Medi baut auf neues Nachwuchskonzept

Nachwuchsarbeit kostet mitunter nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Das weiß man auch bei Medi Bayreuth. 30 000 Euro musste der Bundesligist in der vergangenen Saison berappen, um seine nicht das erste Mal abgestiegenen Jugendteams zurück in die JBBL und NBBL zu hieven.

Legt man bei der Bewertung des Erfolgs in der Jugendarbeit die Maßstäbe von Raoul Korner an, sieht es ohnehin ziemlich düster aus. Der neue Medi-Trainer sagt: „Erfolge drücken sich für mich nicht in Nachwuchstiteln aus, sondern darin, wie viele Nachwuchsnationalspieler wir hervor bringen und wie viele Spieler aus dem eigenen Programm den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.“

Die Vergangenheit: In der Tat muss man lange in den Annalen des Bayreuther Basketballs kramen, um Spieler aufzuspüren, die es aus der eigenen Jugend in die Bundesliga-Mannschaft geschafft haben. Es sind Namen wie Matthias Königsreuther, Dirk Vogel oder Michael Brozek – gut zwei Jahrzehnte ist das her. In der jüngeren Geschichte taucht da bestenfalls der Name von Dilhan Durant auf, der in der Saison 2014/2015 wenigstens sechseinhalb Einsatzminuten verbuchte, dann aber aufgrund der besseren Entwicklungschancen in Gotha anheuerte. Nicht von ungefähr also hat man die Forcierung der Jugendarbeit des Hauptvereins nun auch in der Medi-Führungsetage zur Chefsache erklärt. Professionalisierung ist das Stichwort.

Die Zukunft: Zur Professionalisierung gehört hauptsächlich die Ausgliederung der NBBL-, JBBL- und zweiten Mannschaft in den im Mai neu gegründeten Verein „Young Heroes Bayreuth“. Bislang liefen diese drei Teams ebenso wie alle Nachwuchsmannschaften der jüngeren Jahrgänge unter der Flagge des Hauptvereins BBC Bayreuth auf. Den Vorsitz der Young Heroes übernommen hat Philipp Galewski, der Geschäftsführer von Medi Bayreuth. Er sagt, man trage innerhalb dieses neuen Vereins auch den hohen Anforderungen der BBL Rechnung. Die Liga fordert für jeden Bundesliga-Standort beispielsweise mindestens drei hauptamtliche Trainer für den Nachwuchsbereich. Das ist nun gewährleistet, da sich, wie kürzlich gemeldet, zu Marcel Schröder und Darko Mihajlovic auch noch Tim Nees, der ehemalige Assistenztrainer der Bundesliga-Mannschaft, hinzugesellt. Konkret nimmt Nees die Position des Mini-Trainers ein. Als solcher ist er vor allem für die Förderung von Kindern im Grundschulalter verantwortlich. Er begleitet demnach Schulprojekte und fungiert zudem als Schnittstelle zwischen den Kooperationsvereinen.

Die Finanzierung: Dass diese Professionalisierung im Jugendbereich einen immensen finanziellen Aufwand mit sich bringt, ist offensichtlich. Galewski spricht von einem Etat, der sich „schon jetzt deutlich im sechsstelligen Bereich“ bewegt. Um diesen zu stemmen, will man sich künftig aber nicht nur auf die klassischen Einnahmequellen wie Spenden, Mitgliedsbeiträge und die nach wie vor unerlässlichen Zuwendungen der BBC Bayreuth Spielbetriebs GmbH verlassen, sondern eigene Maßnahmen ergreifen. So soll einerseits das Sponsoring ausgebaut werden, andererseits wird ein bereits im letzten Jahr gegründeter Förderverein „Nachwuchs für die 1. Liga e.V.“ Projekte der Young Heroes unterstützen.

Die Maßnahmen: Zunächst soll bei den Young Heroes eine engere Verzahnung mit der Bundesliga-Mannschaft erfolgen. Konkret sind bis zu vier Doppellizenzspieler im BBL-Kader vorgesehen, die voll mit der BBL-Mannschaft trainieren und sukzessive an das Profigeschäft herangeführt werden sollen. Mit U 18-Nationalspieler Moritz Trieb wurde bereits ein Neuzugang vorgestellt, der in dieses Profil passt. Aber auch Eigengewächs Marius Adler hat laut Philipp Galewski das Potenzial, sich einen dieser vier Plätze zu ergattern. „Wichtig ist außerdem, dass unsere hoch qualifizierten Trainer ihr Know-How an die Nachwuchstrainer und -spieler aus den Kooperationsvereinen weitergeben, um gemeinsam den Basketball in der Region zu stärken“, ergänzt der Vorsitzende. Es handele sich bei dem Nachwuchsverein demnach „um einen Akademie-Gedanken und nicht um einen in sich geschlossenen Verein“.

Weitere Planungen: Ganz oben auf dem Wunschzettel der Verantwortlichen steht nach wie vor eine eigene Trainingshalle. „Unsere größte Baustelle sind derzeit die Hallenzeiten“, sagt Medi-Trainer Raoul Korner. „Wir brauchen auf Sicht gesehen eine Trainingshalle, die wir 24 Stunden am Tag für uns zur Verfügung haben, wenn wir das Optimum aus dem Standort Bayreuth herausholen wollen. Das ist für mich die größte und vielleicht entscheidendste Strukturverbesserung der nächsten Jahre.” So groß der Wunsch des Trainers ist, so wenig Neues gibt es in dieser Angelegenheit zu vermelden. Es wurde zwar eine Projektgruppe gegründet, einen Durchbruch aber kann sie noch nicht vermelden. „Zumindest auf dem Papier steht die Halle schon“, sagt Philipp Galewski, „ob diese dann so auch tatsächlich gebaut werden kann, steht allerdings auf einem anderen Blatt.“ Leichter zu erfüllen erscheint da ein weiterer Wunsch des neuen Medi-Coaches: Einen hauptamtlichen Athletiktrainer hätte Korner gerne in seinem Trainerstab. „Der soll sich auch um den Nachwuchs kümmern und die körperliche Entwicklung unserer Talente begleiten und überwachen.“

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