Medi setzt Höhenflug in Tübingen fort

Dabei machte der Spielverlauf vor allem deutlich, wie unterschütterlich das Selbstvertrauen der Mannschaft mittlerweile gefestigt ist. Die Tübinger bemühten sich nämlich mit viel Energie und Einsatz, den Favoriten in Schwierigkeiten zu bringen - und das schafften sie auch über weite Strecken. Die Bayreuther nahmen jedoch nicht nur diesen Kampf an, sondern lösten letztlich alle Probleme in den entscheidenden Situationen mit der Sicherheit eines Spitzenteams.

Zunächst wurden die Gäste vom eindrucksvollen Start der Tübinger in Bedrängnis gebracht. Die Schwaben ließen mit ihrer gut eingestellten und intensiven Verteidigung nicht den gewohnten Rhythmus im Medi-Angriff aufkommen, während sie ihrerseits gute Wege fanden, ihre Stärken auszuspielen. Die ersten beiden Körbe erzielte der insgesamt überzeugende Ex-Bayreuther Gary McGhee unmittelbar unter dem Korb, und als die Tigers dann auch von außen trafen, zogen sie bis auf 14:7 davon (6.).

Erste Veränderungen in diesem Bild gab es durch die ersten Wechsel auf beiden Seiten, von denen die Bayreuther insgesamt mehr profitierten. Am offensichtlichsten war das auf der Spielmacher-Position, wo Bastian Doreth mehr denn je seinen persönlichen Trend zu allmählich wachsender Korbgefährlichkeit fortsetzte. Mit seinem ersten Dreier führte der Kapitän sein Team auf 13:14 heran (9.), und mit dem zweiten markierte er die 19:17-Führung (11.). Danach lagen zwar zunächst wieder die Tübinger beständig mit bis zu fünf Punkten vorn (29:24/16.), doch den entscheidenden Schlag der ersten Halbzeit landete das Medi-Team. Wieder war hauptsächlich der Spielmacher dafür verantwortlich, in diesem Fall der unglücklich gestartete Kyan Anderson: Von den 12:0 Punkten, die den 28:32-Rückstand in den letzten drei Minuten der ersten Hälfte in einen 40:32-Vorsprung verwandelten, sammelte er allein acht - und die übrigen vier durch Assem Marei bereitete er vor! Höhepunkt dieser Anderson-Show war sein Dreier mit dem Halbzeitsignal.

Zweiter "Buzzer-Beater" von Kyan Anderson

Dieser Spielverlauf wiederholte sich in der zweiten Hälfte. Erneut starteten die Tübinger so engagiert, dass ihnen in den ersten fünf Minuten ein 10:1-Lauf zur 42:41-Führung gelang. Danach verlief die Partie völlig ausgeglichen, ehe schließlich die Gäste wieder einen Weg fanden, um mit sieben Punkten in Folge eine 54:51-Führung zu erzwingen. Und den spektakulären Schlusspunkt setzte wiederum Anderson mit einem Dreier in letzter Sekunde zum Bayreuther 57:53-Vorsprung am Ende des dritten Viertels. "An zwei Buzzer-Beater in einem Spiel kann ich mich selbst nicht erinnern", sagte der US-Spielmacher nach der Partie.

Obwohl auch der Schlussabschnitt heftig umkämpft blieb, gab das Medi-Team diesen knappen Vorsprung nicht mehr ab. Wesentlichen Anteil daran hatte wiederum Doreth mit seinen Dreiern zum 61:55 (32.) und vor allem zum 72:67, als es ganz besonders eng war (37.). Bei einer Restspielzeit von 1:50 Minuten war die Partie dann schon so gut wie entschieden, als Trey Lewis mit einem Wurf weit hinter der Dreierlinie zum 77:67 getroffen hatte. Die Gastgeber suchten zwar auch danach noch ihre Chance mit zwei schnellen Dreiern und taktischen Fouls, doch bei den fälligen Freiwürfen blieben alle Bayreuther (Lewis, Brooks, Linhart) fehlerfrei.

Statistik

Tigers Tübingen: GREEN (12 Punkte / 25:55 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 17), WASHBURN (9 / 33:56 / -17), Hiller, Deschner, JORDAN (3 / 28:58 / -3), Munoz (3 / 9:34 / -12), MCGHEE (11 / 30:21 / -4), Marin, STEWART (15 / 35:36 / 6), Berry (17 / 18:22 / -23), Philmore (7 / 17:18 / -14); Feldwurfquote: 29/59 (49 Prozent), davon 10/26 Dreier (38 Prozent): Washburn (3/4), Stewart (3/10), Berry (2/3), Philmore (1/2), Munoz (1/2); Freiwürfe: 9/11 (82 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 4 offensiv (McGhee 7/1); Ballgewinne: 8 (Stewart 3); Ballverluste: 15 (Philmore 4); Assists: 16 (Jordan 6); Effektivität: 86 (McGhee 21, Berry 17, Stewart 13, Washburn 10).

Medi Bayreuth: ANDERSON (17 Punkte / 24:12 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -4), LINHART (7 / 27:54 / 9), Doreth (14 / 25:09 / 16), SEIFERTH (6 / 22:59 / -9), LEWIS (14 / 27:01 / 7), Wachalski (3 / 18:46 / 14), Amaize (2 / 15:55 / 0), BROOKS (16 / 20:52 / -2), Adler (0 / 0:19 / 0), Marei (6 / 16:53 / 19); Feldwurfquote: 29/55 (53 Prozent), davon 10/15 Dreier (67 Prozent): Doreth (4/4), Anderson (3/5), Linhart (1/1), Lewis (1/2), Brooks (1/2); Freiwürfe: 19/23 (83 Prozent); Rebounds: 28 defensiv, 5 offensiv (Seiferth 5/0, Wachalski 5/0); Ballgewinne: 8; Ballverluste: 13 (Seiferth 4); Assists: 20 (Marei 5); Effektivität: 105 (Brooks 18, Doreth 16, Linhart 15, Anderson 14, Lewis 11, Marei 11).

SR: Reiter, Kattur, Hegemann; Zuschauer: 2900.

Stationen: 6:0 (3.), 14:7 (6.), 14:16 (10.), 17:16 (1. Viertel), 17:19 (11.), 29:24 (16.), 32:28 (18.), 32:40 (Halbzeit), 42:41 (25.), 51:47 (28.), 53:57 (3. Viertel), 60:67 (35.), 67:69 (36.), 67:77 (39.), 75:81 (40.), 77:87 (Ende).

Trainerstimmen

Raoul Korner (Bayreuth): „Ich bin natürlich sehr zufrieden über den Sieg. Da hört dann meine Freude aber auch auf. Wir haben heute nicht gut gespielt. Tübingen war über weite Phasen der Partie das geschlossenere Team. Dass, was uns die letzten Spiele stark gemacht, konnten wir heute nicht umsetzen. Wir konnten die einzelnen Angriffe nicht konsequent abschließen und haben keinen Teambasketball gezeigt. Daran müssen wir arbeiten, unser Anspruch muss ein anderer sein. Am Ende haben wir aufgrund der individuellen Klasse der einzelnen Spieler gewonnen. Auch, weil wir zehn von 15 Dreiern getroffen haben. Coach McCoy und seinem Team wünsche ich alles Gute für die kommenden Spiele.“

Tyron McCoy (Tübingen): "Glückwunsch an Coach Korner zu diesem Sieg. Wir haben in den letzten Minuten der ersten Halbzeit unsere Linie verloren und zu viele Fehler gemacht. Bayreuth hat dies gnadenlos ausgenutzt und ist kurzfristig davongezogen. Dies war der Weckruf für unseren Gegner, dies ärgert mich als Trainer natürlich sehr. Dazu haben die Bankspieler von Bayreuth dem Team viele gute Momente gegeben. Wir haben zwar alles versucht, doch es hat dann doch nicht gereicht. Die Leistung war über weite Strecken des Spiels in Ordnung. Man sieht aber, dass kleine Unkonzentriertheiten sofort bestraft werden. Wir müssen uns nun gezielt auf die Begegnung in Vechta vorbereiten.“

Nicht bewertet

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