Medi-Coach: „Es geht nur um ein Spiel“

Schließlich haben die Oldenburger nach zwei Siegen (85:83 und 102:90) bereits die erste Chance, die Best-of-five-Serie für sich zu entscheiden. Auf der Gegenseite muss das Medi-Team gewinnen, um ein viertes Spiel am kommenden Dienstag zu erzwingen und dort die Chance zu haben, mit dem ersten Bayreuther Sieg in Oldenburg seit dem Aufstieg im Jahr 2010 die Serie auszugleichen. Wenn das gelingt, würde die Entscheidung erst im fünften Spiel fallen, in dem die Bayreuther am Donnerstag als Tabellenvierter der Hauptrunde wieder den Heimvorteil gegen den Fünften hätten.

Das klingt nach einem ziemlich weiten Weg bis ins Halbfinale. Deswegen formuliert Trainer Raoul Korner lieber kurzfristigere Ziele: „Den Gedanken an die Serie haben wir erst einmal ad acta gelegt. Es geht nur um das eine Spiel am Sonntag, in das wir unsere gesamte Energie werfen wollen – dann noch eines und dann noch eines.“

Kein neuer Plan, sondern geringere Fehlerquote

Nach zwei intensiven Duellen wird es für die Trainer immer schwerer, den Gegner noch einmal taktisch zu überraschen. Aber das stört den Medi-Coach gar nicht so sehr: „Was soll ein ganz neuer Gameplan, wenn der dann nicht funktioniert – damit ist niemandem geholfen.“ Und so schlecht sei die Strategie bislang auch gar nicht gewesen: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, das konsequenter umzusetzen und dabei weniger Fehler zu machen.“

Das Problem liege nach wie vor in der Vielzahl der Aufgaben, die der tief besetzte Kader der Oldenburger stellt: „Kramer geht gar nicht vom Feld, Massenat trifft so gut wie nie zuvor in der Saison, und dann kommt aus dem Nichts auch noch Duggins dazu“, nennt Korner als Beispiel.

Zweifellos könne die Bewachung der Guards ein Schlüssel sein, um indirekt auch die Wirkung von Center Brian Qvale einzudämmen, doch da werde es schon kompliziert: „Das funktioniert, wenn der eigene Kader an Größe und Tiefe gleich besetzt ist. Wenn das aber nicht der Fall ist, muss man immer etwas riskieren.“

Folglich müsse man in Kauf nehmen, dass engere Bewachung der Außenpositionen zulasten der Hilfe unter dem Korb geht. Und in der aktuellen Besetzung mit dem Ausfall von Andreas Seiferth als zweitem Center droht damit auch noch die Gefahr von Foulbelastung auf den großen Positionen. Nachdem das schon im zweiten Spiel ein wesentlicher Faktor gewesen ist, zweifelt Korner nicht daran, dass die Oldenburger diesen wunden Punkt gezielt angreifen werden: „Man muss kein Basketball-Wissenschaftler sein, um auf diese Idee zu kommen.“

Erneuter Rekordumsatz in der BBL

Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesliga ist weiterhin beständig positiv. Laut Mitteilung der BBL stehe schon jetzt fest, dass die Vereine zum bilanziellen Saisonabschluss am 30. Juni erneut einen Rekordumsatz vorweisen. Die Zahlen zum Stand am 24. April ergeben demnach eine Summe von 109,7 Millionen Euro, was gegenüber der vergangenen Saison 2015/16 einer Steigerung um 5,4 Prozent entspreche. Im Fünfjahresvergleich zur Spielzeit 2012/13 wird ein Anstieg des Gesamtumsatzes um 26,7 Prozent angegeben.

Bei Medi Bayreuth sieht man derzeit keine Gefahr, als relativ kleiner Standort irgendwann von diesem Trend abgehängt zu werden. „Wir dürften ziemlich in diesem Bereich liegen“ sagt Geschäftsführer Philipp Galewski. „Unser Ziel sind jährliche Steigerungsraten zwischen fünf und zehn Prozent, und das kommt dann über fünf Jahre ganz gut hin.“ Den Etat für die laufende Spielzeit beziffert er auf 3,2 Millionen Euro: „Durch die Playoffs werden es vielleicht noch 3,3 Millionen.“ Wie berichtet, strebt Galewski für die kommende Saison einen etwas größeren Sprung um rund 500 000 Euro an, um die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb ohne finanzielles Risiko ermöglichen zu können: „Wir hoffen, die sportlich sehr erfolgreiche Saison ummünzen zu können.“

Lizenz für 17 von 18 Teams ohne Auflagen

Unter diesen Vorzeichen war es nicht überraschend, dass Medi Bayreuth die Lizenz für die Saison 2017/18 ohne Auflagen erhalten hat – zumal das vor der laufenden Runde auch schon der Fall war. Bemerkenswerter erscheint die Tatsache, dass dies mit der einzigen Ausnahme der Eisbären Bremerhaven für alle BBL-Vereine gilt. Schließlich wurde die aktuelle Runde von der Insolvenz bei Phoenix Hagen überschattet, und auch in den Jahren zuvor hatte es während des Saisonverlaufs Problemfälle gegeben (Würzburg, Gießen). „Aktuell fällt mir aber kein Klub ein, der Probleme hat“, sagt Galewski.

Wegen der stetig steigenden Anforderungen der BBL muss das allerdings nicht so bleiben. Künftig wird beispielsweise ein freies Eigenkapital von 250 000 Euro verlangt. Wer das nicht vorweisen kann, muss ab 2018 mit Strafe rechnen und bekommt ab 2019 keine Lizenz mehr. „Das wird eine neue Herausforderung“, sagt Philipp Galewski. „Nicht nur für uns.“

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