Lehrerin aus tiefster Überzeugung

So selbstverständlich war das nicht, den Kinderwunsch mit Blick auf den Traumberuf auch Wirklichkeit werden zu lassen. „Noch heute bin ich meinen Eltern dafür dankbar“, sagt Pschorn, die im September 64 wird und dann in die Freistellungsphase geht, ehe nächstes Jahr der offizielle Ruhestand wartet. Weil es für sie als Vertriebene aus dem Sudetenland schon ein finanzieller Kraftakt war, die Tochter aufs Gymnasium zu schicken und ihr dann auch noch ein Studium zu ermöglichen. An ihrem Wohnort Waischenfeld gab es kein Gymnasium. So musste sich nach Bamberg, zu den „Englischen Fräulein“. Und lebte dort im Internat. Einfach war alles nicht, sagt sie.

Heute eine ganz andere Schule

Das gilt auch für ihr Berufsleben: „Das hatte Höhen und Tiefen, wie das halt immer so ist.“ Doch unter dem Strich überwiegen die positiven Erinnerungen. Auch wenn jede Menge Flexibilität gefragt war in diesen vier Jahrzehnten, „in denen ich den Wandel des Schullebens erlebte, wir haben heute eine ganz andere Art von Schule“.

Einfach nicht mehr vergleichbar

Das beginnt schon bei den Kindern. „Die Schüler leben heute in einer Medienwelt, das ist mit früher nicht vergleichbar.“ Das geht weiter bei den Eltern, weil das traditionelle Familienbild von einst längst ad acta gelegt ist: „Heute sind halt oft beide Elternteile berufstätig, weil es nicht anders geht.“ Das sei nichts Schlechtes, „das ist nun einmal so“. Und „Gottseidank“ habe die Schule darauf reagiert. Mit offenen Ganztagesschulen, mit Nachmittagsbetreuung.

Aufs Leben vorbereiten

Da seien die Schüler „sinnvoll aufgehoben“, sagt Pschorn, die fünf Jahre lang als Grundschullehrerin tätig war, ehe sie 1980 an die Hauptschule – heute Mittelschule – wechselte. Diesen Schritt hat sie nie bereut, im Gegenteil: „Ich sah es immer als das Ziel meiner Arbeit, junge Leute aufs Leben vorzubereiten, nicht nur auf den Beruf“.

Streng, aber immer gerecht

Eine strenge Lehrerin sei sie gewesen, sagt Elisabeth Pschorn. Streng, aber immer gerecht. Kinder bräuchten nun einmal Regeln. Die müssten dann aber auch konsequent eingehalten werden. Etwas, was sie heutzutage in vielen Elternhäusern vermisst: „Da wird etwas angedroht bei einem bestimmten Fehlverhalten, aber in der Praxis dann nicht umgesetzt, das geht gar nicht.“ Probleme habe ihr diese Strenge nie bereitet. Die Schüler hätten das akzeptiert. Auch die erwähnten Konsequenzen.

"Man muss Kinder mögen in diesem Beruf"

Das habe eben mit dem Thema Gerechtigkeit zu tun. Noch mehr aber mit einer Eigenschaft, die unabdingbar sei für einen Lehrer: „Du musst Kinder mögen, du musst dich auf sie einlassen.“ Weil die Schüler das sehr wohl merken, so Pschorn, nähmen sie es eben auch hin, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn sie mal über die Stränge schlagen. Das gebe ihnen auch Sicherheit, das vermittle auch Werte - „und das hilft ihnen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden „.

Das Bild ist ein falsches

Damit hatte und hat Pschorn ein ganz persönliches Problem: Das Bild der Haupt- und Mittelschulen in der Öffentlichkeit gefällt ihr nicht. Weil es so negativ besetzt sei. Das habe natürlich auch mit der Schulpolitik ganz allgemein zu tun. Aber eben auch ganz grundsätzlich mit einer Geringschätzung, die sie nicht nachvollziehen kann. Deshalb wollte sie auch nie Schulleiterin werden: „Ich bin ein Fossil, bin vielleicht sogar die dienstälteste Konrektorin in ganz Oberfranken.“ Um eine Beförderung habe sie sich aus Überzeugung nie beworben, „ich wollte immer eine Klasse haben, wollte nicht die ganzen bürokratischen Aufgaben an der Backe haben, die mit so einer Funktion verbunden sind“.

Das hat sie nie bedauert

Bedauert hat sie diese Einstellung nie. Da spielte auch eine Portion Glück mit: „Ich habe fünf Schulleiter hier in Pottenstein erlebt, mit allen kam ich prima zurecht.“ Vor die letzten Jahre mit Karin Keller an der Spitze besonders gut verliefen, „das hat wohl auch was mit dem fraulichen Aspekt zu tun, das war einfach nur gut.“

Religiöse Erziehung fehlt oft

Künftig will sie sich verstärkt ihrer Gesundheit widmen - „darauf habe ich schon immer geachtet, auch deshalb wollte ich nie die Chefin sein“ - und ihrem Faible für das Reisen und für die Kultur. Und da ist dann doch noch etwas, das sie bedauert: „Wenn du in Europa unterwegs bist, siehst du überall, welche Bedeutung die Religion und das Christentum für unsere kulturelle Entwicklung hatten. Gerade auch in der Musik. Was wäre Bach ohne Religion.“ Und so findet sie es schade, dass religiöse Erziehung in vielen Familien kaum noch stattfindet. Auch das gehört zu dem Wandel, den sie in 40 Jahren Lehrer-Dasein miterlebt hat. Und trotzdem würde sie es noch einmal machen. Genau so.

Nicht bewertet

Anzeige