Medi-Team fordert Spitzenreiter heraus

Die Zwischenbilanz des Vizemeisters ist einschüchternd. Er hat ja nicht nur alle bisherigen 18 Punktspiele gewonnen, sondern dabei sogar auch die beiden eigentlichen Titelfavoriten ziemlich klar bezwungen: 78:63 gegen Bamberg, 87:79 in München. Vor allem die Offensivkraft der Ulmer hat bislang alle Gegner mehr oder weniger überfordert: 92,79 Punkte haben sie pro Spiel erzielt – satte sieben Zähler mehr als der Zweitplatzierte in dieser Statistik (Bamberg mit 85,72), dessen Abstand zu Medi Bayreuth auf Platz vier (83,67) vergleichsweise minimal ist.

Aus in zwei Pokalwettbewerben

Zu einem unschlagbaren Gegner muss man die Schwaben freilich nicht hochstilisieren. Im Eurocup sind sie in der Gruppenphase der letzten 16 Mannschaften sieglos ausgeschieden, und im BBL-Pokal gab es mit 67:72 in Ludwigsburg sogar eine erste Niederlage auf nationaler Ebene. Beides hatte allerdings auch damit zu tun, dass zeitweise mit Spielmacher Per Günther und Center Tim Ohlbrecht zwei Leistungsträger gleichzeitig verletzt waren. „Dass man das an den Ligaergebnissen nicht gemerkt hat, ist schon stark“, sagt Medi-Trainer Raoul Korner, für den es an der Seitenlinie gegen Thorsten Leibenath zu einer „Revanche“ für das Allstarspiel kommt. „So etwas kann einem Team leicht einen größeren Knacks geben.“

Ganz ohne „Knacks“ sei der Spitzenreiter aber doch nicht davongekommen: „Ich glaube, einen oder zwei BBL-Siege würden die Ulmer schon gerne hergeben, wenn sie dafür noch in einem Pokalwettbewerb vertreten sein könnten.“ Nun bleibe ihnen von allen Titelchancen nur noch die schwierigste: „Für Ulm wird es wichtig sein, den ersten Platz zu halten, um in allen Playoff-Runden den Heimvorteil zu haben. Sonst wird es in einer Serie gegen Bamberg sehr schwer.“ Als Titelfavorit Nummer eins betrachtet der Medi-Coach den Tabellenführer jedenfalls „definitiv nicht“.

Dramatisches Hinspiel mit Verlängerung

In Bayreuth hat man auch ein gutes Argument, die Übermacht der Schwaben zumindest etwas infrage zu stellen. Schließlich hatten sie mit keinem anderen BBL-Gegner so viel Mühe wie beim Saisonauftakt in der Oberfrankenhalle. Es blieb bis heute das einzige Spiel, in dem die Ulmer eine Verlängerung zum Sieg benötigten (95:87). Und selbst dafür benötigten sie viel Glück, denn in der letzten Sekunde der regulären Spielzeit beim Stand von 81:81 war der überragende Trey Lewis (30 Punkte!) beim Zug zum Korb gegen mehrere Gegenspieler zu Boden gegangen. „Wenn die Schiedsrichter damals getan hätten, was sie tun sollten – nämlich pfeifen –, dann hätten wir gewonnen“, sagt Korner, der deswegen immer noch „ein mulmiges Gefühl“ mit diesem Spiel verbindet.

Für eine reelle Chance auf Revanche sieht der Medi-Coach hauptsächlich drei Voraussetzungen: „Wir müssen den Ulmern ihr hohes Tempo nehmen, ihre Dreier gut verteidigen und Raymar Morgan im Eins-gegen-eins in den Griff bekommen.“ Das dafür nötige Selbstvertrauen seines Teams habe der letzte 79:76-Sieg in Ludwigsburg weiter gestärkt: „Mittlerweile traue ich meinem Team alles zu.“ So ein dramatischer Spielverlauf könne in dieser Hinsicht bei erfolgreichem Ende einen zusätzlichen Wert haben. „Allzu oft brauche ich so etwas aber nicht“, bekennt Korner. „In so einem Spiel altere ich immer um zwei Jahre.“

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