Macht’s noch einmal, Tigers

„Diese Auswärtspartie wird noch ein ganzes Stück schwerer. Wir müssen erneut an unsere Grenzen gehen“, sagt EHC-Trainer Sergej Waßmiller. „Und das werden wir tun, wir wollen in Garmisch alles klar machen.“ Mit der Leistung seiner Mannschaft im ersten Duell war er zufrieden. Sie überzeugte am Dienstag vor allem in folgenden Punkten und will diese Tugenden erneut an den Tag legen.

Mannschaftliche Geschlossenheit: Die Bayreuther traten sehr kompakt auf. Jeder Spieler war bereit, lange Wege zu gehen. Unterlief einem Spieler ein Fehler, war meist ein Mannschaftskollege zur Stelle, um diesen auszubügeln. Ein probates Mittel gegen die technisch versierten Riesserseer Stürmer um Andreas Driendl, Roope Ranta und Louke Oakley. Zudem zeigten die Tigers in der Offensive wie gut die Laufwege mittlerweile einstudiert sind. Einige Spielzüge, darunter die Entstehung des dritten und vierten Treffers, waren zum Zungeschnalzen. Gerade die Reihe mit Ivan Kolozvary, Michal Bartosch und dem bärenstarken Andreas Geigenmüller riss immer wieder Löcher in die SCR-Abwehr.

Körperbetontes Spiel: Einer spielstarken Mannschaft wie dem SCR kann man mit körperbetontem Spiel den Schneid abkaufen. Das haben die Bayreuther unter Beweis gestellt. Die nötige Physis bringen fast alle Bayreuther Abwehrspieler mit, und auch im Sturm scheuen Spieler wie Sergej Stas, Michal Bartosch, David Wohlberg oder Sebastian Busch keinen Zweikampf. Nur fair müssen die Abwehraktionen und Checks sein. In diesem Punkt fand der EHC einen guten Mittelweg: Die vier Zweiminutenstrafen (eine davon wegen Spielverzögerung) sind für ein Playoff-Spiel völlig in Ordnung. „Das wird auch in Garmisch ein Schlüssel zum Erfolg sein“, sagt Waßmiller. „Wir müssen unser Spiel diszipliniert durchziehen und von der Strafbank wegbleiben.“

Torhüterposition: Tomas Vosvrda ist in einer Überform – erneut war er ein nahezu unüberwindbares Hindernis. Er gewann klar das Duell mit seinem Gegenüber Matthias Nemec. Zwar machte der SCR-Schlussmann keine gravierenden Fehler, doch Vosvrda entschärfte eindeutig mehr Großchancen. Zudem hatte der Bayreuther die wacheren Vorderleute, die mit viel Einsatz Nachschüsse verhinderten. Vor Nemec war das „Aufräumkommando“ nicht immer so reaktionsschnell.

Spezialteams: Zwei von drei Überzahlspielen nutzte der EHC beim 5:1 für einen Treffer. Eine starke Quote in der ansonsten eher schwachen Disziplin. Hervorragend war das Abwehrverhalten in Unterzahl. Die Bayreuther ließen dem schwächsten Powerplayteam der DEL2 keine Chance, seine Quote zu verbessern. Wenn dann kurz nach schadlos überstandener 3:5-Unterzahl noch der zweite Shorthander der Saison gelingt, dann war das Unterzahlverhalten ziemlich perfekt.

Führungstreffer: Die bisher fünf absolvierten Partien zwischen Tigers und SCR haben gezeigt, wie wichtig der Führungstreffer ist. Es gewann immer die Mannschaft, die das 1:0 erzielt hatte. „Diese Statistik kann auch Zufall sein“, sagt Waßmiller. „In diesen engen Duellen ist auch jede der beiden Mannschaften in der Lage, eine Partie zu drehen.“ Doch über eine weitere 1:0-Führung seines Teams würde er sich am Freitag dennoch freuen: „Unserer Auswärtsspielweise und -taktik käme das schon entgegen.“

SC Riessersee ohne Beck

Dass der EHC Bayreuth die Dienstagspartie verdient gewann, erkannte SCR-Trainer Tim Regan neidlos an. Doch benachteiligt fühlten sich die Riesserseer dennoch: Ein Check von Stas und die Schiedsrichterleistung waren für sie entscheidende Nackenschläge beim 1:5.

Schiedsrichterleistung: Hauptschiedsrichter Jens Steinecke war am Dienstag nicht fehlerlos. Einiges ließ er großzügig durchgehen, anderes pfiff er kleinlich – und das auf beiden Seiten. Die Riesserseer ärgerte vor allem die Zeitstrafe gegen Driendl (Beinstellen) – er hatte seinen Gegenspieler nicht berührt –, sieben Sekunden später fiel das 2:0. Das wurmte Regan, er erklärte aber: „Wir müssen mit den Entscheidungen leben,und wir haben das Spiel sicher nicht wegen der Schiedsrichter verloren.“ Bei dieser Aussage hatte er wohl im Hinterkopf, dass auch seine Mannschaft von Fehlentscheidungen profitierte. Als Ranta den am Boden liegenden Wohlberg malträtierte, wäre eine große Strafe ein Muss gewesen. Der Finne kam mit vier Strafminuten glimpflich davon.

Verletzung nach Check: Den größten Aufreger aus Sicht der Garmischer gab es schon nach etwa 30 Sekunden. Nach einem Check von Stas musste Mattias Beck mit einer Knieverletzung vom Eis. Der Schwede wird am Freitag nicht zum Einsatz kommen und ist nach fünf Langzeitverletzten, darunter Leistungsträger wie Jared Gomes, Julian Eichinger und Tobias Draxinger, der sechste Ausfall. „Drei der Verletzungen sind in Spielen gegen Bayreuth passiert. Ich hoffe nicht, dass das die Tendenz von Bayreuth ist“, sagt Regan und äußert damit unterschwellig Kritik an der EHC-Spielweise. Doch die Bayreuther sind in der DEL2 nicht als „überharte Holzhackertruppe“ verschrien. Waßmiller kann die Kritik nicht nachvollziehen: „Das war ein absolut fairer Check von Stas. Die Verletzung von Beck – ich wünsche ihm alles Gute – war dann unglücklich. Aber wir spielen Eishockey und das ist eben eine Kontaktsportart.“ Während Waßmiller am Freitag außer Michael Kuhn – er verletzte sich übrigens auch nach einem Check in einem Spiel gegen Riessersee – seinen besten Kader ins Rennen schicken kann, muss Regan bei der Zusammenstellung der Blöcke erneut improvisieren. Vier Sturmreihen wird er wohl nicht bilden können.

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