Medi-Gast Ljubljana kommt mit neuem Coach

Denn genauso beeindruckend wie aktuell der zweite Platz der Bayreuther mit einer Bilanz von 6:3 Siegen in der Vorrundengruppe C erscheint, so trügerisch ist das Tabellenbild auch: Mit AEK Athen, Estudiantes Madrid, Reyer Venedig und SIG Straßburg weisen gleich vier Teams nur einen Sieg weniger auf als Medi. Ljubljana rangiert mit 3:6 Siegen schon leicht abgeschlagen auf Rang sieben und dürfte heute um seine wohl letzte Chance kämpfen, noch einmal in den Kampf um die für die Playoffs berechtigenden Tabellenplätze eins bis vier einzugreifen.

„Ein Sieg wäre für uns ein weiterer Riesenschritt in Richtung Playoffs“, sagt Medi-Trainer Raoul Korner und denkt dabei auch schon an das zweite Heimspiel in Folge eine Woche später gegen den türkischen Spitzenreiter Banvit Bandirma. „In diesen beiden Spielen können wir die Tabellenführung übernehmen, und diese Chance wollen wir natürlich beim Schopf packen.“

Überraschend in der Favoritenrolle

Dass Medi als Favorit in eine Partie gegen den Doublegewinner aus dem Land des amtierenden Europameisters gehen würde, hätte man vor wenigen Jahren wohl noch für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten. Über zwei Dekaden hinweg war Olimpija Ljubljana bis zur Saison 2012/13 Stammgast in der Euroleague. Größter Erfolg war 1997 die Teilnahme am Final-Four-Turnier in Rom, in dem man sich im Halbfinale dem späteren Champion Olympiakos Piräus geschlagen geben musste. Zahlreiche spätere NBA-Profis und europäische Spitzenspieler hat der 16-malige Landesmeister und 20-malige Pokalsieger hervorgebracht. Von den zwölf Akteuren, die im September Europameister wurden, spielten sieben einst bei Olimpija, darunter auch NBA-Star Goran Dragic (Miami Heat) und das 18 Jahre alte Ausnahmetalent Luka Doncic (Real Madrid).

In den vergangenen Jahren ist der Stern Ljubljanas allerdings gesunken. Nach vier Teilnahmen am Euroleague-Unterbau Eurocup, wo man nie über die Zwischenrunde hinauskam, droht das Team bei seiner ersten Teilnahme an der Champions League schon in der Vorrunde auf der Strecke zu bleiben. Nach einem kurzen Zwischenhoch mit Siegen gegen Schlusslicht Rosa Radom (80:72) und SIG Straßburg (78:77) gab es im letzten Spiel des Kalenderjahres 2017 eine 57:65-Heimniederlage gegen Spitzenreiter Banvit Bandirma.

Neuer Trainer erstmals an der Seitenlinie

Da es auch weder in der nationalen Liga – Tabellendritter mit 7:5 Siegen – noch in der Adria Liga mit Teams aus den anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken – Tabellenzehnter mit 5:10 Siegen – wunschgemäß läuft, nahm der Verein am Montag einen Wechsel auf der Trainerbank vor: Der Vertrag von Gasper Okorn (44) wurde in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Als Nachfolger wird heute in der Oberfrankenhalle erstmals Zoran Martic an der Seitenlinie stehen. Der 52-Jährige arbeitete in den 1990er Jahren schon einmal als Jugendtrainer bei Olimpija, ehe er zu einer Europa-Tournee mit Engagements unter anderem in Russland, der Ukraine oder Ungarn startete. Vergangene Saison war Martic bei Trefl Sopot in Polen tätig. Welchen Einfluss der neue Trainer heute Abend nach nur wenigen Stunden im Amt auf sein Team nehmen kann, bleibt abzuwarten. Erst nach der Rückreise aus Bayreuth soll er am Donnerstag um 12 Uhr den Medien in der slowenischen Hauptstadt vorgestellt werden.

„Der Trainerwechsel zeigt, dass man selbst nicht zufrieden ist mit der Bilanz“, sagt Korner. Daher müsse man sich darauf einstellen, dass die Gäste in Bayreuth mit allen Mitteln um eine Trendwende kämpfen werden: „Dass dieser Gegner gefährlich ist, wissen wir ohnehin. Er hat immerhin bei Estudiantes Madrid gewonnen und auch gegen Straßburg.“

Besonders reizvolle Duelle unter den Körben

Das Hinspiel Ende Oktober konnten die Bayreuther mit 90:77 für sich entscheiden. Beste Scorer waren damals Gabe York (25 Punkte), Steve Wachalski und De’Mon Brooks (je 12) bei Medi sowie Devin Oliver (20), Jordan Morgan (18) und Domen Lorbek (14) bei Olimpija. Der 25 Jahre alte US-Center Morgan ist einer der herausragenden Individualisten der gesamten Champions League. Mit 17,9 Punkten pro Spiel liegt er in der Korbschützenliste auf Platz fünf, bei den Rebounds (8,3) ist er sogar Dritter. Sein Landsmann, der ein Jahr ältere Power Forward Oliver, steht ihm als 20. der Scorerliste (14,0) und Sechster bei den Reboundern (7,8) nicht viel nach.

„Das US-Duo unter den Körben ist sehr dominant“, unterstreicht auch Raoul Korner. Reizvolle Duelle mit den Leistungsträgern seines eigenen Teams auf den großen Position dürften damit vorprogrammiert sein. Allerdings sei es ein Fehler, den Gast auf diese Qualität zu reduzieren: „Als typischer slowenischer Vertreter ist diese Mannschaft sehr wurfstark und nimmt auch gern mal schnelle Würfe. Viel entwickelt sich dabei aus dem Pick-and-roll.“

Nicht bewertet

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