Mainauenhof: Zwei Schafe totgefüttert

"Es waren keine Lämmchen mehr, aber junge Schafe", sagt Robert Pfeifer, der Leiter des Stadtgartenamtes, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Tierpfleger des Stadtgartenamtes betreuen nicht nur die rund 300 Tiere im Tiergehege am Röhrensee, sie kümmern sich auch um die Schafe auf dem Gartenschaugelände. "Wir sind jeden Tag draußen", sagt Pfeifer.

Mit blähenden Dingen überfüttert

Im Abstand von drei Wochen fanden die Tierpfleger, wie erst jetzt bekannt wurde, laut Pfeifer im Sommer je ein Schaf tot im Stall neben dem Mainauenhof. "Wir haben die Tiere von einem Tierarzt untersuchen lassen, um eine mögliche Seuche auschließen zu können. Man hat nichts Genaues gefunden", sagt Pfeifer. Naheliegend scheint aber: "Sie wurden mit blähenden Dingen überfüttert. Dann drückt der Pansen aufs Herz. Das kann zu einem Kollaps führen. Die Blähung ist dann aber nicht mehr nachzuweisen." Pfeifer sagt, man habe sofort reagiert und "auch an die umliegenden Aussteller die dringende Bitte herausgegeben, nichts zu den Tieren reinzuwerfen".

"Unkontrollierte Kohlenhydrataufnahme"

Renate Bayerlein sagt am Dienstag am Schafgatter auf dem Gartenschaugelände, die Schafe seien jeweils nach dem Wochenende tot im Stall gelegen. Zum Wochenende hin steige der Besuch an. Nicht nur auf der Gartenschau, sondern "in Tierparks, Wildgehegen, wo am Wochenende viele Menschen sind, steigt damit auch die Gefahr". Dass Tiere aus Unwissenheit mit Dingen gefüttert werden, die sie nicht verwerten können. Bayerlein geht davon aus, dass die jungen Schafe mit Brötchen gefüttert wurden. Oder Kuchen. Pansenacidose, eine Übersäuerung des Pansens, sei die Folge. "Wegen übermäßiger, unkontrollierter Kohlenhydrataufnahme." Die Tiere sterben qualvoll, innerhalb weniger Stunden.

Tiere anschauen ist ok. Füttern nicht.

Sie habe nichts dagegen, dass die Menschen mit ihren Kindern "berechtigterweise Tiere anschauen gehen. Aber ich verstehe nicht, dass in einer Zeit, in der der Tierschutzgedanke so im Vordergrund steht, viele Menschen keine Ahnung haben, was die Tiere fressen dürfen und was nicht". Schafe haben als Wiederkäuer vier Mägen. "Im ersten, im Pansen, arbeiten Bakterien, die auf das Futter eingestellt sind, das die Schafe normalerweise zu sich nehmen." Gras, Kräuter. Eiweißhaltiges Futter, keine Kohlenhydrate wie in Gebackenem. Man könne, sagt Bayerlein, an der Weide gut erkennen, dass die Schafe alles finden, was sie brauchen: "Sie lassen Reste stehen, knuspern dort, wo es ihnen schmeckt. Mit seinem spitzen Maul sucht sich das Schaf heraus, was ihm gefällt." Die Schilder, auf denen gebeten wird, die Tiere nicht zu füttern, stehen nicht zum Spaß dort: "Man würde sich sonst nicht die Arbeit machen und die Schilder drucken lassen, laminieren, sie dort hin zu fahren und am Zaun zu befsetigen."

Weiße Esel: keine Probleme

Keine Probleme habe es bislang bei den Weißen Eseln aus dem Burgenland gegeben, die normalerweise im Tierpark am Röhrensee zu Hause sind, sagt Pfeifer. Die Esel, die in einem großen Freigehege am Weg der Besinnung leben, werden offensichtlich nicht gefüttert, die Besucher halten sich an die Hinweise, die am Gatter angebracht sind. Nicht nur auf der Gartenschau, auch am Röhrensee gebe es speziell bei den Weißen Eseln "eine Art soziale Kontrolle unter den Besuchern", sagt Pfeifer. "Wir haben eine Reihe von Stammgästen, die wissen, dass man sie nicht füttern darf. Die weisen andere, unvernünftige Besucher darauf hin, dass das nicht geht." Ganz anders als in den Gehegen der anderen Tiere: "Da weiß man sofort, was los ist, wenn das ganze Gehege zum Zaun rennt, wenn eine Person mit Plastiktüte auf der Bildfläche erscheint."    

Pizza, Klöße, Kartoffelschalen

Auch Pfeifer kennt sie, die Unvernünftigen: "Man spricht sie an, erklärt, warum sie nicht füttern sollen. Sie sagen, sie machen es nicht mehr. Und kaum ist man 50 Meter weit weg, holen sie wieder das Brötchen raus." Es sei nicht einzuwenden, wenn ein Kind Enten mit einem trockenen Brötchen füttere. Aber bei den anderen Tieren am Röhrensee könne das gefährlich werden. "Vor einigen Jahren sind Hirsche wegen Überfütterung gestorben, vor zwei Jahren eine Ziege", sagt Pfeifer. "Seitdem scheint es sich etwas gebessert zu haben." Eine Futterkiste, in der Besucher mitgebrachte Nahrung für die Tiere ablegen konnten, habe man ausprobiert. Und schnell wieder abgeschafft: "Die Leute haben halbe Pizzen rein, Klöße, feuchte Kartoffelschalen. Das war wie eine Biotonne. Bloß noch ekelhaft für die Mitarbeiter."

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Montag, 13. November 2017 - 11:06