Medi holt Start-Ziel-Sieg gegen Würzburg

Überraschend war dabei gar nicht so sehr das reine Ergebnis, sondern die Tatsache, dass sich die Bayreuther im Vergleich mit dem individuell stärker eingeschätzten Gegner als die klar bessere Mannschaft erwiesen. Nachdem sie mit ganz ähnlich energiegeladenem Start wie bei der Heimpremiere gegen Ulm eine 7:2-Führung vorgelegt hatten, ließen sie nie mehr einen Ausgleich zu und führten über weite Strecken sogar beständig mit zweistelligem Abstand.

Steve Wachalski sammelt 20 Punkte ohne Fehlwurf

Dabei kann man keineswegs behaupten, dass einfach in jeder Hinsicht alles reibungslos gelaufen wäre. Beispielsweise war Trey Lewis, der in den ersten beiden Spielen jeweils als Topscorer geglänzt hatte, diesmal in der Offensive kein wesentlicher Faktor. Dafür hatte das Medi-Team jedoch an ganz anderer Stelle den herausragenden Einzelspieler des Abends zu bieten: Steve Wachalski trug nicht nur die meisten Punkte zum Sieg bei, sondern auch noch besonders wichtige – und das mit hundertprozentiger Trefferquote aus allen Entfernungen! Als beim 58:48 (30.) und 67:57 (34.) die Gefahr einer Wende am größten schien, war es jeweils ein Dreier des Teamseniors, der den zweistelligen Vorsprung untermauerte.

Vor allem aber hatten die Bayreuther als Mannschaft auf alle Würzburger Ansätze für einen Umschwung eine passende Antwort. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistete Trainer Raoul Korner, dessen Auszeiten immer etwas bewegten. So sah es bei der 1:6-Serie zum 52:42 (25.) danach aus, als würde das Medi-Team das Niveau des vorangegangenen Schlagabtausches in der Offensive nicht mehr ganz halten können und gleichzeitig die Würzburger vor allem unter dem Korb mehr gute Wurfpositionen erspielen. Nach der Bayreuther Auszeit folgte jedoch sofort ein Korberfolg (Tip-in von Assem Marei) und auf Gegenseite ein Ballverlust durch Überschreiten der 24-Sekunden-Grenze.

Ebenso durchschlagend war der Effekt der Korner-Auszeit nach der ärgerlichen Phase mit 0:7 Punkten innerhalb von 50 Sekunden zum 67:57 nach genau 33 Minuten, an der Lewis mit zwei groben Fehlern (Ballverlust und technisches Foul) wesentlichen Anteil gehabt hatte: Im folgenden Angriff räumte Wachalski per Dreier die Gefahr einer nachhaltigen Verunsicherung aus, und eine Minute später durfte man nach einem weiteren Distanzwurf (diesmal von Nate Linhart) zum 73:57 den Vorsprung fast schon als vorentscheidend bezeichnen.

Bayreuther Vorteile in allen Bereichen

Abgesehen von diesen speziellen Situationen ist es auch nicht übertrieben, dem Medi-Team Vorteile in allen Bereichen zu bescheinigen. Der Spielaufbau fand anfangs früher als aufseiten der Würzburger zu einer Ordnung und zu offensiven Problemlösungen, vor allem aus dem schnellen Spiel heraus. Gleichzeitig schnitten die Gastgeber im Eins-gegen eins unter den Körben überwiegend besser ab. Dagegen war das Spiel der Würzburger unter dem Druck der intensiven Bayreuther Defensivarbeit lange Zeit von Fehlern und vielen Ungenauigkeiten im Aufbau geprägt. Das musste sich zum Teil auch der letztjährige Bayreuther Spielmacher Jake Odum ankreiden lassen. Einzelne sehenswerte Assists konnten nicht darüber hinweg täuschen, dass an der Feinabstimmung mit seinen neuen Teamkollegen noch gearbeitet werden muss. So kamen die Gäste in der ersten Halbzeit kaum einmal in die bevorzugten Wurfpositionen – und das ging offenbar derart auf Kosten der Sicherheit, dass auch ein paar gute Chancen vergeben wurden.

 

Die Medi-Spieler in der Einzelkritik

KYAN ANDERSON (7 Punkte / 30:23 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 11): Statistisch endete die Auseinandersetzung des Medi-Spielmachers mit seinem Vorgänger Jake Odum ausgeglichen: 7:8 Punkte, 1/7 gegenüber 2/6 Würfe, 8:9 Assists, 3:1 Ballgewinne, 4:5 Ballverluste; als Verantwortlicher für eine stabile spielerische Linie hatte Anderson aber Vorteile.

NATE LINHART (11/30:10/8): Nur vereinzelt im Blickpunkt (3/5 Dreier), aber jederzeit zuverlässig; sein Unentschieden im Duell mit dem offensiv stärker eingeschätzten Ulmer (4/11 Würfe, neun Rebounds) war ein Bayreuther Pluspunkt im Teamvergleich.

CEDRIC KRAL: Nicht eingesetzt.

BASTIAN DORETH (0/19:33/0): Mit seinem Einsatz in der Defensive an den Problemen der Würzburger Aufbauspieler beteiligt; offensiv wirkt sich die fehlende gemeinsame Saisonvorbereitung mit dem Team aber immer noch aus: zwar kein Ballverlust, aber auch nur ein Assist; „verweigerte“ die eine oder andere Chance zum Distanzwurf (0/3).

ANDREAS SEIFERTH (9/15:22/0): Mit fünf Punkten am Start zum 14:7 (5.) beteiligt; danach solider Beitrag zum leichten Bayreuther Vorteil im Gesamtvergleich aller Center (4/5 Würfe, vier Rebounds); auch im dritten Saisonspiel spricht die Plus-Minus-Bilanz aber klar zugunsten von Marei.

TREY LEWIS (9/28:06/12): Weitgehend ausgelastet mit der schweren Defensivaufgabe gegen Mihailovic; offensiv bei Weitem nicht der Faktor der ersten beiden Spiele (2/9 Würfe, drei Ballverluste); hätte sein Team mit Ballverlust und technischem Foul innerhalb weniger Sekunden beinahe in Schwierigkeiten gebracht (33.).

STEVE WACHALSKI (20/23:00/7): Ganz klar der Matchwinner mit den meisten Punkten, darunter einigen besonders wichtigen, und mit makelloser Trefferquote: 2/2 Zweier, 4/4 Dreier, 4/4 Freiwürfe; „nebenbei“ auch noch bester Rebounder (sechs) und damit entscheidend für den klaren Bayreuther Vorteil im Gesamtvergleich auf Position vier gegen Ugrai und Southerland.

ROBIN AMAIZE (2/11:48/5): Wie man sich eine solide Alternative auf der Bank vorstellt: eifrig in der Verteidigung, fehlerfrei und ohne Hang zur Selbstdarstellung in der Offensive.

NILS DEJWOREK: Nicht eingesetzt.

DE’MON BROOKS (10/17:00/5): Im Gespann mit dem mehr von außen gefährlichen Wachalski ein Garant für andere Akzente, aber gleichbleibend hohes Niveau auf der Position des Powerforwards (5/8 Würfe).

MARIUS ADLER: Nicht eingesetzt.

ASSEM MAREI (15/24:38/12): Zweikampfstark mit sicherer Chancenverwertung (7/10 Würfe); defensiv in den Center-Duellen mit etwas mehr Mühe gegen den robusten Loncar, als den eleganteren Lane. es

 
Nicht bewertet

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