehen ziemlich genau 50:50“, sagt er über das Fernduell der Verfolger TB Bonn und Alba Berlin, die punktgleich auf den Plätzen fünf und sechs liegen. Wie schwierig eine Einschätzung ist, habe die Niederlage der Bonner beim Tabellenvorletzten Braunschweig gezeigt: „Bis vor einer Woche hätte ich auf Bonn getippt, aber jetzt bin ich nicht mehr so sicher.“

Besonders vorsichtig ist der Bayreuther Coach mit der Bewertung des Restprogramms von Alba Berlin in Bremerhaven und Frankfurt sowie zum Abschluss gegen Ludwigsburg: „Diese drei Spiele kann man alle gewinnen, aber auch alle verlieren.“ Wegen des verlorenen Direktvergleichs benötigt der Tabellensechste für einen Positionswechsel in jedem Fall einen Sieg mehr als die Bonner gegen Göttingen, in Gießen und gegen Oldenburg.

Auf die Frage, wer ihm als Gegner lieber wäre, wollte sich Korner nicht festlegen: „In der Spielanlage sind beide Teams ähnlich: offensiv orientiert mit viel Feuerkraft.“ Ein Unterschied könne eher in der Einstellung auftreten im Zusammenhang mit den Saisonerwartungen: „In Berlin könnte man den fünften Platz vielleicht als Chance sehen, eine relativ verkorkste Saison zu retten, indem man über das Viertelfinale hinaus kommt. Bonn war dagegen im Vorjahr gar nicht in den Playoffs, so dass ein Ausscheiden vielleicht nicht als ganz so dramatisch gesehen wird. Das ist psychologisch ein Unterschied, aber was besser oder schlechter ist, weiß ich auch nicht.“

Allstars an der Uni

Im Rahmen der Veranstaltung „Allstars meet Students: Der Weg zum Erfolg“ sind Anfang kommender Woche die drei Bundesliga-Allstars aus dem aktuellen Kader von Medi Bayreuth an der Universität Bayreuth zu Gast. In Kurzvorträgen werden sie dabei über ihre ganz persönlichen Erfolgsgeschichten berichten. Auf Einladung der Bayreuther Hochschulgruppe des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte (BDVB) sprechen Trainer Raoul Korner, Andreas Seiferth und Trey Lewis über die Höhen und Tiefen ihrer Karriere und zeigen dabei auch die Herausforderungen im Leistungssport sowie ihre persönliche Motivation auf.

Das Event findet am kommenden Montag um 19 Uhr im Raum H 24 des Gebäudes RW 1 statt. Es richtet sich natürlich in erster Linie an Studierende, steht aber auch allen anderen Besuchern offen. Der Eintritt ist frei.

Nicht bewertet

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