Medi siegt gegen Gießen klar mit 96:72

Hätte Medi die Gießener in der kommenden Bundesliga-Saison in der Aufstellung des Samstagabends vor der Brust, die Spieler von Trainer Raoul Korner würden sich genüsslich die Hände reiben. Aber so wird es beim Ernstfall nicht sein. Denn es ist kaum vorstellbar, dass die Mittelhessen in der regulären Saison mit nur acht Spielern, darunter nur zwei Ausländer, auflaufen werden.

Und so war die gestrige Partie kein Härtetest und schon gar keine Standortbestimmung. Dafür war der Gegner einfach zu wenig konkurrenzfähig. Ohne die verletzten Dee Davis, Max Landis, Anthony Okao und Bjarne Kraushaar, dafür aber mit den Leihgaben aus dem Gießener ProB-Team, Alen Pjanic und Leon Okpara, hatte der neue Gießener Trainer Ingo Freyer die Reise nach Bayreuth angetreten.

Gießener verkaufen sich teuer

Ungeachtet dieser großen Personalprobleme verkauften sich die Gießener teuer. „Sie haben uns doch sehr gefordert und trotz der vielen Ausfälle eine gute Mannschaft“, schickte Raoul Korner warme Worte in Richtung Gießen. In der Tat hielt der Tabellenneunte der abgelaufenen Saison nicht nur kämpferisch dagegen, sondern setzte auch den einen oder anderen spielerischen Akzent – allen voran durch Shooting Guard Mauricio Marin (21 Punkte) und A2-Nationalspieler Mahir Agva. Letzterer war wie der Bayreuther Forward Robin Amaize erst kürzlich von der Universiade in Taipeh zurückgekehrt und stand das erste Mal im Aufgebot seiner Mannschaft. Im Gegensatz zu Amaize, der in 8:51 Minuten Einsatzzeit null Punkte beisteuerte und auch sonst wenig Akzente setzte, musste Agva 23:04 Minuten ran. In dieser Zeit brachte er es auf respektable 13 Punkte und zwei Rebounds und war auch darüber hinaus einer der auffälligsten Akteure auf dem Parkett.

Dass Robin Amaize wieder mit von der Partie war und Raoul Korner dadurch erstmals mit einer Zehner-Rotation spielen konnte („Das war sehr wertvoll für uns“), war nur ein Aspekt dieser Partie, die sich nach einer 2:0-Führung für die Gäste kontinuierlich zu Gunsten des Medi-Teams entwickelte. Nach einem 23:19 im ersten Viertel zogen die Bayreuther im zweiten Viertel die Daumenschrauben an, enteilten den Gießenern bis zur Halbzeit auf 47:32, um die Zügel dann wieder etwas schleifen zu lassen. Nach einem ausgeglichenen dritten Viertel (20:20) wurden die konditionellen Unterschiede im Schlussabschnitt so deutlich, dass das Medi-Team sogar noch für die eine oder andere publikumswirksame Einlage sorgen konnte, so zum Beispiel ein Anspiel über das Brett von James Robinson auf den starken De’Mon Brooks.

Wirksame Bayreuther Verteidigung

Natürlich profitierten die Bayreuther nach Ingo Freyers Einschätzung auch davon, „dass wir ohne echten Point Guard hier angetreten sind, was die hohe Zahl an Ballverlusten erklärt“. Allerdings darf hier auch die Bayreuther Verteidigung nicht unerwähnt bleiben, die immer dann forciert wurde und besonders wirksam war, wenn die Gießener etwas heranschnupperten. „Das hat schon ganz gut funktioniert“, befand Raoul Korner nach der Partie.

Was darüber hinaus gut funktionierte, war die Arbeit unter den Körben. Die Gießener Mahir Agva und der ebenfalls das erste Mal im Team stehende Marco Völler (5 Punkte, 5 Rebounds) konnten Assem Marrei (18,7) und Andreas Seiferth weder physisch noch spielerisch das Wasser reichen. Besonders Seiferth (19,4), der ein schwieriges Jahr hinter sich hatte und in der Endphase der vergangenen Saison pausieren musste, beeindruckte mit großer Präsenz und sicherem Abschluss aus der Nahdistanz. „Andy ist auf einem sehr guten Weg, er hat im Sommer sehr gut gearbeitet und ist nun auch so weit, dass er auch im vierten Viertel noch voll gehen kann“, hatte Raoul Korner für seinen Center-Backup lobende Worte parat.

Starke Medi-Guards

Doch nicht nur auf den großen Positionen dürfte dieses Testspiel dazu beigetragen haben, das Selbstvertrauen zu steigern. Die beiden Neuzugänge im Aufbau, James Robinson und Gabe York, machten deutlich, dass sie gewillt und auch in der Lage sind, die großen Lücken der Abgänge von Trey Lewis und Kyan Anderson, zu schließen. Gabe York war mit 21 Punkten gar Topscorer seines Teams, versenkte unter anderem fünf von acht Dreiern.

Alles in allem bestätigte auch dieses Testspiel den Eindruck von Ingo Freyer: „Um Medi mache mir auch in dieser Saison keine Sorgen, das sieht von außen schon alles sehr, sehr gut aus.“

Medi Bayreuth: James Robinson (12 Punkte / 28:28 Min Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: +27), Nico Wenzl (0 / 3:12 / +1), Nate Linhart (9 / 19:45 / +27), Bastian Doreth (6 / 22:07 / +6), Andreas Seiferth (19 / 19:28 / +5), Steve Wachalski (0 / 15:09 / -5), Robin Amaize (0 / 8:51 / -10), Jevon Perschnik (0 / 10:22 / 0), De‘Mon Brooks (11 / 24:51 Min / + 29), Gabe York (21 / 24:34 / + 22), Marius Adler (0 / 2:41 / -1), Assem Marei (18 / 20:32 / + 19).

Nicht bewertet

Anzeige

Montag, 13. November 2017 - 11:06