Max Goldt: Explosionen ins Unmögliche

Seine Sprache ist elegant. Sein Humor skurril. Ohne Frage gehört Max Goldt unter all denen, die auf Bühnen gegen Bares aus ihren Büchern lesen, zu den Besten. Auf Augenhöhe vielleicht mit Wiglaf Droste – auch er war schon in Bayreuth zu hören.

Am Donnerstagabend also Max Gold im Liebesbier. Eine seltsame Melange. Ein Repräsentant der Neuen Frankfurter Schule und langjähriger Autor des Satiremagazins „Titanic“ an einem Ort oberfränkischer Bierkultur. Wie mag das zusammenpassen?

Die Skepsis war schnell verflogen, denn an diesem Abend im Liebesbier, im zweiten Stock oberhalb der Braukessel, galt es allein der Sprachkunst. Der Autor las hauptsächlich aus seinem neuesten Buch „Lippen abwischen und lächeln“, streute aber auch ältere Texte etwa aus den 90er-Jahren ein. Seine Geschichten oder Dramolette tragen Titel wie „Die Lampen leiden am meisten darunter“, „In einem unterfinanzierten Dinosaurierpark“, „Heiteres Berufeabraten“ oder „Hochsommerliche Fußnote zur Todesfuge“. Titel, die allesamt Raum für alles mögliche lassen, die die Lust am Abschweifen und Parodieren hohler Phrasen befördern und Explosionen in die Unmöglichkeiten ermöglichen. Bisweilen erinnert Max Goldts Satzbau an die Tradition des Bildungsromans des 19. Jahrhunderts. So manch kunstvolle Verschachtelung würde auch Thomas Mann zur Ehre gereichen. Goldt transferiert jenen Sprachduktus in die Gegenwart und transportiert damit seine absurden Einfälle und die Beschreibungen banaler Alltagssituationen – etwa im Urlaub auf Malta oder beim Besuch im Lampengeschäft. Seine Texte wirken durchkomponiert, getragen von einer endlosen Melodie an Skurrilitäten.

Allwissender Erzähler oder lustiges Mainzelmännchen

Würde man die Texte des Satirikers allein auf Papier lesen, wäre das nur das halbe Vergnügen. In Verbindung mit der Stimme des Autors eröffnet sich eine weitere Dimension, was insbesondere bei den kleinen Dramentexten zum tragen kommt. Goldt vermag es, mit dem Klang seiner Stimme und einer sich jeweils wandelnden Sprachmelodie, seine Figuren lebendig wirken zu lassen. Er gibt den sonoren, allwissenden Erzähler, das lustige Mainzelmännchen oder den lüsternen Exhibitionisten. Bei seiner Zugabe, der „Radischen-Diät“, fängt Max Goldt fast zu singen an. Und stößt somit in ganz andere Räume vor.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06