Leuschner-Gedenkstätte vor dem Aus?

Der Förderverein habe gehofft, dass die Oberfrankenstiftung in Bayreuth das neue Projekt „Regionalarchiv der Gewerkschaften“ unterstützen werde, schreiben die Fördervereins-Vorsitzende Katharina Dötterl und ihre Stellvertreterin Inge Berghammer. Doch ohne Grund sei der Antrag der Stiftung abgelehnt worden. Damit einher gehe auch die Ablehnung des Kulturfonds Bayern.

Stifter zahlen Gehälter

Seit mehreren Monaten bezahle die Stifterfamilie Hasibether die Gehälter der Stiftungsmitarbeiter. „Sollte nicht endlich ein Wunder geschehen, wird dieses Jahr das letzte der Stiftung sein“, machen Dötterl und Berghammer deutlich. Die geplanten Veranstaltungen in diesem Jahr würden noch über die Bühne gebracht, dann werde die langjährige Arbeit aufgegeben. In den vergangenen 15 Jahren habe der Förderverein die Stiftungsarbeit mit insgesamt rund 90 000 Euro unterstützt.

Gutachter sagt nein

Die Vorsitzende der Oberfrankenstiftung, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, bekräftigt in einem Brief an die Leuschner-Stiftung, dass für das geplante „Regionalarchiv zur Parteien- und Gewerkschaftsgeschichte Region Bayreuth“ eine Förderung nicht möglich sei. Die Arbeit der Stiftung werde seit mehr als zehn Jahren „in ganz erheblichem Umfang“ finanziell unterstützt. Um eine dauerhafte institutionelle Bezuschussung auszuschließen, habe der Stiftungsrat bereits 2014 beschlossen, keine weitere Förderung zu gewähren. Der Stiftungsrat habe sich bei seiner Ablehnung des aktuellen Förderantrags auf „fachliche Stellungnahmen“ bezogen, ein Gutachter habe eine Förderung nicht empfohlen.

"Nicht nachvollziehbar"

Stiftungsratsvorsitzender Wolfgang Hasibether erwidert in einem Antwortschreiben, er könne die Ablehnungsgründe „nicht nachvollziehen“. Er beziffert die Förderung durch die Oberfrankenstiftung zwischen 2004 und 2013 auf insgesamt rund 314 000 Euro. Die Stadt Bayreuth habe in den vergangenen 15 Jahren seit Bestehen der Gedenkstätte in Moritzhöfen rund 50 000 Euro Zuschuss gewährt. Hasibether beziffert die Gesamtkosten der Stiftungsarbeit seit 2002 auf insgesamt zwei Millionen Euro. Ein Viertel davon sei durch öffentliche Zuschüsse finanziert worden, drei viertel seien von den Stifterfamilien Hasibether und Höhn sowie durch Einnahmen und Spenden über den Förderverein aufgebracht worden. Er, Hasibether, habe vom Inhalt des Gutachtens keine Kenntnis bekommen, könne deshalb nicht Stellung nehmen.

Stadt hält sich bedeckt

Die Trägerin der Gedenkstätte ist die Stadt Bayreuth. Mitarbeiter der Stiftung könnten aus finanziellen Gründen ab dem 1. Januar 2018 hauptamtlich nicht mehr dort arbeiten, nur noch ehrenamtlich, kündigt er an. Bei der Stiftung sind derzeit Wolfgang Hasibether als Geschäftsführer (zehn Stunden pro Woche), eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und ein EDV-Experte (jeweils eine halbe Stelle) beschäftigt. Die Oberfrankenstiftung bestätigt, dass ein Gutachten zur Frage der aktuellen Förderung vorgelegen habe. Stellvertretende Geschäftsführerin Christine Schnörer erklärt, es würden weder der Gutachter, noch der Inhalt der Expertise mitgeteilt. Die Thematik sei im Grundsatz im Rathaus bekannt, erklärt der Pressesprecher der Stadt, Joachim Oppold. Hierzu finde in Kürze ein Gespräch mit Hasibether und Vertretern der Stadt statt. Zur Frage, wie die Stadt die entsprechende Personallücke schließen wolle und was das für die Gedenkstätte bedeutet, ob gar eine Schließung denkbar ist, sagt Oppold, im Grundsatz werde dies alles bei dem Gespräch zu thematisieren sein.

Info: Der Gewerkschafter und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Wilhelm Leuschner wurde 1890 in Bayreuth geboren. Er wurde von den Nazis am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet.

95444 Bayreuth

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Überschrift: Die Leuschner-Gedenkstätte im Leuschner-Geburtshaus ist städtisch und keineswegs vor dem Aus. Für das kleine sehr schön gestaltete "Museum" zahlt die Stadt langfristig Miete und hält es unabhängig von der Leuschner-Stiftung weiterhin am Leben. Der Eintritt ist kostenlos.

Unabhängig von den normalen Öffnungszeiten gibt es museumspädagogische Führungen u.a. für Schulklassen, die von der Leuschner-Stiftung, aber auch von der Schoko e.V. angeboten werden. Dafür erhalten beide Institutionen städtische Zuschüsse.

Stephan Müller
Montag, 13. November 2017 - 11:06