Medi gegen Braunschweig: Chance und Gefahr

Fast noch eindrucksvoller als die drei Bayreuther Siege in Folge ist die Erinnerung an die bisher einzige Niederlage: Im Auftaktspiel gegen die inzwischen als beständiges Spitzenteam auftrumpfenden Ulmer fehlte schließlich nur ein glücklicher Schiedsrichterpfiff am Ende der regulären Spielzeit, um die 87:95-Niederlage nach Verlängerung abzuwenden und damit eine bis heute makellose Bilanz zu ermöglichen. In dieser Ausgangslage treffen die Bayreuther nun auf einen Gegner, der zwar mit 72:59 in Vechta gut gestartet war, seither aber mit drei Niederlagen die skeptischen Saisonprognosen bestätigt hat. Nach der deutlichen Reduzierung des Etats und dem daraus folgenden Verlust aller Leistungsträger (einschließlich des Wechsels von Trainer und Sportdirektor Raoul Korner nach Bayreuth) erwartet kaum jemand, dass die Braunschweiger den Playoffs erneut so nahe kommen können, wie in der vergangenen Saison als Zehnter mit nur zwei Punkten Abstand zum achten Platz.

Korner: "Ich hatte drei tolle Jahre dort"

Für Raoul Korner geht die Bescheidenheit an seiner früheren Wirkungsstätte allerdings schon zu weit: „Wenn man sagt, dass ein Wunder für den Klassenerhalt nötig ist, dann wird das der Mannschaft nicht gerecht. Sie hat das Zeug dazu, das zu schaffen, und wird sich dabei mit sechs oder sieben anderen Mannschaften messen.“ Dass er seinem Ex-Verein den Erfolg gönnen würde, ist nicht zu überhören: „Nach dem Spiel wird sich das halbe Backoffice bei mir einquartieren“, beschreibt er sein Verhältnis zur Löwen-Organisation. „Ich hatte drei tolle Jahre dort.“

Drei Schlüsselspieler im Gästeteam

In der neuen Braunschweiger Mannschaft hat der Medi-Coach drei Schlüsselspieler ausgemacht: „Carlos Medlock ist der kreative Faktor, der auch seinen eigenen Wurf kreieren kann. Dyshawn Pierre ist ein schwieriges Matchup, weil er vom Typ her zwischen den beiden Flügelpositionen liegt – sehr physisch für einen Dreier, sehr schnell für einen Vierer. Geoffrey Groselle spielt mit seiner Größe und Athletik eine wichtige Rolle beim Pick-and-roll, aus dem fast alle Angriffsaktionen hervorgehen.“

Somit warnt Korner davor, die Aufgabe zu unterschätzen: „Ich spare nicht mit Erinnerungen an das Vorjahr“, sagt er in Anspielung auf den Start in die vergangene Saison, als er mit den Braunschweigern in Bayreuth mit 98:58 auftrumpfte und die erwartungsvollen Medi-Fans regelrecht schockierte. „Sicher sind das jetzt zwei völlig andere Mannschaften. Aber es ist ein gutes Beispiel, was passieren kann, wenn eine Mannschaft mit einem richtig guten Tag auf eine mit richtig schlechtem trifft.“

"Nicht ein Prozent weniger als hundert"

Ohnehin sieht der Bayreuther Trainer sein Team auch grundsätzlich nicht in der Position, um irgendeine Aufgabe auf die leichte Schulter zu nehmen: „Ich hoffe, dass wir schon so weit sind, um uns einerseits unserer Stärken bewusst zu sein, andererseits aber zu wissen, dass wir es uns nicht leisten können, auch nur ein Prozent weniger als hundert zu geben.“ Dass im Umfeld vielleicht schon über einen Punktestand von 10:2 nach dem folgenden Auswärtsspiel in Gießen spekuliert werden könnte, spiele bei der internen Zielsetzung keine Rolle: „Niemand sollte glauben, dass wir das fünftbeste Team der Liga sind. Aber wir sind auch nicht gleich ein Abstiegskandidat, wenn wir mal verlieren. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.“

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