Medi-Team kämpft auch Ludwigsburg nieder

Die Höhe des Ergebnisses täuscht ein wenig darüber hinweg, dass die Partie bis weit in die zweite Halbzeit hinein heftig umkämpft geblieben war. Andererseits hatten die Bayreuther bei aller Spannung aber doch fast durchgehend in Führung gelegen. Für die einzige Ausnahme sorgte der Fehlstart in die zweite Halbzeit: Nach dem Ludwigsburger 42:42-Ausgleich landete der Einwurf sofort wieder bei den Gästen, was Tekele Cotton zu einem Dreipunktespiel zum 45:42 für die Riesen nutzte (22.). 80 Sekunden später lag das Medi-Team aber schon wieder mit 50:45 vorn und ließ dann gleich noch weitere 8:2 Punkte zur ersten zweistelligen Führung folgen (58:47/25.). Dabei half eines von insgesamt drei unsportlichen Fouls der Gäste mit, das Trey Lewis zu den letzten vier Zählern dieser Serie nutzte.

Das war bezeichnend für die größte Stärke der Bayreuther nicht nur in diesem Spiel: Sie finden für jedes Problem eine Antwort. Im ersten Viertel gelang es ihnen trotz der gefürchteten Ludwigsburger Verteidigung, konsequent den Korb zu attackieren und dort spätestens an der Freiwurflinie zu Punkten (10/12 in den ersten zehn Minuten). Wie unzufrieden Riesen-Coach John Patrick damit war, deuteten seine Auswechslungen an: In der sechsten Minute schickte er schon den dritten Center ins Rennen (nach Thiemann und Cooley schließlich Boone).

Überhaupt spielten die Gäste die Tiefe ihres Kaders durch viele Wechsel aus. So standen die Bayreuther immer wieder vor neuen Aufgaben, ließen sich aber nie nachhaltig aus dem Konzept bringen. Lediglich der physisch sehr starke Jack Cooley entwickelte sich allmählich als beständiges Problem für die Medi-Center und war mit zwölf Punkten der Topscorer der ersten Halbzeit. Zudem schaffte es die Ludwigsburger Defensive, nach den zwölf Bayreuther Freiwürfen im ersten Viertel bis zur Halbzeitpause keinen einzigen weiteren mehr zuzulassen, doch auch das reichte nicht für einen Führungswechsel. Die Gastgeber hielten in der Defensive ebenso intensiv dagegen und gestatteten dem Gegner keinen unbedrängten Wurf. So schien beim 38:32 (18.) sogar schon ein etwas deutlicherer Halbzeitstand möglich, doch dann trafen die ansonsten von außen nicht sehr gefährlichen Riesen zwei Dreier in Folge (40:38/19.).

In der zweiten Halbzeit fanden die Bayreuther auch eine Antwort auf Cooley, der seinen zwölf Punkten nur noch zwei weitere hinzufügen konnte. Die wohl bemerkenswerteste aller Problemlösungen war aber gegen Ende des dritten Viertels zu sehen: Gerade war der erste zweistellige Vorsprung wieder auf 62:56 geschmolzen (28.), und die dritten Fouls von Andreas Seiferth und Assem Marei ließen Schwierigkeiten unter dem Korb befürchten, da machte Trainer Raoul Korner aus der Not eine Tugend: Nach einer Auszeit kam keiner der beiden etatmäßigen Center zurück aufs Feld, sondern dafür die beiden Powerforwards Steve Wachalski und De'Mon Brooks. Letzterer besetzte die Position fünf und war dort statt einer Notlösung der entscheidende Faktor: Das 65:56 erzielte Brooks per Dreier, und dann ließ er fünf typische Center-Punkte folgen durch ein Dreipunktespiel zum 68:58 und ein Eins-gegen-eins im Duell mit Löwen-Center Thiemann zum 70:60.

Gästespieler McCray disqualifiziert

Im letzten Viertel versuchten es die Gäste unter dem wachsenden Zeitdruck zunehmend mit schnellem Abschluss und Distanzwürfen. Die Bayreuther ließen sich von der Hektik aber nicht anstecken, hielten weiter kämpferisch gleichwertig dagegen und hatten mit einer klareren spielerischen Linie mehr Erfolg.

Auch das einzige richtig unsaubere Duell unter den vielen hart geführten Zweikämpfen endete mit einem Vorteil für das Medi-Team: Nachdem Gästespieler David McCray von Brooks festgehalten worden war und sich am Boden liegend mit einem Fußtritt befreite, entschieden die Schiedsrichter nach einigen Beratungen und dem Studium der Videoaufzeichnung angemessen: unsportliches Foul für den Bayreuther, aber Disqualifikation des Ludwigsburgers (35.). Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich beim Stand von 80:66 der Medi-Sieg aber auch schon ab.

Kein Bayreuther mit weniger als vier Punkten

Von den neun eingesetzten Bayreuther Spielern trug jeder mindestens vier Punkte bei. An der Spitze der Korbschützenliste steht Trey Lewis (19) vor Assem Marei (14), De'Mon Brooks, Kyan Anderson (je 12), Andreas Seiferth (10). Nate Linhart, Bastian Doreth (je 6), Steve Wachalski und Robin Amaize (je 4). Bei Ludwigsburg kam neben Cooley auch Tekele Cotton auf 14 Zähler. Kelvin Martin (12) und Clifford Hammonds (11) punkteten ebenfalls zweistellig.

Der Spielverlauf im Liveticker

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Kommentare

"Nachdem Gästespieler David McCray von Brooks festgehalten worden war"

- So wie ich die Situation wahrgenommen bzw. anschließend eingeschätzt habe, hat Brooks McCray bei der Rangelei um den Ball nicht festgehalten, sondern ihn - kurz nach McCray's Tritt und als dieser ihm schon aufgebracht entgegen stolpern wollte - weggeschubst, wofür er dann wohl auch das unsportliche Foul erhalten hat.

Unabhängig davon: WOW, was für eine Basketball-Saison bisher in Bayreuth! Wenn die Jungs kommenden Samstag auch noch den Münchner Bayern die Lederhosen ausziehen, dann springe ich - bildlich gesprochen! - nackt aus einer Torte! ;-)
Es wurde aber zuerst das unsportliche und dann das disqualifizierende Foul gepfiffen.
Habe mir gerade nochmal auf der Telekombasketball-Website den 5-minütigen Game Report (frei verfügbar!) zu Gemüte geführt: Was zunächst im Sinne einer Tatsachenentscheidung gepfiffen wurde, war aufgrund der Rangelei um den Ball "Sprungball" (bzw. die "Einwurfpfeil-Entscheidung"): Man kann im Game Report ganz eindeutig zwei der drei Schiedsrichter erkennen, welche die entsprechende Geste ("Beide Daumen nach oben") machen, auch der Pfiff ist deutlich zu hören - und zwar noch vor dem Tritt von McCray. Die Rangelei um den Ball wurde also wohl als foulfrei bewertet.

Mit "Es wurde aber zuerst das unsportliche und dann das disqualifizierende Foul gepfiffen." meinen Sie vermutlich, dass nach der kurzen (bzw. eig. relativ langen!) Spielunterbrechung und der damit einhergehenden Begutachtung des Videomaterials ("Instant Replay") durch die Schiedsrichter zunächst das unsportliche Foul von Brooks und dann das disqualifizierende Foul von McCray verkündet wurde. Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber ich denke, dass die Reihenfolge solcher "Verkündungen" nach der Begutachtung von Videomaterial nicht zwingend mit der Chronologie der Ereignisse auf dem Spielfeld identisch sein muss.
Außerdem darf das 2014 eingeführte Instant Replay nur bei einigen wenigen, konkreten Fällen wie der Identifizierung beteiligter Spieler bei Rudelbildungen in Anspruch genommen werden; die Überprüfung und damit mögliche Revidierung einer Sprungball-Entscheidung steht meines Wissens nicht auf der Liste der entsprechenden Fälle.
Richtig. Ich gehe davon aus, dass die Chronologie der Pfiffe bzw. Handzeichen auch den tatsächlichen Verlauf der Fouls widerspiegelt. Allerdings kenne ich die Statuten so im Detail nun auch wieder nicht.