Leben im Wohnmobil

Das Gefährt hat König nach eigenen Plänen bauen lassen, hat auch viel selber gemacht. Zurzeit stehen sie damit in Huth (Gemeinde Haag) am Sportplatz. Sie testen, ob es einem Sturm auch wirklich standhält. Auch in Pegnitz auf dem ehemaligen Baywa-Parkplatz standen sie schon zur Probe, demnächst soll es nach Bischofsgrün gehen. König will, dass wirklich alles passt, wenn sie losziehen. Immer wieder gibt es ein bisschen nachzubessern. Erst heute hat er Schrankböden eingebaut.

Bauernhaus ausgebaut

König ist Ingenieur der Werkstoffwissenschaften, hat bei Kennametal gearbeitet. Erst hat er in der Creußener Einöde Haaghaus gewohnt, dort das alte Bauernhaus ausgebaut. Dann ist er mit Frau und den beiden Kindern an den Creußener Rosenberg gezogen, hat dort das Haus hergerichtet. „2009 war ich dienstlich in Indien. Als ich zurückkam, war das Haus leer, Frau und Kinder weg“, erzählt er. Ein Jahr später kam die Scheidung und zur gleichen Zeit erhielt er die Kündigung. König hat was Neues gesucht, 91 Bewerbungen geschrieben. Aber er war zu alt.

Dieser Moment war ein Wendepunkt in seinem Leben, er wollte so nicht weitermachen, nicht mehr auf Arbeit gehen. „Ich habe vom Ersparten gelebt, die Lebensversicherung auszahlen lassen, Sammlungen verkauft“, sagt er. Dann hat er seine jetzige Lebensgefährtin kennengelernt. Irgendwann kam die Frage: Was, wenn die finanziellen Vorräte aufgebraucht sind? König wusste, er will ein Wohnmobil. Kein normales. „Das ist doch nur Wellpappe furniert“, sagt König grinsend. Er wollte ein ganz individuelles, nach seinen persönlichen Wünschen. Auch mit der Familie hatte er eines und damit die halbe Welt bereist: ganz Europa, Afrika, Asien. „Ich wollte was sehen, Menschen und Landschaft kennenlernen, außerhalb der Touristenzentren“, erklärt er. Einmal ist er 16 Wochen durch die Sahara getourt.

Auf zehn Tonnen ausgerichtet

Vor genau einem Jahr konnte er in Weimar einen Anhänger kaufen. Die Plattform für das Wohnmobil war da. Es war ein alter Kabelwagen für den Zirkus, die Händler haben ihn nach Königs Plänen gebaut, auf acht Meter Länge und ein Gewicht von zehn Tonnen ausgerichtet. Unter das Gefährt wurde noch ein Keller angeschweißt. Da sind unter anderem die Abwasserkanister, Gasflaschen und die Elektronik drin.

„Das war ein Hausbau in Minimalbauweise“, sagt König. Auf die Plattform kam ein Schindelwagen in Ständerbauweise, mit Fenstern, Türen und einem Bullauge. „Das wollte ich haben.“ Oben drauf ein Kupferdach, mit einem Kanal für die Photovoltaikanlage. König klappt den Laptop auf, er hat alles mit Bildern dokumentiert. Die Wände bestehen aus zwei Zentimeter dickem Duglasienholz, dann kommen zwei Zentimeter Durchlüftung, ein Zentimeter Birkensperrholz, zehn Zentimeter Kokosfasermatte, mit Folie eine Dampfsperre und noch mal ein Zentimeter Birkensperrholz. Alles sauber verleimt und verschraubt. Die Elektroleitungen wollte er nicht auf Putz haben und dafür extra Energiekanäle am Boden anfertigen lassen, wo die Leitungen für Wasser, Strom und Gas laufen.

Alle Schrauben sind ausgerichtet

König listet den Boden auf: Fichte, Isolierung, obendrauf Eichenbretter, mit Hartöl eingelassen. Er hat alle Maße im Kopf. Innen ist der Wagen 2,38 Meter hoch, außen vier Meter. Die Schindeln außen sind feinsäuberlich mit Messingschrauben befestigt. König deutet drauf: „Die sind alle ausgerichtet, jeder Schlitz verläuft senkrecht.“ An der Rückseite gibt es eine Terrasse, die hochgekurbelt werden kann. Die Treppe ist flexibel, wird bei Fahrten im Keller verstaut. König zeigt noch Einzelheiten am Gefährt. Da gibt es einen 750-Liter-Wassertank. Die Fenster lassen sich nach außen öffnen. „Da hab ich innen mehr Platz und kann sie bei Regen offen lassen.“ Ein befreundeter Schreiner und ein Spengler haben ihm bei Ausbau geholfen. „Das war für die auch mal was anderes“, sagt er lachend.

Ganz vorne gibt es den Schlafbereich mit Hochbett, drunter ist Platz für Schäferhund Bärle. Dann kommt der Nassbereich mit allem, was dazugehört: Minibadewanne mit Glasduschkabine, WC und Waschbecken. „Ich wollte ein ordentliches Bad haben“, sagt Lebensgefährtin Karin Trunk. Den Spiegel und die Lampen hat König aus dem Haus mitgenommen. Genauso wie den alten Schrank, der ganz hinten im Wohnbereich steht. Hier ist noch eine Marmortischplatte mit einer Sitzbank darunter. Zwischen Bad und Wohnbereich ist die Küche, alles eigens angefertigt und mit dem großen, gusseisernen Herd. Im Schlafbereich wollte er es unbedingt in Royalblau und Japanrot haben. Die Vorhänge hat Karin Trunk selber genäht.

Mit dem Gabelstapler runterheben

Bei Leipzig hat er dann einen Unimog gefunden, 36 Jahre alt. Dafür ließ er eine Hütte bauen, die mit einem Gabelstapler auf die Ladefläche und wieder runter gehoben werden kann. Hier sind der Grill, die Hundebox, Vorräte und eine Ladestation für E-Bikes drin. Die muss er aber noch anschaffen.

Den ganzen Ausbau hat König von Ersparnissen finanziert. „100 000 Euro werden wohl nicht langen“, sagt er. An Heiligabend um 17 Uhr haben sie das Haus zugesperrt und sind nach Pegnitz gefahren. Dort standen sie eine Woche. Silvester haben sie dann in Mistelgau auf einem Platz verbracht. „Ich habe mich gleich wohlgefühlt“, ist Karin Trunk begeistert. Die erste Nacht war aber doch aufregend.

Kein stressiges Leben mehr

Und warum will König nun weg? „Das große Haus war gesundheitlich nichts mehr für ihn. Der Garten, die Treppen nichts für die kaputten Knie. Und er will dieses stressige Leben nicht mehr. Er hat losgelassen, alles, was er nach dem Auszug von Frau und Kindern neu angeschafft hat, verkauft. Zu ihnen hat er keinen Kontakt mehr. Im Haus sind nur noch zwei Regulatoren, eine Standuhr und ein noch eingepackter neuer Fernseher. Im Wohnmobil haben sie nur ein kleines Modell, das sie aber selten nutzen. Sie sind viel draußen.

Noch ist seine Lebensgefährtin berufstätig. Den Hausverkauf hat er einem Makler übertragen, 325 000 Euro soll es bringen. „Und wenn das alles mal aufgebraucht ist, bekomme ich hoffentlich schon Rente“, sagt König. Und: „Es gibt in Deutschland noch so viele schöne Ecken. Ich möchte Schnee im Schwarzwald sehen und die Sonne an der Ostsee.“ König weiß, wo man in Honkong gut essen kann, war in Kuala Lumpur. Jetzt will er hier reisen. In die Städte werden sie mit den E-Bikes reinfahren und außerhalb auf einem Stellplatz stehen. Wo es genau hingehen soll – da haben sie keinen Plan. Das läuft alles spontan. König hat jetzt ein anderes Lebensmotto: „Gott schuf Zeit und davon reichlich.“ Vorher war es hektisch, das will er nicht mehr. Für ihn war es richtig erlösend, als er am Haus zum letzten Mal den Rasen gemäht und die Hecke geschnitten hat. „Wir werden 360 Tage unterwegs sein, losgelöst von Geld.“ Er will den Rhein vom Ursprung am Bodensee entlang bis zur Nordsee fahren und eine Weinfahrt auf der Mosel machen.

Beim Geschäftskollegen gemeldet

Gemeldet ist er bei einem ehemaligen Geschäftskollegen, da kommt auch seine Post hin. Wenn was Wichtiges dabei ist, sagt der ihm Bescheid. „Ich weiß, dass es gutgehen wird“, sagt König zufrieden und überzeugt. Seine Lebensgefährtin nickt bestätigend.

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Kommentare

Respekt. Wohl nicht für jedermann geeignet, aber tolle Sache. Zudem jemand, der auch mit 61 noch große Pläne hat.
Super. So stelle ich mir meinen Ruhestand vor... hoffentlich macht meine Frau das dann auch mit ;) Simplify your life... beginnt aber bereits jetzt - auf unnötiges Verzichten (lernen).
Einzig der bewusste Verstoß gegen das Meldegesetz stößt mich etwas auf. Aber das ist eine andere Geschichte.