Medi empfängt namhaften Gast aus Madrid

Medi-Coach Raoul Korner ist froh und erleichtert, mit seiner Mannschaft in heimischen Gefilden antreten zu können: „Bis jetzt haben wir die vielen Auswärtsspiele weitgehend unbeschadet überstanden. Aber natürlich ist es ein Vorteil, in gewohnter Umgebung anzutreten. Die Beanspruchung war zuletzt sehr groß. Vom Auswärtsspiel in Bremerhaven sind wir erst am Montagmorgen um 1 Uhr zurückgekommen. Ich hoffe deshalb, dass uns unser Publikum Energie gibt und uns hilft, Kraftreserven zu mobilisieren.“

Estudiantes seit 1955 ohne Unterbrechung erstklassig

Die Gäste aus der spanischen Hauptstadt bezeichnet Korner als „unangenehm zu spielende Mannschaft mit Größe und Erfahrung, die aber auch sehr wechselhaft agiert. In einem Spiel spielen sie hervorragend, im nächsten kriegen sie nicht viel gebacken.“

Erst über die Qualifikation mit einem knappen Gesamtsieg gegen Donar Groningen aus den Niederlanden (76:76, 77:69 n. V.) schaffte der Vorsaison-Elfte der spanischen Liga den Sprung in die Gruppenphase. Dort startete Estudiantes mit Siegen in Athen (87:79) und gegen Radom (78:68) furios. Zuletzt setzte es aber Niederlagen in Straßburg (74:77) und zu Hause gegen Ljubljana (75:81). In der Tabelle belegen die „Studenten“ eine Position hinter Medi Platz vier in Gruppe C, der noch zum Einzug ins Playoff-Achtelfinale berechtigen würde.

In der nationalen Liga rangieren sie mit drei Siegen und drei Niederlagen an neunter Stelle. Am Sonntag setzten sie sich bei Schlusslicht Real Betis Sevilla mit 90:81 durch. „Ein enges Spiel und die Anreise – Madrid hat eine ähnliche Belastung wie wir in den Knochen. Die Voraussetzungen sind also ähnlich“, sagt Medi-Coach Korner.

Auch wenn die erfolgreichsten Jahre ein gutes Stück zurückliegen: Estudiantes Madrid ist noch immer ein glanzvoller Name im spanischen und europäischen Basketball. 1955 war der – wie es der Name verrät – von Studenten gegründete Verein eines von sechs Ursprungsmitgliedern der Liga Española (heute ACB) und spielt seither ohne Unterbrechung erstklassig. 1963, 1992 und 2000 wurde Estudiantes Pokalsieger, 1963, 1967, 1981 und zuletzt 2004 Vizemeister.

Probleme bei Integration von Javon McCrea

Bereits zum 24. Mal nimmt der Verein an einem internationalen Wettbewerb teil. Größter Erfolg war 1999 die Finalteilnahme im Korac-Cup (Niederlage gegen den FC Barcelona). Mitte der 1960er Jahre spielte mit Klaus Schulz auch ein deutscher Nationalspieler bei Estudiantes, als erster deutscher Basketballer in einer ausländischen Mannschaft überhaupt.

Im aktuellen Kader sucht man hierzulande bekannte Namen vergeblich. Einzig Nik Caner-Medley könnte eingefleischten Basketball-Fans etwas sagen: In der Saison 2006/07 gab der US-Amerikaner ein kurzes Bundesliga-Gastspiel bei den Artland Dragons Quakenbrück. Mit 10,3 Punkten pro Partie belegt der inzwischen 34 Jahre alte Power Forward in der mannschaftsinternen Korbschützenliste Platz zwei hinter Sylvan Landesberg (15,0). Der Flügelspieler mit israelischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft kam vor Saisonbeginn von Maccabi Tel Aviv, mit dem er 2014 die Euroleague gewann.

Caner-Medley und Landesberg bildeten zuletzt gemeinsam mit dem NBA-erfahrenen US-Spielmacher Omar-Sharif Cook (35 Jahre, 22 Spiele für Portland und Toronto), dem 2,16 Meter langen US-Center Alec Brown sowie dem erst 17 Jahre alten Nachwuchstalent Adams Sola-Iddrisu die Erste Fünf Madrids.

Trainer Salvador Maldonado, ein 58 Jahre alter Katalane, setzt auf eine große Rotation mit zehn bis sogar allen zwölf Spielern. Leistungsträger von der Bank kommend sind der schwedische Nationalspieler Ludvig Hakanson (21) und der Serbe Aleksandar Cvetkovic (24), beide im Aufbau, sowie der erfahrene kroatische Power Forward Goran Suton (32). „Madrid verfügt über Qualität, Größe und gerade auf den Positionen 1, 3 und 4 über Spieler mit viel Erfahrung auf höchstem Niveau. Hinzu kommt ein Center, der auch Dreier werfen kann“, weiß Medi-Coach Korner über den heutigen Gegner.

Verzichten muss er heute neben dem Langzeitverletzten Assem Marei weiterhin auf Nationalspieler Robin Amaize (Bänderriss). Ob Rückkehrer Javon McCrea mehr Einsatzzeit erhalten wird als am Sonntag bei seinem ersten Spiel in Bremerhaven (4:31 Minuten), will der Trainer „vom Spielverlauf abhängig machen. Je enger es wird, umso mehr werde ich auf die Spieler zurückgreifen, die seit Wochen aufeinander eingespielt sind.“

Der Österreicher beschreibt die Probleme bei der Integration des US-Centers wie folgt: „Javon hat körperlich und taktisch großen Aufholbedarf. Wegen unseres engen Spielplans haben wir aber nur wenig Trainingszeit. Und die Spiele wiederum sind zu wichtig für Experimente. Wir müssen einen Mittelweg finden.“

INFO: Erstmals seit 21 Jahren wird heute wieder ein Spiel in einem internationalen Wettbewerb in Bayreuth ausgetragen. Der letzte Gast kam am 16. Oktober 1996 ebenfalls aus Spanien. Damals bezwang Steiner Bayreuth in der Vorrunde des Korac-Cups Turismo Andaluz Granada 81:66. Mehr dazu in einer der nächsten Folgen unserer Serie „Europapokal-Geschichte(n)“.

Nicht bewertet

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