Medi-Team verliert in Frankfurt mit 68:72

Offensichtliche Parallele zwischen beiden Spielen: Entscheidend war jeweils eine schwache erste Halbzeit, in der den Bayreuthern die Energie fehlte, die sonst ein Markenzeichen ihres Spiels ist. Nachdem gegen Jena aufgrund der Belastung durch drei Auswärtsspiele innerhalb von sieben Tagen die Kraft für eine Wende gefehlt hatte, reichte es in Frankfurt nach einem 28:48-Rückstand in der 23. Minute sogar zum Ausgleich, als Robin Amaize 56 Sekunden vor dem Ende zwei Freiwürfe zum 65:65 verwandelte.

Die Frankfurter legten dann zwar wieder einen bis drei Punkte vor, doch die Chance zum Sieg für die Gäste bestand fast bis zum Schluss. Ein Dreier von Gabe York zum möglichen 70:70 verfehlte trotz guter und unbedrängter Position das Ziel, aber Andreas Seiferth eroberte den Rebound und hatte bei einer Restspielzeit von 8,5 Sekunden die Chance, noch einmal auf einen Punkt zu verkürzen. Er verwandelte jedoch nur den zweiten Versuch, so dass eine Sekunde später die beiden Freiwurf-Treffer auf der Gegenseite durch Quantez Robertson die Entscheidung bedeuteten.

Freiwürfe und gute Chancen vergeben

Vergebene Chancen und insbesondere auch vergebene Freiwürfe hatten auch zuvor schon wiederholt die Aufholjagd der Bayreuther behindert. Beides kam beispielsweise in den letzten sechs Sekunden des dritten Viertels zusammen: John Cox war beim Fastbreak durch ein sicher unabsichtliches, aber eben doch unsportliches Foul von Isaac Bonga zu Fall gekommen, ließ jedoch die beiden fälligen Freiwürfe ungenutzt. Die verbleibende Spielzeit für den zusätzlichen Ballbesitz reichte zwar noch aus, um eine gute Chance herauszuspielen, aber die konnte Assem Marei ebenfalls nicht verwerten. So gingen die Gäste mit einem Rückstand von sieben Punkten in den letzten Abschnitt, obwohl der Anschluss auf drei gut möglich gewesen war.

Keine guten spielerischen Lösungen

Letztlich entscheidendster Faktor für die Niederlage der Gäste war aber ihre schwache Leistung in den ersten 20 Minuten. Neben mangelnder Intensität in der Defensive vor allem gegen Frankfurts Topscorer Philip Scrubb, der bei Halbzeit schon 16 Punkte gesammelt hatte, fehlte es vor allem an spielerischen Lösungen gegen die unter dem Korb sehr dichte Verteidigung der Skyliners. Zunächst hatte Assem Marei dort acht der ersten zwölf Medi-Punkte gesammelt, sich dann aber bis zur 14. Minute auch schon drei Fouls gegen Jonas Wohlfarth-Bottermann eingehandelt, der mit sieben Punkten in den ersten fünf Minuten ebenfalls stark gestartet war. Danach rannten sich die Bayreuther häufig in der Zone fest und fanden keine Alternativen in Form eines Abschlusses von außen. Nur ein erfolgreicher Dreier von Bastian Doreth stand bei Halbzeit in der Bilanz, aber auch nur sieben Versuche.

Nach dem Seitenwechsel wirkte das Bayreuther Spiel flexibler, auch wenn die Trefferquote an der Dreierlinie sehr dürftig blieb. Entscheidender Unterschied zur ersten Hälfte war jedoch die wesentlich bessere Defensivarbeit der Gäste vor allem gegen Scrubb, der nur noch vier Punkte zulegen konnte (darunter allerdings der extrem wichtige und schwierige Mitteldistanzwurf 41 Sekunden vor Schluss zum 67:65). Zudem schien sich gegen Ende der Kräfteverschleiß der krankheitsgeschwächten Skyliners auszuwirken, die in der zweiten Hälfte nur noch sieben Akteure einsetzten.

Mit zwölf Punkten war Assem Marei der erfolgreichste Werfer im Medi-Team vor De'Mon Brooks, Gabe York und John Cox mit je zehn. Die restliche Ausbeute verteilte sich auf James Robinson (9), Andreas Seiferth (8), Robin Amaize (6) und Bastian Doreth (3). Bei Frankfurt kamen neben Philip Scrubb (20) auch Mike Morrison (13), Jonas Wohlfarth-Bottermann und Quantez Robertson (je 11) auf zweistellige Punktzahlen.

Einzelkritik

JAMES ROBINSON (9 Punkte / 27:06 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -4): Gegen Ende übernahm er viel Verantwortung. Mit zwei starken Alleingängen zum 61:63 und 63:65 hatte er Erfolg, mit einem Halbdistanzwurf zum möglichen 65:65-Ausgleich 26 Sekunden vor Schluss dagegen nicht. So blieb seine Bilanz doch insgesamt dürftig: 4/13 Würfe, zwei Assists, zwei Ballgewinne.

John Cox (10 / 17:41 / 7): Obwohl manche Bewegung noch nicht ganz rund wirkte und an seine Rückenbeschwerden erinnerte, waren seine Impulse von der Bank für die Guard-Positionen sehr wertvoll. 5/5 Würfe aus dem Feld, aber die beiden vergebenen Freiwürfe kurz vor Ende des dritten Viertels waren schmerzlich.

NATE LINHART (0 / 21:48 / 4): Offensiv ein Totalausfall: 0/3 Würfe, vier Ballverluste, zwei Assists. Sein Gegenspieler Robertson kam in der ersten Halbzeit nur auf zwei Punkte, war nach der Pause mit neun aber der erfolgreichste Frankfurter.

Bastian Doreth (3 / 15:32 / -4): In seinem 200. Bundesligaspiel trug der Kapitän dazu bei, dass Webster lange Zeit gar nicht ins Spiel kam und Scrubb in der zweiten Hälfte an Wirkung verlor. Offensiv trat er außer beim Dreier zum 22:28 aber kaum in Erscheinung (kein Assist). Andreas Seiferth (8 / 23:25 / 2): Bemühte sich nach Kräften, die Foulbelastung von Marei beim Rebound wettzumachen (elf, davon fünf offensiv). Vier vergebene Freiwürfe, darunter ein entscheidender 8,5 Sekunden vor Schluss, trübten den Gesamteindruck aber ebenso, wie der eine oder andere verlorene Zweikampf in der Defensive. Steve Wachalski (0 / 14:19 / -11): Überhaupt kein Faktor: Neben dem einzigen Dreier-Versuch steht nur noch ein Ballverlust in der Bilanz.

Robin Amaize (6 / 13:17 / -7): Seine couragierten Aktionen zum 57:62 (Alleingang) und 59:63 (schwieriger Mitteldistanzwurf) brachten sein Team zweieinhalb Minuten vor Schluss in eine aussichtsreiche Position; defensiv an der wichtigen Arbeit gegen Robertson beteiligt; 2/4 Würfe, vier Rebounds.

Jevon Perschnick: Nicht eingesetzt.

DE’MON BROOKS (10 / 22:54 / -1): Der selten in Korbnähe aktive Huff war für ihn ein unangenehmer Gegenspieler, der aber trotzdem keine große Wirkung erzielte (1/6 Würfe); offensiv mit Durststrecken (5/10 Würfe, fünf Rebounds; kam im letzten Viertel in einer kleineren Besetzung nicht mehr im Einsatz.

GABE YORK (10 / 28:19 / -4): In der ersten Halbzeit ganz klarer Verlierer im Vergleich mit Scrubb mit 4:16 Punkten; sechs Punkte in den letzten zwei Minuten des dritten Viertels blieben ein Strohfeuer; 4/6 Zweier, 0/6 Dreier, vier Assists, drei Rebounds.

Marius Adler: Nicht eingesetzt.

ASSEM MAREI (12 / 15:39 /-2): Die Foulbelastung brachte ihn nach starkem Beginn mit acht der ersten zwölf Medi-Punkte aus dem Rhythmus; 5/7 Würfe und drei Ballgewinne, aber die Rebound-Ausbeute (drei) blieb gegen die ebenso kampfstarken Gegenspieler Wohlfarth-Bottermann (zehn Rebounds) und Morrison (vier) unter dem gewohnten Ausmaß.

Statistik

Skyliners Frankfurt: Webster (8 Punkte /19:18 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -19), Zeeb (0 / 7:42 / 16), HUFF (4 / 31:58 / -2), Freudenberg, Schubert, BONGA (5 / 22:36 / 9), WOHLFARTH-BOTTERMANN (11 / 23:06 / 7), ROBERTSON (11 / 32:25 / 0), Morrison (13 / 24:56 / 3), SCRUBB (20 / 37:59 / 6), Fountain; Feldwurfquote: 26/54 (48 Prozent), davon 3/16 Dreier (19 Prozent): Scrubb (2/6), Huff (1/5); Freiwürfe: 17/25 (68 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 7 offensiv (Wohlfarth-Bottermann 8/2); Ballgewinne: 8 (Scrubb 3); Ballverluste: 16 (Bonga 4); Assists: 9 (Scrubb 5); Effektivität: 66 (Scrubb 22, Morison 13, Wohlfarth-Bottermann 1, Robertson 10).

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 29/64 (45 Prozent), davon 2/15 Dreier (13 Prozent): Doreth (1/2), Robinson (1/3); Freiwürfe: 8/16 (50 Prozent); Rebounds: 22 defensiv, 14 offensiv (Seiferth 6/5); Ballgewinne: 11 (Marei 3); Ballverluste: 15 (Linhart 4); Assists: 11 (York 4); Effektivität: 68 (Marei 12, Cox 11, Seiferth 11, York 10).

SR: Lottermoser, Fritz, Gutting; Zuschauer: 4600.

Stationen: 1:4 (2.), 9:4 (5.), 14:14 (8.), 18:14 (1. Viertel), 23:15 (12.), 28:22 (15.), 36:26 (18.), 44:26 (Halbzeit), 48:28 (23.), 54:47 (3. Viertel), 61:49 (35.), 63:61 (39.), 65:65 (40.), 68:67 (40.), 72:68 (Ende).

Stimmen zum Spiel

Gordon Herbert (Trainer Frankfurt): „Die ersten 20 Minuten waren vielleicht die besten, die wir diese Saison bisher gespielt haben. In der zweiten Halbzeit hat Bayreuth den Druck erhöht und Phil Scrubb gut aus dem Spiel genommen. Damit haben sie das Momentum auf ihre Seite geholt. Wir sind dann aber mit einigen ,big plays’ zurückgekommen, als sie das Spiel ausgleichen konnten.“

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Glückwunsch an Gordie und sein Team. Ich kann damit leben, dass wir heute unsere Würfe nicht getroffen haben. Womit ich nicht leben kann ist, dass wir ohne Energie, ohne Physis und ohne Ballbewegung ins Spiel gegangen sind. Wir haben also alles gemacht, was wir nicht wollen und uns so in ein 18-Punkte-Loch gegraben. Wir haben dann einen 36-Jährigen mit Rückenproblemen (John Cox) gebraucht, der uns zeigt, wie es geht. Gegen Frankfurt reicht es dann eben nicht, wenn man so schlecht ins Spiels kommt, wie wir es getan haben.“

Robin Amaize (Spieler Bayreuth): „Wir haben ohne Energie angefangen unddie Frankfurter dadurch ins Spiel kommen lassen. In der Halbzeitpause haben wir darüber geredet, dass es so gar nicht geht, wie wir aufgetreten sind. Aber das ist uns ja nicht zum ersten Mal passiert. Daran müssen wir arbeiten. Es ist ja bekannt, wie die Frankfurter verteidigen. In der zweiten Halbzeit haben wir Wege dagegen gefunden und als Team auch gut gekämpft, aber es war leider zu spät.“

Jonas Wohlfarth-Bottermann (Spieler Frankfurt): „Unsere erste Halbzeit war extrem gut, vor allem auch offensiv. Dann war klar, dass Bayreuth reagiert. Am Ende waren wir auch etwas müde aufgrund unserer kleineren Rotation.“

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