Los Angeles: Run auf die Oscars

Endspurt für Maren Ade: Nicht mal für die eigene Party im sonnigen Garten der Villa Aurora - mit Blick auf den Pazifik - ist Zeit. Einen Tag vor der Oscar-Verleihung muss Ade am Samstag (Ortszeit) schnell an den Strand in Santa Monica, dort werden in einem Festzelt die Independent Spirit Awards verliehen. «Toni Erdmann» bringt der 40-jährigen Regisseurin eine weitere Trophäe ein.

Zuvor ist sie Ehrengast in dem edlen Samuel Goldwyn Theater der Oscar-Akademie. Hier stellen die für den Auslands-Oscar nominierten Regisseure ihre Filme vor. Großer Applaus auch für «Toni Erdmann». Ihr eigener Vater, der gerne mal mit falschen Zähnen rumalberte, hätte sie zu der schrägen Toni-Figur inspiriert, verrät sie den geladenen Gästen.

Schon lange waren die Oscars vermutlich nicht mehr so politisch

Es geht auch um Politik. Ade und ihre Kollegen haben ein Statement veröffentlicht, in dem sie «das Klima von Fanatismus und Nationalismus» in den USA und anderen Ländern verurteilen. Soll man auf der Oscar-Bühne protestieren? «Ich finde es schon gut, wenn man die Redezeit nutzt», sagt Ade der Deutschen Presse-Agentur. Meryl Streep habe das bei den Golden Globes großartig gemacht. Und sie selbst? «Ich habe keine flammende Dankesrede vorbereitet», räumt Ade 24 Stunden vor der Oscar-Verleihung ein.

Auch beim traditionellen Empfang für die deutschen Oscar-Anwärter in der historischen Villa Aurora, wo einst der Schriftsteller Lion Feuchtwanger wohnte, läuft man sich für die Oscar-Nacht warm. «Ich bin gestern erst angekommen und versuche mich gerade noch zurechtzufinden», bekennt «Toni Erdmann»-Star Sandra Hüller, im knalligen pinken Outfit. «Ich bin einfach sehr gespannt, wie das bei den Oscars funktioniert.» «Wir können morgen gar nicht mehr verlieren», flachst ihr Leinwand-Vater Peter Simonischek. Es unter die fünf Nominierten zu schaffen, sei schon die viel größere Leistung gewesen, meint der Österreicher.

Syrerin konnte ohne Probleme in USA einreisen

Der Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen ist «überglücklich», dass die Syrerin Hala Kamil mit ihrem Flüchtlingspass aus Deutschland ohne Probleme in die USA einreisen konnte. Er habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, das deutsche Konsulat in Los Angeles half mit. Bis zuletzt sorgte sich das Team, dass die Washingtoner Einreiseverschärfungen ihre Pläne durchkreuzen könnten. Die vierfache Mutter, ist die zentrale Figur in der Flüchtlings-Doku «Watani: My Homeland».

Am Sonntag laufen sie gemeinsam über den roten Teppich, selbstverständlich trägt sie ein Kopftuch, erklärt die gläubige Muslimin. Ihr größter Oscar-Wunsch? «Ich würde liebend gerne Angelina Jolie treffen», meint Hala. «Sie ist eine sehr gute Frau, sie hat syrische Flüchtlingslager in der Türkei besucht, sie setzt sich für uns ein».

Düsseldorfer komponierte Soundtrack zu "Lion"

Auch Volker Bertelmann, mit dem Künstlernamen Hauschka, ist im Oscar-Fieber. «Ich bin jetzt aufgeregt», gesteht der Düsseldorfer Musiker, der den Soundtrack für das Drama «Lion» komponierte. Kein Wunder: nach Begegnungen mit Musikgrößen wie Justin Timberlake und Quincy Jones sollte er am Samstag noch einen «goldenen Dirigentenstab» verliehen bekommen. Auf den letzten Drücker würden auch noch seine Frau und die 19-jährigen Zwillingstöchter zur Oscar-Verleihung einfliegen, erzählt der 50-Jährige.

Nur um das Outfit für den roten Teppich muss sich Bertelmann nicht mehr sorgen. «Ich ziehe einen blauen Smoking an, den habe ich mir für die Oscars extra neu gekauft.» Auch Maren Ade hat die Kleiderwahl schon getroffen. «Ich bleib beim Anzug», verrät sie der dpa. «Ich habe kein einziges Mal etwas anderes angehabt, als einen Anzug. Aber der für die Oscars ist wirklich richtig schön.» 

dpa

Die wichtigsten Nominierungen:

Bester Film:

Arrival, Fences, Hacksaw Ridge, Hell or High Water, Hidden Figures, La La Land, Lion, Manchester by the Sea, Moonlight

Bester Hauptdarsteller:

Casey Affleck (Manchester by the Sea), Andrew Garfield (Hacksaw Ridge), Ryan Gosling (La La Land), Viggo Mortensen (Captain Fantastic), Denzel Washington (Fences)

Beste Hauptdarstellerin:

Isabelle Huppert (Elle), Ruth Negga (Loving), Natalie Portman (Jackie), Emma Stone (La La Land), Meryl Streep (Florence Foster Jenkins)

Beste männliche Nebenrolle:

Mahershala Ali (Moonlight), Jeff Bridges (Hell or High Water), Lucas Hedges (Manchester by the Sea), Dev Patel (Lion), Michael Shannon (Nocturnal Animals)

Beste weibliche Nebenrolle:

Viola Davis (Fences), Naomie Harris (Moonlight), Nicole Kidman (Lion), Octavia Spencer (Hidden Figures), Michelle Williams (Manchester by the Sea)

Bester animierter Film:

Kubo and the two Strings, Moana, My Life as a Zucchini, The Red Turtle, Zootopia

Bestes Szenenbild:

Arrival, La La Land, Lion, Moonlight, Silence

Kostümdesign:

Allied, Fantastic Beasts and Where to Find Them, Florence Foster Jenkins, Jackie, La La Land

Beste Regie:

Arrival, Hacksaw Ridge, La La Land, Manchester by the Sea, Moonlight

Bester Dokumentarfilm:

Fire at Sea, I Am Not Your Negro; Life, Animated; O.J.: Made in America; 13th

Bester Kurz-Dokumentarfilm:

Extremis, 4.1 Miles, Joe’s Violin, Watani: My Homeland, The White Helmets

Bester Schnitt:

Arrival, Hacksaw Ridge, Hell or High Water, La La Land, Moonlight

Bester ausländischer Film:

Land of Mine, A Man Called Ove, The Salesman, Tanna, Toni Erdmann

Bestes Make-up:

A Man Called Ove, Star Trek Beyond, Suicide Squad

Beste Musik:

Jackie, La La Land, Lion, Moonlight, Passengers

Bester Original-Song:

"Audition (The Fools Who Dream)" from La La Land

Music by Justin Hurwitz; Lyric by Benj Pasek and Justin Paul

"Can’t Stop The Feeling" from Trolls

Music and Lyric by Justin Timberlake, Max Martin and Karl Johan Schuster

"City Of Stars" from La La Land

Music by Justin Hurwitz; Lyric by Benj Pasek and Justin Paul

"The Empty Chair" from Jim: The James Foley Story

Music and Lyric by J. Ralph and Sting

"How Far I’ll Go" from Moana

Music and Lyric by Lin-Manuel Miranda

Bestes Drehbuch:

Arrival, Fences, Hidden Figures, Lion, Moonlight

Nicht bewertet

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