Medi-Team in Jena gegen starken Aufsteiger

„Das ist mir ganz egal“, sagt Trainer Raoul Korner. „Die Frage nach dem Favoriten ist etwas für Journalisten und Wettanbieter. Für die Favoritenrolle kann man sich nichts kaufen.“ Wichtiger ist ihm die Einstufung des Gegners als „harter Brocken“, auch wenn dieser mit Niederlagen in Gießen (76:86) und gegen Berlin (73:77) gestartet war und erst im dritten Anlauf bei Phoenix Hagen mit 83:70 zum ersten Sieg gekommen ist: „Alba musste schwer kämpfen, und Hagen hatte keine Chance“, ordnet Korner diese Resultate ein. Überraschend sei diese Qualität beim Blick auf den Kader durchaus nicht: „Da ist eine ganze Menge BBL-Erfahrung versammelt, man darf sogar sagen: BBL-Stars. Im Vergleich zu unserer jungen Mannschaft ist das geradezu ein Kontrastprogramm.“

Defensivstarker John Little nachverpflichtet

Besonders respektvoll äußert sich der Medi-Coach über die defensiven Qualitäten der Routiniers wie Immanuel McElroy oder Wayne Bernard. „Und jetzt kommt mit John Little noch eine richtige Macht in der Verteidigung hinzu.“ Der Verein meldete gestern die Verpflichtung des 32-jährigen US-Guards, der schon seit 2008 in der BBL spielt (Göttingen, Würzburg, Ludwigsburg, zuletzt Frankfurt) und sich überall einen Ruf als überaus eifriger und „giftiger“ Defensivspezialist erworben hat. Little erhält vorerst einen Vertrag für vier Wochen, um die muskulären Probleme des etatmäßigen Spielmachers Filiberto Rivera zu überbrücken, der aber eine Option für den Rest der Saison vorsieht.

Jenas Center Kenny Frease gesperrt

Fast noch gravierender dürfte sich aber eine zweite Besonderheit im Aufgebot von Jenas Trainer Björn Harmsen auswirken: Kenny Frease wurde von der BBL-Spielleitung für dieses eine Spiel gesperrt (und mit einer Geldbuße von 2000 Euro belegt), weil er beim Sieg in Hagen einen Gegenspieler mit dem Oberarm im Gesicht getroffen hatte (34. Minute). Die Aktion des 2,11 m großen 130-kg-Centers wurde als „Tätlichkeit in einem minderschweren Fall“ bewertet.

„Das macht einen wirklich großen Unterschied aus“, sagt Raoul Korner zum Ausfall dieses recht speziellen Spielertyps. „Er hat mit seiner Größe und Masse einfach eine gewaltige Präsenz und kann nicht nur scoren, sondern auch gut passen. Damit zieht er die Abwehr auf sich, und das ist schwer zu verteidigen.“

Am anderen Ende des Spielfeldes erwartet der Medi-Coach nun aber möglicherweise sogar zusätzliche Schwierigkeiten für seine Mannschaft: „Defensiv hat so ein Typ wie Kenny Frease natürlich Defizite bei hohem Tempo, oder beim Pick-and-roll. Da braucht er Hilfe, und deswegen kann seine Mannschaft insgesamt nicht ganz so aggressiv verteidigen.“ In der Summe aus dem Fehlen von Frease und der Nachverpflichtung von Little müsse sich das Medi-Team daher auf „eine extrem aggressive Abwehr“ einstellen: „Sie werden noch mehr switchen als sonst – das machen sie ohnehin gern –, unter dem Korb oft doppeln und auch mal eine Zone spielen.“

Erschwert wurde die Vorbereitung des Medi-Teams durch ein paar gesundheitliche Probleme im Kader. „An einigen Spielern ist der Wetterumschwung nicht ganz spurlos vorübergegangen“, berichtet Korner. „Ich hoffe aber, dass beim Spiel doch alle fit sind.“

Raoul Korner: Auszeiten nach "Bauchgefühl"

Der unmittelbare Effekt der Auszeiten von Raoul Korner gehörte zu den Auffälligkeiten beim letzten 83:71-Sieg des Medi-Teams gegen Würzburg. Ob er dabei bevorzugt grundsätzliche Veränderungen am Konzept vornimmt oder eher auf Details der gerade zurückliegenden Spielsituationen eingeht, kann der Medi-Coach nicht pauschal sagen: „Teils-teils, das entscheide ich nach Bauchgefühl.“ Schließlich könne es ganz unterschiedliche Anlässe für Auszeiten geben: „Mal geht es nur um eine Pause zum Durchschnaufen – entweder für alle, oder auch nur für einen Schlüsselspieler, den man gerade nicht auswechseln möchte. Oder die Körpersprache gefällt mir gerade nicht.“

Entsprechend unterschiedlich sei nicht nur der Inhalt seiner Ansprachen, sondern auch der Tonfall: „Wenn das Team verunsichert wirkt, muss man es ruhig angehen. Erscheint es aber lethargisch, muss es auch mal lauter werden.“ Nur von einem Prinzip weicht Korner nicht ab: „Meist geht es sachlich zu.“

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