Mädels stehlen Burschen die Schau

Hatte doch die männliche Dorfjugend, sonst zuständig für das Kerwabaum-Geschehen, versagt. Denn, so Lisa Mai, Tochter von Maihof-Inhaber Bernhard Mai, „sie hatten wohl vergessen, die Schwalben zu erneuern“. Jene hölzernen Stangen also, mit denen so ein Maibaum Schritt für Schritt in die Senkrechte gestemmt wird. Keine Schwalben, kein Maibaum, dachten sich die Herren.

Entschluss an feucht-fröhlichem Abend

Nicht mit uns, dachten sich wiederum die Köttweinsdorfer Mädels und entschlossen sich am Abend vor dem offiziellen Kerwa-Auftakt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. An diesem durchaus feucht-fröhlichen Abend, wie Lisas Bruder Florian beiläufig erwähnt, entwickelten sie ein Konzept: „Wer ist dabei, wer holt den Baum, wer fährt den Traktor, wie bekommen wir den Stamm nach oben – das war schnell geklärt“, so Lisa Mai.

Frauenpower-Sextett ab in den Wald

Am Morgen danach via Whatsapp-Gruppe noch einmal ein Nachhaken: „Bleibt es dabei? Es blieb. Und so machte sich ein Frauenpower-Sextett auf den Weg in den Maihof’schen Wald, suchte einen geeigneten Stamm aus und sägte diesen ab. Vorschriftsmäßig, fachmännisch – oder sollte man besser fachfraulich sagen? – und ausgestattet mit richtigen Ausrüstung für Waldarbeiten dieser Art. Das gute Stück transportierten sie dann ganz traditionell per Bulldogg ins Dort – und waren erst einmal ziemlich geschafft, sagt Lisa Mai. Denn mit dem Fällen des Baumes war es ja nicht getan. Er musste entastet und schließlich auch noch geschmückt werden. Inklusive eines frisch gebundenen Kranzes, wie sich das für einen anständigen Maibaum gehört. Eine eigene Spitze, wie sonst oft üblich, mussten sie dem Stamm nicht aussetzen, „die haben wir einfach dran gelassen beim Entasten“.

Junggesellinnenabschied zur Unterstützung

Doch dann war da noch das Hauptproblem: das Aufstellen. Nun kam Kollege Zufall zu Hilfe. Saß doch im voll besetzten Biergarten des Maihofs eine gute gelaunte Damenrunde, die mit der Feier eines Junggesellinnenabschieds beschäftigt war. Die erklärte sich spontan bereit, an dem Kraftakt mitzuwirken. Und so kamen denn am Ende so um die 20 Vertreterinnen des gerne zitierten schwachen Geschlechts zusammen, um Stärke zu demonstrieren.

Leitern statt Schwalben

Damit war zwar das personelle Problem gelöst, noch nicht aber das technische. Denn wie gesagt: Bei den an sich für diesen Anlass verwendeten Schwalben herrschte Fehlanzeige. Also war Kreativität gefragt. Die legte die Dorfweiblichkeit denn auch an den Tag – und organisierte Leitern unterschiedlicher Länge als Ersatz. Wenig später stand der Maibaum, dekoriert mit einem Schleier der Braut, die da ihr Adieu als Junggesellin sprach.

Auch der Burder ist stolz

Und wie reagierten die Burschen, denen da gezeigt wurde, wo der Maibaum wächst? „Neidisch waren sie, die Mannsbilder“, sagt Lisa Mai. Und, klar, ein paar ironische Bemerkungen gab es schon auch. Was aber nichts daran änderte: „Wir waren richtig stolz auf das, was wir geschafften hatten.“ Und, ja schon, er sei schon „auch ein bisschen stolz“ auf die Schwester, so Florian Mai. Weil das schon eine beachtliche Leistung gewesen sei.

Schon ein bisschen Risiko dabei

Wenn auch mit einem nicht unerheblichen Gefahrenmoment: „Mit den Leitern hätte der Stamm viel schneller zur Seite wegkippen können, mit den Schwalben lässt sich das ganz anders stabilisieren.“ Deswegen hätten sie ja bewusst einen Baum mit „nur“ 15 Meter Länge gewählt, kontert Lisa – „sonst wäre das wirklich zu riskant geworden. Aber so hatten wir alles im Griff“. Schließlich sei der Durchmesser des Baumes ja viel geringer als beim einem längeren „Stangerl“, „da merkst du jeden Meter“.

Springen 2018 wieder die Männer ein?

So sind jetzt alle glücklich und zufrieden mit dem Köttweinsdorfer „Frauen-Baum“. Auch wenn er neun Meter kürzer ist als der der männlichen Kollegen vom Vorjahr. Er steht mindestens bis zum Winter. Ist er dann noch nicht morsch, bleibt er bis zum Mai 2018. Und bis dahin dürften wohl auch neue Schwalben gefertigt sein, vermutet Lisa Mai. Und lächelt. Wie ihr Vater Bernhard. Der sagt zwar wenig zu dem Ganzen. Aber wie bei Bruder Florian ist auch bei ihm jede Menge Stolz spürbar…

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