Mädchen nach Genuss von Kräuter-Zigaretten im Klinikum

Die Mädchen waren 13 und 16 Jahre alt. Die 16-Jährige, über deren Fall wir bereits am Montag berichteten, will die Kräutermischung von einer Mitschülerin bekommen haben. Auch die 13-Jährige rauchte am Montag eine selbst gedrehte Zigarette. Danach beiden Mädchen übel und sie kollabierten. Passanten verständigten den Notarzt. Zur Beobachtung wurden die Mädchen ins Kulmbacher Klinikum gebracht.

Kräutermischungen für Zigaretten werden meistens als „Spice“ verkauft. Sie beinhalten Cannabis ähnliche oder andere exotische Substanzen, die eine psychoaktive Wirkung haben können. Auch können sich synthetische Zusatzstoffe in den Mischungen befinden. Die meisten fallen in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz.

„Leider kommen solche Vorfälle in letzter Zeit mehrfach vor“, sagt Michael Peltrie von der Kulmbacher Polizei auf Anfrage. Eine genaue Zahl könne er jedoch nicht nennen. Das gefährliche Kräuterrauchen sei jedoch kein spezifisches Problem der Stadt Kulmbach, sondern ein deutschlandweites. „Nicht jede Kräutermischung ist allerdings verboten“, klärt der Polizist auf. „Sie ist nur dann illegal, wenn sie verbotene Substanzen enthält. Daraufhin müssen wir sie aber erst untersuchen.“

Viele Jugendliche wüssten, dass man sich hier in einer rechtlichen Grauzone bewege. Für den reinen Konsum könnten sie nicht bestraft werden. Dabei könnten die Wirkungen stärker sein, als beim Rauchen von Marihuana oder Cannabis. Denn die Inhaltsstoffe der Kräutermischungen seien unberechenbar. „Ich weiß nicht, was drin ist und wie es wirkt“, warnt Peltrie.

Die Polizei ermittele dennoch wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Peter Stenglein, Drogenberaterin im Polizeipräsidium Oberfranken, befasst sich seit Längerem mit den neuartigen Modedrogen. Die sogenannten „Legal Highs“ würden angenehm riechen, seien aber hundert Mal gefährlicher als Cannabis. Es habe nicht nur Vergiftungen, sondern sogar einige Todesfälle deshalb gegeben. Wenn er Schulen besucht, wissen inzwischen die meisten etwas über Kräuter. Am häufigsten würden sie von Jugendlichen im Alter von zwölf bis 16 Jahren probiert.

Das Auftauchen neuer psychoaktiver Substanzen (NPS) mit unbekanntem Risikopotenzial stellt laut dem aktuellen Drogenbericht der Bundesregierung eine bundesweite Herausforderung dar.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06