Medi-Kapitän vergibt Sieg gegen Bamberg

Den Matchball für Bayreuth hatte Bastian Doreth in der Hand, als er bei einer Restspielzeit von 0,7 Sekunden und einem Stand von 82:83 an der Freiwurflinie stand. Den ersten Wurf verwandelte der  Kapitän zum Ausgleich, doch sein zweiter war zu kurz. Statt der rauschenden Siegesfeier, auf die sich der einheimische Teil der 3300 Zuschauer in der ausverkauften Oberfrankenhalle eingestellt hatte, gab es also eine Verlängerung. Dort gelang den Gastgebern dann erst 26 Sekunden vor dem Ende der einzige Feldkorb, und der konnte nur noch auf 88:90 verkürzen. 15 Sekunden später verwandelte Nicolo Melli zwei Freiwürfe für Bamberg zur Entscheidung.

Der Fehlwurf von Doreth war für die Bayreuther nach der regulären Spielzeit aber nur der letzte Grund zum Ärgern, keineswegs der einzige. Schließlich hatten sie 47 Sekunden vor dem Ende der 40 Spielminuten mit vier Punkten geführt, nachdem Trey Lewis mit zwei Dreiern den 69:73-Rückstand zum 75:75 ausgeglichen hatte und dann Kyan Anderson mit einem Alleingang und zwei Freiwürfen zum 79:75 erfolgreich gewesen war. Bei einer Restspielzeit von 17,8 Sekunden stabilisierte Assem Marei diesen Vorsprung mit zwei Freiwürfen zum 81:77, so dass auch der Dreier von Melli bei verbleibenden 6,8 Sekunden keinen entscheidenden Schaden mehr anzurichten schien.

Bamberger Dreier bei 0,7 Sekunden Restspielzeit

Schließlich stand nach dem obligatorischen schnellen Foul der Bamberger mit Lewis ein 95-prozentiger Freiwerfer an der Linie. Der Medi-Topscorer traf jedoch nur beim zweiten Versuch zum 82:80, und die übrigen 5,4 Sekunden genügten den Bambergern für einen spektakulären Gegenschlag: Janis Strelnieks erarbeitete sich im Alleingang einen schwierigen Dreier aus der rechten Ecke und verwandelte ihn zum blanken Entsetzen der Bayreuther Fans zum 82:83! Dabei hatte das Medi-Team zu diesem Zeitpunkt erst drei Mannschaftsfouls und hätte den Lauf des Bamberger Scharfschützen über das ganze Feld mit dem vierten stoppen können.

So aber blieben nur noch 0,7 Sekunden auf der Uhr, doch die Entscheidung war das noch immer nicht. Nach einer Auszeit war klar, dass dem Medi-Team kaum mehr übrig blieb, als ein Alley-oop direkt aus dem Einwurf heraus. Der entsprechende Pass von Nate Linhart zu De'Mon Brooks wurde jedoch unter dem Korb von Nikolaos Zisis mit einem Foul verhindert, das von den Schiedsrichtern nach mehrfachem Video-Studium als unsportlich gewertet wurde. Brose-Trainer Andrea Trinchieri stellte nach dem Spiel allerdings infrage, ob zunächst überhaupt ein Foul gepfiffen worden war. Wenn nicht, hätte der Videobeweis gar nicht zurate gezogen werden dürfen. Nachdem sich Brooks beim Sturz am linken Handgelenk verletzt hatte, musste an seiner Stelle der eingewechselte Doreth an die Linie - und konnte die Chance zum Sieg nicht nutzen.

Damit blieb den Bayreuthern der Lohn für eine Leistung versagt, die ihrem sensationellen Platz in der Spitzengruppe der Tabelle gerecht wurde. Vor allem mit überragender Verteidigungsarbeit hatten sie im ersten Viertel einen 22:10-Vorsprung vorgelegt und dann mit Ausnahme einer 0:9-Serie zum 28:29 (15.) bis in den letzten Abschnitt hinein die Nase vorn behalten. Selbst als die Bamberger mithilfe eines umstrittenen unsportlichen Fouls eine 63:61-Führung erarbeitet und dann auf 68:62 ausgebaut hatten (34.), schlug das Medi-Team noch einmal mit sieben Punkten in Folge zurück. Zwei Freiwürfe von Kyan Anderson zum 69:68 läuteten dreieinhalb Minuten vor Schluss die denkwürdige Schlussphase ein.

Einzelkritik

KYAN ANDERSON (9 Punkte / 35:39 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -3): Lange war wenig zu sehen vom Spielmacher (2/11 Würfe), aber in der 40. Minute war er mit einem Alleingang und zwei Freiwürfen nach Ballgewinn gegen Zisis entscheidend an der großen Siegchance beteiligt.

NATE LINHART (13 / 40:43 / -1): Schwierige Rolle in der Defensive als Sonderbewacher für Spielmacher Causeur; auch offensiv bereit für viel Verantwortung, mit nachlassendem Erfolg: nach der Pause nur noch 3/4 Freiwürfe bei 0/4 aus dem Feld (gesamt 4/11).

Bastian Doreth (1 / 16:12 / -2): Der vergebene Matchball wird ihn ärgern, aber es war auch schwer nach zuvor nur einem Wurfversuch; defensiv solide und sogar mit Vorteilen gegen Lo.

ANDREAS SEIFERTH (13 / 22:29 / 21): Anfangs sehr gut in Szene gesetzt, nutzte der Center seine Chancen konsequent (neun Punkte im ersten Viertel); danach weniger auffällig und durch umstrittenes viertes Foul (31.) in Schwierigkeiten, aber ein unverzichtbarer Faktor, wie die Plus-Minus-Bilanz im Vergleich zu Marei sehr deutlich zeigt. TREY LEWIS (23 / 35:59 / -1): Wechselnde Gegenspieler (Causeur, Miller, Zisis) ließen lange nur Spielraum für Dreier (3/6 als einzige Würfe nach drei Vierteln); sein Doppelschlag gegen Miller zum 72:73 und 75:75 leitete die Siegchance ein; zehn Punkte im vierten Viertel, vier in der Verlängerung, aber der Freiwurf zum 83:80 fiel nicht.

Steve Wachalski (2 / 20:36 / -7): Solide, aber offensiv blass (1/5 Würfe).

Robin Amaize (4 / 8:11 / -4): Sofort ein Faktor von der Bank mit vier Punkten in Folge zum 28:20 (13.), ohne sich zum Übermut verleiten zu lassen.

DE’MON BROOKS (12 / 22:40 / 3): Respektabler Gegner für Melli, der nach relativ ruhigen drei Vierteln (2/8 Würfe, neun Punkte) am Ende aber doch entscheidende Akzente setzte.

Assem Marei (11 / 22:21 / -26): Nach unsicherem Beginn arbeitete er sich über Rebounds und Zweikämpfe ins Spiel, haderte aber mit der Foulbelastung, vergab beim Stand von 84:88 zwei wichtige Freiwürfe und konnte defensiv das Niveau von Seiferth nicht halten (Plus-Minus-Bilanz!).

Statistik

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 26/61 (43 Prozent), davon 8/23 Dreier (35 Prozent): Lewis (6/10), Linhart (2/6); Freiwürfe: 28/35 (80 Prozent); Rebounds: 28 defensiv, 10 offensiv (Marei 6/3); Ballgewinne: 7 (Linhart 3); Ballverluste: 13 (Linhart (4); Assists: 16 (Lewis 5); Effektivität: 96 (Lewis 27, Seiferth 17, Marei 13, Brooks 12, Linhart 11).

Brose Bamberg: CAUSEUR (16 Punkte / 29:27 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 4), MELLI (21 / 25:48 / 6), Zisis (8 / 26:50 / 1), Staiger (3 / 5:19 / 7), Theis (11 / 26:38 / 7), Lo (0 / 7:07 / -3), STRELNIEKS (15 / 32:45 / 7), Miller (15 / 31:17 / 5), Kratzer (0 / 1:21 / 0), HECKMANN (1 / 22:00 /
-7), Radosevic (2 / 16:28 / -7); Feldwurfquote: 31/70 (44 Prozent), davon 11/32 Dreier (34 Prozent): Miler (3/9), Zisis (2/3), Causeur (2/4), Melli (2/6), Staiger (1/2), Strelnieks (1/5); Freiwürfe: 19/25 (76 Prozent); Rebounds: 26 defensiv, 12 offensiv (Theis 5/4); Ballgewinne: 8; Ballverluste: 12; Assists: 20 (Strelnieks 4, Miller 4); Effektivität: 108 (Theis 21, Melli 19, Causeur 17, Strelnieks 14, Miller 14).

SR: Rodriguez, Anne Panther, Krause; Zuschauer: 3300 (ausverkauft).

Stationen: 4:8 (2.), 15:8 (6.), 22:10 (9.), 22:13 (1. Viertel), 28:20 (13.), 28:29 (15.), 37:32 (17.), 41:40 (Halbzeit), 48:42 (23.), 57:51 (27.), 59:58 (3. Viertel), 62:68 (34.), 69:68 (37.), 69:73 (38.), 79:75 (40.), 83:83 (nach 40 Min.), 84:88 (43.), 88:92 (Ende).

Trainerstimmen

Andrea Trinchieri (Bamberg): „Ich gratuliere Raoul dafür, dass sein Team bislang eine erstaunliche Saison gespielt hat. Es war für uns ein hart erkämpfter Sieg. Wie die Schiedsrichter den letzten Pfiff behandelt haben, war sonderbar. Ich glaube, es ist nicht möglich, eine Aktion ohne Pfiff in eine gepfiffene Aktion zu wandeln. Ich rede nicht darüber, ob es ein Foul war oder nicht. Ich denke, man kann das Instant Replay nicht dafür hernehmen. Es gab keinen Kampf, es war eine ganz normale Aktion. Wir haben kein großes Spiel gemacht, wir mussten nach kurzer Regeneration kämpfen, um unsere Physis zu entwickeln. Ab Mitte des vierten Viertels haben wir die Dreierlinie gut verteidigt. Das war der Schlüssel, denn wir waren in anderen Teilen des Spiels schlecht.”

Raoul Korner (Bayreuth): „Es war eine herzbrechende Niederlage nach einem Schlagabtausch auf Augenhöhe. Wir hatten den besseren Start, Bamberg das zweite Viertel, danach war es ausgeglichen. Vom Fokus und der Intensität her war es eines unserer besseren Spiele der letzten Wochen, wahrscheinlich das beste. Dass es am Ende nicht gereicht hat, ist zum einen auf die hohe individuelle aber auch kollektive Qualität von Bamberg zurückzuführen. Sie haben die Qualität, am Ende unglaubliche Würfe zu machen. Wir haben ein, zwei Mal versäumt zu foulen, das führe ich aber auf mangelnde Erfahrung meiner Spieler zurück. Ich bin aber froh, dass ich über vergebene Würfe und Kleinigkeiten reden kann, die den Ausschlag gegeben haben, und nicht über mangelnde Physis und Qualität auf unserer Seite. Ich bin stolz auf die Burschen, die Fans können das auch sein. Ich hoffe, dass De’Mon nicht schlimmer am Handgelenk verletzt ist, sonst haben wir ein großes Problem.”

3 (2 Stimmen)

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Kommentare

Was soll denn diese Überschrift suggerieren? Doreth hat nichts vergeben, hätte er getroffen wäre uns der Sieg am grünen Tisch aberkannt worden...
Als Ergänzung dazu der Hinweis auf Doreths (sicherlich augenzwinkernden) Tweet einige Stunden nach dem Spiel:

"Wollt ja nur den Protest verhindern! Hoffe das verstehen alle @medibayreuth Fans #gomedi"
Auch ich finde es ausgesprochen schade, dass die Überschrift Negatives suggeriert.
Das ganze Spiel hat eine völlig andere Geschichte erzählt, die es würdig gewesen wäre positiv zu honorieren.