Landrat als "Gartenschau" bei Fastnacht

Tapfer lachten bayerische Politiker wieder über alle Witze auf ihre Kosten: Der Quotenschlager des Bayerischen Fernsehens lockte zuletzt fast vier Millionen Menschen vor die Bildschirme.

Finanzminister Markus Söder machte in diesem Jahr den Stoiber und gab einmal mehr den Fastnacht-Komikern Futter. Die lästern seit Jahren über Söders Ambitionen, Horst Seehofer als Ministerpräsident recht bald ablösen zu können.

„Stimmt es, dass ihr Kronprinz Söder erst an dem Tag ran darf, wenn Reiner Calmund seinen Diätplan einhält, der Berliner Flughafen eröffnet ist und Greuther Fürth Champions-League-Sieger ist?“, fragte Sitzungspräsident Bernd Händel provokant den noch amtierenden Bayern-Chef Horst Seehofer.

Ulrich Maly als Mr. Spock

Andere Politiker warfen sich ebenfalls in Schale: Wirtschaftsministerin Ilse Aigner kam als emanzipierte und schießwütige „Star Wars“-Prinzessin Leia, Innenminister Joachim Herrmann - wie immer - als Sheriff, Staatskanzlei-Leiter Marcel Huber als 40 Jahre jüngeres "Ich" in Lederklamotte, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly als Mr. Spock und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer als Batman-Gehilfe Robin.

Merkel als neue "SPD-Kanzlerkandidatin"

Doch die beste Verkleidung schützte nicht vor Lästereien. So wird Angela Merkel in Abwesenheit bei den Komikern mal eben zur „neuen SPD-Kanzlerkandidatin“, Horst Seehofer übernimmt den Vorsitz des Angela-Merkel-Fanclubs und die Vereinigung „HoGeSöda“ (Horst gegen die Söderisierung des Alpenlandes) wird zur stärkeren Bewegung als Pegida; die CSU trägt mit ihrem „frostigen Klima“ gegenüber der CDU ihren ganz eigenen Teil gegen die Erderwärmung bei.

Die bayerische SPD musste ebenso einstecken: Das Duo Volker Heißmann und Martin Rassau sagte den Besuch des Papstes bei den Sozialdemokraten voraus: „Denn der kommt immer dahin, wo das Elend am größten ist!“

Ob VW-Skandal, die Olympia-Absage Hamburgs oder die Bestechungen in der Sportwelt - die Künstler der fränkischen Fastnacht nahmen zahlreiche Themen der vergangenen Monate auf die Schippe. Auch um aktuelle Streitthemen wie die Asylpolitik machten die Künstler keinen Bogen. Im Gegenteil.

So hatte Kabarettist Peter Kuhn deutliche Worte für die derzeitige Lage: „Diesen Dreckschleudern, die ständig hetzen, muss man Obergrenzen setzen. Nicht ein bis zwei Grad Diskrepanz - nein, am besten Null Grad Toleranz“, forderte der Schweinfurter in seiner Büttenrede.

Altneihauser Feierwehr-Kapell'n lästert gegen die Franken

Auf die Spitze trieben es wie immer die Musiker der Altneihauser Feierwehr-Kapell'n aus der Oberpfalz. Sie lästerten unter Buh-Rufen des Publikums  über die Franken, die mittlerweile eine eigene Tatort-Produktion haben. „In einem Tatort, wo man fränkisch spricht, bräuchte es die Leiche nicht. Denn da flößt ja der Dialekt allein dem Zuschauer schon Schrecken ein.“

Für den mit größten Beifall im Saal sorgte eine spontane und hochaktuelle Ansage von Volker Heißmann während seines Auftritts als närrischer Lehrling: „Ich habe eine offizielle Mitteilung: Die deutschen Handballer sind im Finale!“                                                                                 dpa

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