Last-Minute-Geschenke-Tipps

Silke Scheuermann: Wovon wir lebten

Der Frankfurter Marten kommt aus einem problematischen Elternhaus. Seine Mutter säuft, seinem Vater ist alles egal, leider auch die viel jüngere Schwester, und Marten wird in jungen Jahren als Drogen-Kurier eingespannt, so lange er minderjährig ist. Da er auch viel für Sex übrig hat und schöne Frauen, gibt es auch die ein oder andere Schlägerei, und Marten wandert zwischendrin auch mal ein paar Tage in den Bau. Bei der Resozialisation trifft er Peter, der Martens Koch-Talent entdeckt. Die Beiden machen ein Restaurant auf, Marten als Underdog wird bald der neue Star der Ausgeh-Szene der Banken-Metropole. Aber dann holt ihn doch noch die Vergangenheit ein. So weit die Geschichte von Scheuermanns neuem Roman. Ziemlich klischeehaft, dann noch auf Backstein-Größe erzählt – man vermutet schlimme verfloskelte Zähigkeit eines modernen Bildungsromans. Aber nein, die Wahl-Offenbacherin, die sonst eher in der Lyrik zu Hause ist, erzählt mit Witz und Einfühlsamkeit eine Geschichte über das Erwachsen-Werden, wie sie zuletzt die Herren von der Kategorie eines Jonathan Franzen nicht mehr hinbekommen haben. Da läuft nicht nur Rhein-Main-Fans das Wasser im Mund zusammen. (Kerstin Fritzsche)

Silke Scheuermann: „Wovon wir lebten“. Schöffling & Co., 24 Euro

Volker Strübing: Kloß und Spinne

Lesende YouTuber dürfen sich freuen: Den Schwung Kloß- und Spinne-Trickfilmchen des Bayreuther Ex-Stadtschreibers Volker Strübing hat der gleichnamige Erzählband allemal. Zwischen zwei hübsch illustrierten Buchdeckeln erwartet den Leser ein auf den ersten Blick recht ereignisarmes Bouquet von Episoden aus den Leben folgender Taugenichtse: Des Theken-Misanthropen Kloß, des ewig euphorisierten Spinne, des zapfenden Weisen Norbert sowie einer Randfigur, dem schweigenden Chor des Stückes, der das schöne Adjektiv „kundenförmig“ im Sprachschatz aller Gastronomie-Arbeiter verankern könnte. In lose verknüpften Episoden wird hier auf maximal lakonische Art das Weltgeschehen verhandelt. Prophetisch hat Strübing Man-wird-ja-noch-sagen-dürfen-Dirk mit ins Eckstübchen vor die sogenannte Osttapete gesetzt. Ab und zu raunzt dieser von dort aus irgendwas mit Hitler und besteht auf dem Reinheitsgebot für Bier und Mensch.

Dieses Büchlein verleitet zum eruptiven Kichern, es ist ein prima Geschenk für traurige Zeitgenossen (denn nichts sonst, so Connaisseur Kloß am Tresen, unterscheide den Menschen vom Tier: die Fähigkeit zur Depression), zum Reformationsjahr, für heimliche AfD-Wähler. Und überhaupt ist es ein kleines, feines Stück Unterhaltung. Es erklärt, warum FKK im Osten gut lief, warum der Kauf von zehn Kilo Hackfleisch einen ethischen Akt darstellt und vieles Nützliche mehr. Dass geistreiche Buchhändler „Kloß und Spinne“ ab und zu in die Rubrik ,Politisches Buch’ einsortieren, ist zu hoffen. (Katharina Fink)

Volker Strübing: "Kloß und Spinne". Voland & Quist, 8,10 Euro

Für Neubierige: Zwei neue Bücher über Bier in Franken

Eigentlich ist schon alles gesagt über Bier hierzulande. Und am Ende hat sowieso jeder in Franken zum Gerstensaft eine eigene Meinung und einen eigenen Geschmack. Weil die Sache mit Franken und dem Bier aber eine schier unendliche Liebesgeschichte ist, haben sich in diesem Jahr erneut vier unerschrockene Hopfen-Ritter auf den Weg gemacht und in alten und neuen Brauereien und Gasthäusern todesmutig bis zur Trunkenheit erforscht, was der Franke unbedingt noch kennen muss außer dem Bier von nebenan.

Zum einen waren Anders Möhl und Elmar Tannert in wechselnder Begleitung unterwegs, um das eigentlich unmögliche Unterfangen zu bewerkstelligen, aus mehr als 300 Brauereien die besten 33 Biere herauszusuchen. Natürlich sind sie gescheitert. Aber zu den ausgewählten erzählen sie stets eine Geschichte, aus Kulturgeschichte, Kulinarik oder Lokalkolorit. Da verzeiht man als Bier liebende und lesende Frau auch so manche unnütze „überblümelige“ Ausschmückung oder Ausdrücke wie „die vollbusige Kellnerin“. Und auch das Vorwort von Matthias Egersdörfer hätte es zur Adelung nicht unbedingt gebraucht.

Martin Droschke und Norbert Krines hingegen erforschten die neue fränkische Welt der Craftbiere, jener stärker gehopften Aroma-Bomben, die so angesagt sind und dem Bier vor allem in Großstädten bei jungen Menschen zu neuem Ansehen verhelfen. Sage und schreibe 56 Orte, darunter auch altbekannte, die jetzt was Neues machen, werden in liebenswürdigen Porträts vorgestellt, zusätzlich gibt es nutzwertige Tipps für noch mehr Bieriges in Franken. Und es wird klar: In Franken war schon vieles „Craft“, also handgemacht, bevor es den Hype gab. Der Überblick macht aber Lust, auch die älteren Biere neu zu entdecken. Beide Bücher also lesenswert, bei einem Seidla sowieso. (Kerstin Fritzsche)

Anders Möhl und Elmar Tannert: „33 Biere. Eine Reise durch Franken“. Ars Vivendi, 15,90 Euro

Martin Droschke und Norbert Krines: „Craft-Beer-Führer Franken. Ars Vivendi, 16,90 Euro

Vulkan Quartett: Vojago

Der Tenor schmettert, die Geige klagt, der Bass brummt, dazwischen perlt Klaviermusik wie Champagner: Eine CD mit Salonstücken hat das Vulkano Quartett vorgelegt – mit dem in Kulmbach geborenen Hans Martin Graebner am Piano und als Arrangeur. „Vojago“ heißt das Album, und bevor Sie nun ihr Spanisch- oder Italienisch-Wörterbuch herauskramen: So lautet das Esperanto-Wort für „Reise“. Eine Reise ist denn auch dieses Album, von Leoncavallo bis hin zu Fritz Kreisler, mit italienischen Schlagerklassikern, argentinischen Tangos, napolitanischen Lieder. Eine Wundertüte mit dem Klang des Wiener Salons. Kein Hochamt der Avantgarde, aber kurzweilig und mit einer guten Laune eingespielt, die auf den Hörer abfärbt. (Michael Weiser)

Vulkan Quartett: "Vojago". Cromart Classics

Michael Lüders: Wer den Wind sät

Harte Kost in Zeiten wie diesen. Und kein bisschen weichgespülte Weihnachtsromantik. Dafür jede Menge Hintergründe, warum es soweit kam in Europa wie es jetzt ist. Michael Lüders taucht tief ein in die Problematik westlicher Politik im Orient. Kehrt zurück zu den Anfängen, zum Sturz des demokratischen iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh im Jahr 1953, wer das eingefädelt hat, und wie das alles mit den USA zusammenhängt. Michael Lüders, der Autor, war lange Jahre Nahost-Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“ und dröselt die Zusammenhänge kurz und knapp, aber in einer Intensität auf, die einen erschreckt. Nichts für Harmonie unterm Weihnachtsbaum, eher ein Krimi, den das Leben schreibt. (Gabi Schnetter)

Michael Lüders: "Wer den Wind sät". C.H. Beck, 14,95 Euro

David Cay Johnston: Die Akte Trump

Ebenfalls nichts für schwache Nerven, aber kein Thriller im üblichen Sinne: Der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete investigative US-Journalist David Cay Johnston hat noch vor der Präsidentenwahl in Amerika den Stoff umfangreicher Recherchen über und Interviews mit Donald Trump vorgelegt. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Eine unrühmliche Familiengeschichte, Zweifel an Trumps Qualitäten als Geschäftsmann (als seriöser sowieso), und einen beängstigen Hang zur Rachsucht, der nicht einmal vor seinem kranken Neffen haltgemacht hat, bescheinigt der Autor dem gewählten Präsidenten. Wenn das mal gut geht in der künftigen Außenpolitik der Supermacht. Kein Buch, das einen nach der Lektüre ruhig schlafen lässt. (Peter Rauscher)

David Cay Johnston: "Die Akte Trump". Egowin, 24 Euro

Bernd Regenauer: Satirisches Handgepäck

„Satirisches Handgepäck“ hat Kabarettist Bernd Regenauer für die zusammengepackt, die Nürnberg besuchen wollen. Einen Stadtführer hat der Club- und Frankenfan da zwar auch geschrieben, aber das kleine Buch ist viel mehr. Es ist eine grantelnd schmusende Liebeserklärung – ja, der Franke kann auch das, wenn er muss – an seine Heimatstadt. Für Auswärddiche ist das Buch ein spannender Einblick in die größte Klein-Metropole Bayerns und gibt Sightseeing- und Essens-Tipps von hoher Qualität. Für Insider ist es ein Muss, Regenauers Brille aufzusetzen und die Stadt neu zu betrachten – einschließlich Markus Söders Heimatmuseums. Da wird er dann richtig ätzend.(Susanne Will)

Bernd Regenauer: "Satirisches Handgepäck". Michael-Müller-Verlag, 12,90 Euro

Andy Lang: Beautifully broken

 Andy Lang, der Barde aus Gefrees, macht sich Sorgen um die Welt, und denen verleiht er in seinem neuen Album „Beautifully Broken“ Ausdruck. Als Lang mit der Arbeit für sein zweites Konzeptalbum begann, da war noch nicht zu erwarten, dass Donald Trump US-Präsident werden würde. „Wir können einander nur echt begegnen, wenn wir bereit sind, unser Gegenüber ernsthaft wahrzunehmen und uns selbst in Frage stellen zu lassen“ – diese Botschaft stellt Lang gegen die populistischen Botschaften des Hasses und der Abgrenzung. Der eine mag finden, dass es sich Andy Lang damit schön einfach macht, viele andere werden sagen, dass er damit einfach ein schönes Album gemacht hat: Mit 13 Songs, die er mit Christine Schmid, Jeanine Noyes und Lu Cozma aufgenommen hat, mit schöner, ruhiger Musik. Dazu gibt es Booklet mit Texten. (Andreas Gewinner)

Andy Lang: "Beautifully broken". Bezug über www.andy-lang.de.

Anna und Martin Schwamm: Ausflugs-Verführer Hersbrucker Schweiz

Die Hersbrucker Schweiz liegt vor der Haustür, und wo man da die tollsten Ecken findet, erzählen die beiden Autoren. Ja, es gibt auch Wanderrouten, aber die Schwarms schicken Sie auch zum Dauphin in dessen riesiges Oldtimer-Museum. Oder zum Chillen an den Happurger Stausee. Oder auf Langlaufskiern rauf auf den Waller.(Susanne Will)

Anna und Martin Schwamm: "Der ausflugs-Verführer Hersbrucker Schweiz". Ars Vivendi, 15,90 Euro

Nicht bewertet

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