Lisa Wirth startet bei Berglauf-WM

Sie trainiert zurzeit fleißig. Fünf- bis sechsmal in der Woche. Immer zwischen einer und zwei Stunden. In einer Stunde spult sie auch locker ihre 13 Kilometer ab. Manche fangen alleine bei dem Gedanken daran an zu schwitzen und nach Luft zu schnappen. Sie studiert in Erlangen Wirtschaft und natürlich, wie könnte es auch anders sein, Sport.

Angefangen mit neun Jahren

Angefangen mit dem Laufen hatte sie bereits mit neun Jahren. Ihr Vater Reinhard hatte sie zum Straßenlauf mitgenommen. Sie lacht: „Ich bin da einfach nur so hinterher gelaufen. Aber ich hatte da schon gemerkt dass es gut läuft.“ Es sei eine „Initialzündung“ gewesen. Die Begeisterung für diesen Sport wurde damals schon geweckt.

Richtig angefangen, im Verein, hat sie schließlich mit 14 Jahren. Beim TSV Ebermannstadt, wo auch die Aufbauarbeit stattfand. Drei Jahre später wechselte Wirth schließlich zum LAC Quelle Fürth. „Der Grund war, dass man dort im Team bei Wettkämpfen starten konnte. Das ging beim Verein in Ebermannstadt nicht.“

Kauffrau für Bürokommunikation

Von 2009 bis 2012 hat sie eine Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation gemacht. In dieser Zeit war es eher mau mit dem Training. „Ich bin jeden Tag früh von Betzenstein nach Nürnberg gefahren und abends wieder zurück gekommen. Es war wirklich sehr schwer, dann noch zu trainieren. Das hat einfach sehr an den Kräften gezehrt“, sagt sie.

Hervorragende Ergebnisse

Umso besser spielte ihr das Studium schließlich in die Karten. Als sie 2012 damit begonnen hat, hatte sie auch wieder mehr Zeit. Für ihr Hobby, dass es zwar immer noch ist, aber das inzwischen dennoch Disziplin und harte Arbeit erfordert. Besonders wenn man es geschafft hat, sich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Um überhaupt in diesen erlauchten Kreis zu kommen (für Deutschland nehmen neben ihr nur noch ihre Kollegin Gesa Bohn und Joseph Katib, der 2015 Deutscher Berglaufmeister war, teil), braucht es Leistung. Und die kann Lisa Wirth vorweisen.

Sie hatte 2008 mit 17 Jahren bei den Deutschen Meisterschaften den 8. Platz über 1500 Meter gemacht, im gleichen Jahr war sie Bayerische Meisterin über 3000 Meter. Ein Jahr später war sie wieder Bayerische Meisterin über 3000 Meter und machte bei den Deutschen Meisterschaften den 6. Platz über 2000 Meter beim Hindernislauf.

Sie war Deutscher Hochschulvizemeister im Crosslauf mit dem Team. 2016 hat sie bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften am Tegelberg bei Schwangau über acht Kilometer den 6. Platz gemacht. 2017 war Wirth bayerische Hochschulmeisterin im Team über zehn Kilometer, hat an den Cross Europameisterschaften in Portugal teilgenommen, hat bei den deutschen Berglaufmeisterschaften am Großen Arber den vierten Platz belegt und ist im Team deutscher Berglaufmeister.

Die Liste könnte noch weiter fort geführt werden und es wurden schon einige Artikel über sie geschrieben. All diese Erfolge haben sich jetzt, überraschend wie sie sagt, bezahlt gemacht: Die Nominierung für die Weltmeisterschaft in die deutsche Mannschaft.

„Ach. Mir macht das einfach nur Spaß. Und gerade in der Fränkischen Schweiz kann ich Berglauf sehr sehr gut trainieren. Es geht ja immer schön bergauf-bergab. Das ist etwas völlig anderes als auf einer ebenen Strecke zu laufen“, erklärt Wirth.

Bei der 33. Berglauf-Weltmeisterschaft in Italien müssen 860 Höhenmeter nach oben und 860 Höhenmeter nach unten (und das zweimal) zurückgelegt werden. Muss man dafür dann auch, wie es Fußballer etwa machen, vorher in dieser Höhe trainieren, um sich an die dünnere Luft zu gewöhnen? „Hm. Ich hab da keine Ahnung. Vielleicht wäre das schon von Vorteil. Es kann schon sein, dass das einige machen. Aber ich hab da sowieso keine Zeit dafür.“

Bekleidung mit dem Emblem der deutschen Mannschaft

Lisa Wirth nimmt es entspannt und freut sich einfach über die Möglichkeit als eine der drei Deutschen Protagonisten dabei zu sein. Gibt es eine bestimmte Diät, wie es etwa Kraftsportler vor Wettkämpfen machen? „Nö. Natürlich schaue ich schon darauf was ich esse. Aber das mache ich nicht wegen dem Sport. Das mache ich grundsätzlich. Und so ein Stück Torte ist schon was Leckeres“, schmunzelt sie.

Die Haare sind inzwischen getrocknet und Wirth zeigt einen Koffer, der ihr zugeschickt worden ist – mit der Aufschrift „Deutschland“. Es ist genügend Bekleidung mit dem Emblem der deutschen Mannschaft darin. Eines passt allerdings nicht. Eben das Laufshirt. Es ist eine Nummer zu klein. „Ich hab das wieder zurückgeschickt. Ich brauche das einer Nummer größer.“

Aufgeregt auf den richtig großen Tag, als eine der drei deutschen Teilnehmer? „Bis jetzt noch nicht. Aber das kann sich natürlich noch ändern. Wenn ich am Flughafen sitze. Wenn ich in Italien ankomme. Wenn ich schließlich am Start stehe und die anderen neben mir sehe. Das kann dann schon sein.“ Will jemand Lisa Wirth unterstützen? Dann am 30. Juli die Daumen drücken!

Nicht bewertet

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