LSG Bayreuth: Vizetitel ist noch drin

Das Wetter schlug Kapriolen: Waren am Samstag die Vereine im Süden der Republik bevorzugt, so sollte es am Sonntag der Norden besser haben. Bayreuth lag genau an dieser Wettergrenze. Beeinflusste am Samstag schon die anziehende Front die Thermik und machte Streckensegelflüge in Oberfranken unmöglich, lagen tags darauf noch die Reste der Front über der Region. Deshalb setzten die Piloten alles auf eine Karte und starteten ausnahmslos nach Norden.

Alexander Müller legte als Erster los, konnte aber erst bei Suhl den bodennahen Bereich verlassen. Die thermischen Bedingungen wurden nach Norden zu immer besser, deshalb wendete Müller erst nördlich von Göttingen und setzte seinen Flug dann mit dem Westwind fliegend über den Harz und südlich an Berlin vorbei bis an die polnische Grenze fort. Selten wird diese Route von Bayreuth aus gewählt, aber diesmal war die Streckenwahl goldrichtig. Mit 122,6 km/h erzielte Müller den drittschnellsten Flug der 17. Bundesligarunde.

Lothar Schmidt wählte eine eher altbewährte Routenführung, indem er den Thüringer Wald mehrfach hin- und herflog. Zum späten Nachmittag bildete sich zwischen Kronach und Eisenach eine einzige lange Wolke, die lange kreislose Strecken zuließ. Mit 100,6 km/h erzielte Schmidt die zweitbeste Bayreuther Rundenleistung.

Die Mannschaft vervollständigte diesmal Wolfgang Clas mit 94,9 km/h. Er folgte zunächst Müller bis in den Harz, hatte aber dann mehrfach Probleme, weil er dem Boden zu nahe kam und schwache Aufwinde annehmen musste. Daraufhin beschloss Clas, direkt zurück nach Bayreuth zu fliegen. Vier weitere Piloten versuchten zum Teil ähnliche Streckenführungen, hatten aber weniger Erfolg. Die Summe der Flüge von Müller, Schmidt und Clas erbrachte 318,2 km/h und festigte Rang drei.

Tabellenführer LSR Aalen holte sich mit Rundenplatz sieben den Meistertitel. Bei noch 40 erreichbaren Punkten reichen die 248 Punkte vor SFG Donauwörth mit 202 Zählern. Aalen auf Rundenplatz sieben, Bayreuth auf acht, der Tabellenzweite Donauwörth auf Rang neun – das Ergebnis hatte etwas von einem toten Rennen. Aber die Verfolger auf Tabellenplatz vier und fünf verloren trotz aller Bemühungen stark an Punkten. Das SFZ Königsdorf hat nun 20 Punkte Rückstand auf Bayreuth, und die SFG Donauwörth muss nun aufpassen, dass Bayreuth mit nun 190 Punkten nicht noch vorbei zieht. Rundensieger wurde der potenzielle Absteiger Aeroclub Pirna mit 362,3 km/h, gefolgt von drei weiteren Abstiegskandidaten (Celle, Berlin und Brandenburg).

Interessant fällt auch der Blick in die zweite Liga aus. Dort konnte sich die LSG Schwandorf schon zwei Runden vor dem Saisonende über den gelungenen Wiederaufstieg freuen. Auch der Aero-Club Lichtenfels auf Tabellenplatz zwei ist kaum mehr am Aufstieg zu hindern.

Für die Weltliga steuerte der Bayreuther Heiko Hertrich wieder einen hervorragenden Flug in den französischen Seealpen bei. 125,1 km/h stellen den weltweit zweitschnellsten Flug der Runde dar. Hertrich war bei diesem Flug insgesamt 925,1 km zwischen Mittelmeer und dem italienischen Aosta-Tal unterwegs – einer seiner größten Flüge überhaupt.

Zusammen mit den Flügen von Müller und Schmidt reichen die 348,4 km/h für einen vierten Rundenplatz weltweit. Damit gelang es der LSG Bayreuth, den amerikanischen Minden Soaring Club (Nevada) zu überholen. Die Oberfranken stehen damit nun auf dem vierten Tabellenplatz der World League. Aalen führt auch hier mit 451 Punkten die Tabelle an, kann aber theoretisch noch von Moriarty Soaring (New Mexico) mit 405 Punkten eingeholt werden, da es 40 Punkte für einen Rundensieg in der World-League gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber bei der hohen Motivation der Aalener gering. Spannend wird es bei Kampf um Platz drei: Die Soaring Society of Boulder (Colorado) hat 329 Punkte, Bayreuth folgt mit 326.

Nicht bewertet

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