Medi-Fans: Vorfreude auf die Playoffs

Die Verletzung von Andreas Seiferth war so kurz vor dem Saisonhöhepunkt natürlich ein Rückschlag. Und dass es die Oldenburger sind, die zum Playoff-Start am kommenden Freitag um 18 Uhr in der Oberfrankenhalle antreten, wird auch nicht gerade als optimal empfunden. An der zuversichtlichen Stimmung der Medi-Anhänger kann das aber nicht viel ändern.

Sybille Hammon: „Das Heimrecht im Playoff-Viertelfinale kann ich nur mit einem Wort beschreiben: SENSATIONELL! Gerade für die Fans wäre die deutlich kürzere Fahrt nach Bonn natürlich schöner gewesen. Sportlich sehe ich in Oldenburg einen richtig schweren Gegner, und da wird es dann auch auf die Stimmung in der Oberfrankenhölle ankommen. Als ich gehört habe, dass Andi Seiferth ausfällt, musste ich schon kurz schlucken. Aber wir werden Brian Qvale mit vereinten Kräften stoppen. Ich glaube jedenfalls ganz fest an das Halbfinale!“

 

Adele Kratzer: „Seit ich vor 20 Jahren nach Deutschland gekommen bin, verfolge ich den Bayreuther Basketball – also sind das meine ersten Playoffs! Umso größer ist die Vorfreude, und an diese Leistungssteigerung im Vergleich zur Vorsaison hätte ja auch wirklich niemand geglaubt. Aus beruflichen Gründen kann ich nicht mit nach Oldenburg und hätte mir alleine deshalb schon Bonn gewünscht. Aber ich empfinde Oldenburg auch basketballerisch als unangenehmer. Spieler wie Rickey Paulding und Brian Qvale werden es uns sehr schwer machen. Ich bleibe aber Optimist und sehe Medi im Halbfinale.“

 

Jürgen Schwarz: „Die letzte Playoff-Teilnahme ist schon so lange her, dass ich es gar nicht erwarten kann. Ich denke, dass die Fans zum entscheidenden Zünglein an der Waage werden könnten. Daher hoffe ich auch, trotz der weiten Fahrt, auf viele Auswärtsfans in Oldenburg. Sportlich sehe ich die Oldenburger zudem als den schwierigeren Gegner, da sie unglaublich viele sehr erfahrene Spieler wie Paulding oder Schwethelm in ihren Reihen haben. Unter dem Korb sehe ich für uns keinen Nachteil, weil das Ziel ohnehin sein muss, schon die Pässe von vorzugsweise Chris Kramer auf Brian Qvale zu unterbinden. Um weiter zu kommen, wird aber eben auch die Halle gefragt sein.“

 

Irmgard Berger: „Wir wissen ja schon lange, dass es sogar mit dem Heimrecht im Viertelfinale klappt, und seither bin ich sehr aufgeregt. Es war ja nur noch die Frage nach dem Gegner offen, und da sehe ich in Oldenburg nun eine sehr große Bewährungsprobe für unsere Mannschaft – auch wenn das wohl für jeden Gegner gegolten hätte. Für die Fans ist Oldenburg kein gutes Los, weil die Entfernung schon eine echte Belastung ist – aber ich bin trotzdem dabei! Ob nach dem Seiferth-Ausfall die Geschwindigkeit von Assem Marei und De’Mon Brooks ein Vorteil sein wird, bin ich mir nicht sicher. Vielmehr wird es wichtig sein, dass auch jeder Bankspieler für Erholung der Stammspieler sorgen kann. Ich habe ein gutes Gefühl und stehe zu 100 Prozent hinter der Mannschaft.“

 

Claudia Wirth: „Die Vorfreude auf den PlayoffStart ist gar nicht in Worte zu fassen, und ich werde definitiv auch die weite Fahrt nach Oldenburg mitmachen. Ich habe mir sogar extra für die Playoffs Urlaub genommen. Natürlich haben wir diesbezüglich auf Bonn gehofft, und das wäre auch spielerisch wohl ein Gegner gewesen, der uns mehr liegt. Gerade das Duell unter dem Korb könnte ohne Andreas Seiferth schwierig werden, da Oldenburg mit Brian Qvale viel Qualität mitbringt. Ich vertraue aber auf die Ideen von Raoul Korner, der uns sicher noch unberechenbarer machen wird, und setze voll auf das Halbfinale. Immerhin hat uns das Team in dieser Saison schon oft positiv überrascht.“

Annika Freytag: „Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich zu Saisonbeginn schon sehr skeptisch war, ob wir überhaupt eine Chance auf die Playoffs haben. Im Saisonverlauf hat sich die Mannschaft jedoch super entwickelt. Gerade Kampf- und Teamgeist machen den Medi-Erfolg aus, und das werden wir nun natürlich auch in den Playoffs brauchen. Im Viertelfinale hätte ich mir Bonn gewünscht, da sich Oldenburg zuletzt in hervorragender Form präsentiert hat und immer besser geworden ist. Leider kann ich auswärts auch nicht dabei sein, weil ich Schülerin bin. Ich wünsche mir natürlich sehnlichst das Halbfinale, aber ich befürchte, dass es damit eng wird.“

Carl Steiner: "Die schwerste Aufgabe"

Carl Steiner macht kein Geheimnis daraus, dass die Baskets Oldenburg nicht gerade sein Wunschgegner für Medi Bayreuth im Playoff-Viertelfinale sind. „Von den drei möglichen Gegnern ist das der sportlich schwerste“, sagt der frühere Vorsitzende des Aufsichtsrats und heutige Mehrheitseigentümer der Profi-GmbH. „Das gilt für die Matchups der einzelnen Spieler und auch für die Tiefe der Bank.“ Das Verletzungspech von Center Andreas Seiferth habe diese Einschätzung noch bestärkt: „Auf den großen Positionen waren wir ja ohnehin etwas schmal besetzt.“ Trainer Raoul Korner liege ganz richtig mit seinem Ansatz, das Problem mit schnellerem Spiel lösen zu wollen: „Aber auch das wird gerade gegen die Oldenburger schwierig mit ihren sehr defensivstarken Guards.“

Auch aus seinem wirtschaftlichen Blickwinkel erscheint der Deutsche Meister von 2009 nicht ganz ideal: „Die weiteste Entfernung bedeutet nicht nur eine Belastung für die Spieler, sondern auch mehr Kosten und damit weniger Überschuss.“

Steiners Vorfreude auf die ersten Bayreuther Playoff-Spiele seit 21 Jahren (damals mit ihm als Vereinspräsident) können solche Details freilich nicht trüben: „Das ist alles egal, denn wir sind alle megahappy, weil wir überhaupt in den Playoffs mitspielen. Und dann noch mit Heimvorteil – einfach unglaublich! Das macht uns sportlich noch etwas stärker und ist natürlich auch wirtschaftlich erfreulich.“ Alle Schwierigkeiten könne man zudem auch positiv betrachten: „Das wird auf jeden Fall hochinteressant.“

Ebenso differenziert bewertet Steiner die Aussicht auf die nun mögliche Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb: „Wir werden dafür sicher kein Harakiri machen. Wir haben gerade auch wirtschaftlich eine gute Saison, und da sollte man nichts gefährden. Schließlich hat das Bayreuther Vereine früher schon zweimal den Kopf gekostet. Das waren aber auch andere Zeiten. Wir rechnen verschiedene Szenarien durch, und wenn das wirtschaftlich machbar ist, dann werden wir das auch machen.“

Georg Kämpf: "Über Grenzen gehen"

Kein anderer aus Bayreuth stammender Spieler hat so viel Erfahrung im Profi-Basketball gesammelt wie Georg Kämpf – nicht nur in der aktiven Laufbahn (Pokalsieger 1988), sondern später auch als Trainer. Den Unterschied zwischen regulärer Saison und Playoffs hat er aus beiden Perspektiven erlebt: „Viel entscheidet sich im Kopf“, nennt er als wichtigsten Aspekt. „Der Kopf muss dem Körper sagen, was zu tun ist – nicht umgekehrt.“

Dabei denkt der ehemalige Nationalspieler vor allem an die Belastung durch den Spielrhythmus mit Einsätzen innerhalb weniger Tage: „Man muss damit umgehen, dass man nicht genug Zeit hat, um sich hundertprozentig zu erholen. Das heißt, man muss über Grenzen hinaus gehen, weil man auch mal spielen muss, obwohl man sich nur zu 80 Prozent fit fühlt. Viel hängt in so einer Serie davon ab, wer das besser verkraftet.“

Auch taktisch müsse man sich umstellen, wenn sich immer wieder dieselben Mannschaften gegenüberstehen: „Irgendwann kann man den Gegner nicht mehr überraschen.“ Spätestens an diesem Punkt sei es entscheidend, jedes Spiel unabhängig voneinander zu betrachten: „Man muss immer ganz von vorn anfangen und darf sich nicht damit befassen, was im Spiel vorher gewesen ist und was im Spiel danach vielleicht sein könnte. Dafür muss man den Kopf jedes Mal wieder frei bekommen, und das ist gar nicht so einfach wie es klingt.“

Den Bayreuthern traut Georg Kämpf zu, diese Aufgaben in der Playoff-Serie gegen die Baskets Oldenburg zu lösen: „Gerade dabei ist der Heimvorteil sicher hilfreich.“ Eine fachliche Analyse der Chancen traut er sich allerdings nicht zu: „Ich freue mich sehr über diese tolle Saison, aber ehrlich gesagt: Ich habe kein einziges Spiel gesehen.“ Der langjährige Spieler, Trainer und zuletzt Nachwuchskoordinator ist „verärgert“, weil er seit vergangener Saison keine Eintrittskarte mehr vom Verein bekommen hat: „Schade, dass über 20 Jahre Engagement im Bayreuther Basketball dafür nicht reichen.“

Thomas Dressel: Signal auch für den Nachwuchs

Thomas Dressel hat einen ganz persönlichen Grund, sich über die erfolgreiche Saison zu freuen: „Für den ganzen Bayreuther Basketball ist das sensationell“, sagt der Präsident des Medi-Stammvereins BBC. „Das gilt für die Playoff-Teilnahme generell, aber auch für die Art und Weise, wie das erreicht wurde.“ Davon könne auch der Gesamtverein profitieren: „Es ist nicht so, dass wir überrannt werden, aber es kommen schon ein paar Kinder mehr. Wir müssen allerdings noch daran arbeiten, sie beständig in die Halle zu bekommen.“

Große Stücke hält Dressel auch in dieser Hinsicht von Trainer Raoul Korner: „Der schaut sich mit Interesse die unteren Mannschaften an und geht auf den Nachwuchs zu.“ Bezeichnend sei eine Beobachtung nach dem Heimspiel gegen Bayern München: „Eine Reporterin holte ihn zum TV-Interview, doch auf dem Weg dahin machte er erst noch ein paar Selfies mit Kindern.“

Die Playoff-Aussichten bewertet er zuversichtlich: „Bonn wäre mir als Gegner lieber gewesen, auch weil es nicht ganz so weit weg ist. Oldenburg ist immer unangenehm zu spielen, aber mit dem Lauf und der entsprechend breiten Brust sollte auch das machbar sein.“

Nicht bewertet

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