Luisenburg: Volksstück im besten Sinne

Der Bürgermeister von Mauth kann nicht mehr anders. Er muss sein Wort halten, auch wenn er – ganz Politiker - versucht, sich herauszuwinden. „Nimmer b’sinna“ könne er sich auf sein Versprechen. Doch vereint erinnern ihn die fahrenden Musikanten und die reichen Bauern an seinen Schwur: „Eher steht eine Orgel in unserer Kirche, als dass der Ambros meine Tochter heiratet.“

Die Orgel ist da, alle haben ihren mächtigen Klang gehört. „Dann muss i halt ja sagen“, brummelt der Bürgermeister. Und hoch oben in den Felsen fallen einander Ambros Flohreiter und Getrud Zirngibl in die Arme.

Glückliches Ende nach zwei kurzweiligen Theaterstunden bei der Eröffnungspremiere der Luisenburg-Festspiele. Steffi Kammermeier hat „Die Pfingstorgel“ von Alois Johannes Lippl bildersatt inszeniert, hat den achtzig Jahre alten Text entschlackt, die Szenen rasant aneinander gereiht und ein spritziges, witziges und mitreißendes Stück Volkstheater geschaffen. Das Publikum dankt es ihr jubelnd.

Ein Bild von einer Bühne

Kammermeier nutzt die gesamte Riesenbühne. Ein Fest für die Augen sind die Szenen, in denen sie ihr 55-köpfiges Ensemble zwischen Felsen und Fichten verteilt. Die Hochzeitsgesellschaft am Anfang, das Treffen des fahrenden Volks im von Fackeln erleuchteten Wald, das quirlig-bunte Markttreiben zu Niederndorf: Man wird als Zuschauer hineingesogen in diese Zeit.

Mitverantwortlich für das Monumentalgemälde: Eva Praxmarer und Peter Engel. Die Kostümbildnerin hat detailverliebt Trachten nachgeschneidert und aufgepeppt. Und der Bühnenbildner hat zwei Dutzend kleine Häuschen in die Felsenwelt gewürfelt, die den Szenen Tiefe geben – und meist multifunktional nutzbar sind.

So haben im Gemeinderat von Mauth die Großbauern einen Sitz. Engel nimmt das wörtlich: Die Räte lassen sich zur Sitzung auf ihren Häuschen nieder und nehmen sie dann wieder mit. Die Eigessenen halt. Nur einer bleibt stehen, ein stattliches Gebäude als Sessel mit Armlehnen.

Dort thront der vermögende Bauer: Berthold Kellner als Ökonom mit Anfällen von Begriffsstutzigkeit. Es muss ihn schon seine alte Mutter (knorrig und knarzig; Veronika von Quast) darauf bringen, dass der Sohn seines wiedergefundenen Bruders der Erbe werden könnte, den er selbst nicht hat. Durch Ambros’ Heirat mit Gertrud kämen dann die Zirngiblschen Ländereien hinzu. Bauer Flohreiter rechnet die Sache durch – und befürwortet fürderhin die Verbindung.

Romeo und Julia im Gäuboden

Hier die fahrenden Musikanten, lockere Typen, dort die Mauther Bauern, die wegen ihres Geizes im ganzen Gäu verlacht werden – nicht einmal eine Orgel für ihre Kirche wollen sie sich leisten. Dass ausgerechnet die Jüngsten der ungleichen Lager sich ineinander verlieben, hat etwas von „Romeo und Julia“.

Mira Huber spielt die Bürgermeister-Tochter als selbstbewusste junge Frau, resolut entschlossen ist, ihr Glück in die Hand zu nehmen. Ihr Ambros ist bei Thomas Unger ein zwischen Zögerlichkeit und Draufgängertum schwankender Bursche.

Dann die Väter: Bartholomäus Flohreiter, bei Michael Vogtmann ein aufrechter Musikanten-Chef von aristokratischer Würde, hat die Weite der Landstraße zur Heimat gewählt. Bürgermeister Nikolaus Zirngibl ist bodenständig und stets auf seins bedacht. Norbert Heckner spielt diesen Geizkragen mit Starrsinn und dünner Haut.

Starke Musik

Dafür, dass das alles zusammenpasst, sorgt die Musik, die Florian Burgmayr (im Stück der Tuba-Spieler Flori) für die Luisenburg komponiert hat. Erstmals bei einer „Pfingstorgel“-Inszenierung sind alle Musikanten-Darsteller (darunter der schlagfertige Norbert Neugirg als Trompeter Blechinger) tatsächlich Musiker – was sie auch zeigen dürfen.

Einzig der altbairische Dialekt erfordert von fränkischen Ohren Aufmerksamkeit.

Die Weite des Gäubodens in Niederbayern allerdings konnte man auf der Luisenburg dann doch nicht spüren. Die Theater-Tektonik musste den Schauplatz dramatisch in die Höhe falten.

Am Ende siegen die Liebe über den Geiz und der Zusammenhalt über die Zwietracht. Alois Johannes Lippl wäre zufrieden gewesen.

INFO: Die Luisenburg-Festspiele zeigen „Die Pfingstorgel“ noch 16 Mal bis zum 6. August. Die nächsten Vorstellungen: Freitag, 30. Juni, 20.30 Uhr; Samstag, 1. Juli, 15 Uhr.

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Kommentare

des is/war holt Lerchenberg!!! Vom FEINSTEN/BESTEN...kommt nix besser's nach?
Eine Frage noch! Warum hassen die Ofr. Stücke aus Ober-Nierderbayern oder der
Oberpfalz?" Wir aus Mehlmeisel/Fleckl/Oberwarmensteinach und Fichtelberg, mit
den Ortsteilen versehen es (Dialekt) SEHR gut. Besser als den Ofr.-Dialekt...
Viel interessanter wäre endlich eine Antwort auf die Frage, warum "Vox13" "die Franken" nicht leiden mag. Und noch eine Anmerkung: "Den" oberfränkischen Dialekt gibt es nicht.
Und noch etwas zum Thema Verständlichkeit der Dialekte: Ein mir nahe stehender Oberbayer und Bergwachtler war vor ein paar Jahren mal "dienstlich" im von Ihnen erwähnten Mehlmeisel und hat mir berichtet, dass er die Leute dort wegen ihres Dialektes kaum verstanden hat. Mit "Oberfränkisch" hat er dieses Problem nach eigenem Bekunden aber nicht.
Ich meine, wir Oberfranken haben in der Zeit Lerchenbergs eindeutig bewiesen, dass wir keine Vorurteile gegenüber altbayerischen Theaterstücke haben, vom Hass ganz zu schweigen.
...da habe ich mich falsch ausgedrückt...Tut mir leid...Ehrlich!
Angenommen! :-)