Lebenszeichen vom Reichshof

Es war still geworden ums Reichshof. Eine trügerische Ruhe, wie sich bei der Besichtigung des ehemaligen Kinos am Mittwochmorgen herausstellt. Im Foyer sind die Verkleidungen verschwunden, weiße Linien auf dem Boden zeigen an, wohin die Toilettenreäume vergrößert werden sollen. Die Betondecke wiederum ist bis auf die Armierungen aufgemeißelt: ein Wassereinbruch habe die Decke beschädigt, erklärt Axel Gottstein. "Dort werden wir eine Betonsanierung vornehmen." Damit kann die Terrasse über dem Foyer auch wieder als Fluchtweg benutzt werden. Des weiteren wird die Bühne verbreitert, von circa acht auf 14 Meter.

Es gibt weiterhin erhebliche Widerstände. Vergangenes Jahr war Streit um den Lärmschutz entbrannt. Ein Gutachter sorgte für klare Dezibelvorgaben, konnte aber nicht alle Anwohner überzeugen. Und: Die Stadt wird den Verein weiterhin nicht unterstützen, auch, um keine Konkurrenz zum Friedrichsforum aufzubauen. Also bauen die Reichshoffreunde auf "Eigenmittel, private Geldgeber und Sponsoren - Rotmaincenter und Tennet", sagt Gottstein. Mit den Eigentümern habe man sich auf einer guten Basis geeinigt, über jedes Detail: "Der Mietvertrag ist 30 Seiten stark." Da der Verein zwischen 150.000 und 200.000 Euro in die Renovierung stecke, sei die Miete "überschaubar und für uns auf jeden Fall tragbar" ausgefallen.

Schnell und schmutzig

Im Juni soll das neue alte Reichshof so weit saniert sein, dass erste Veranstaltungen stattfinden können. Nicht mit "goldenen Wasserhähnen", wie Gottstein sagt, "sondern eher quick and dirty." Schnell und schmutzig trifft's allerdings nur zum Teil. Manches der Einrichtung wie zum Beispiel die Stoffbespannung des Saals, die alten Plakate im Foyer wird bleiben und ebenso wie die Lampen im Saal aus den 60er, 70er Jahren Retro-Charme verbreiten. "Es wird halt ein bisschen kratzig hier sein", sagt Gottstein.

Was im Reichshof laufen soll, eineinhalb Jahre bevor dann auch das Friedrichsforum zur Verfügung steht? Axel Gottstein ist, nach einigen verfrühten Ansagen gewitzt, zurückhaltend. Grundsätzlich solle das Reichshof "offen für alle" sein. Ein konkretes Programm wollen er, sein Vize Dieter Löw und die anderen Reichshof-Freunde erst vorstellen, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.

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Kommentare

Tolle Nachrichten für BT!!!
So ein charmanter Ort mitten am Markt mit Kulturleben gefüllt - tolle Sache :)
Zustimmung!
Und die Bestuhlung der Stadthalle hat auch ein neues Zuhause gefunden, wie man auf dem Bild sehen kann!
Der Verein heißt aber "Bayreuth Event & Festival e.V." und NICHT "Verein Bayreuth und Festival" ...
„Die Stadt wird den Verein weiterhin nicht unterstützen, auch, um keine Konkurrenz zum Friedrichsforum aufzubauen.“
So ein Schmarrn. Die Stadt soll froh sein, daß es diesen Verein und diese Veranstaltungsstätte gibt.
Absolut!
Das ist keine Konkurrenz, sondern eine tolle Ergänzung mit ganz eigenem Stil. Zumindest dann, wenn es die Stadt nicht veegeigt, eine(n) hochkarätige(n) Kulturmanager/Intendanten(in) fürs Friedrichsforum bzw. Koordinierung und gesamtheitliches überregionales Marketing einzusetzen.
Hoffentlich ist die Konkurrenz-Angst der Stadt kein Anzeichen dafür, dass man sich da mit Mittelmaß durchzuworschteln gedenkt, dann wäre es natürlich konsequent, vor allen gut gemachten Kulturaktivitäten Angst zu haben ...
Gegeneinander ist armselig - miteinander und perfekt gemacht bringt man die Stadt voran ...
„Manches der Einrichtung wie zum Beispiel die Stoffbespannung des Saals, die alten Plakate im Foyer wird bleiben und ebenso wie die Lampen im Saal aus den 60er, 70er Jahren Retro-Charme verbreiten.“
Hoffentlich! Je mehr davon bleibt, desto besser.
Für Schicki-Micki-Aufgeblasenkeit ist das Friedrichsforum (siehe Name) zuständig.