Landeskonferenz der Wirtschaftsjunioren

Keine Frage, die Wirtschaftsjunioren sind Macher. Was sie in Angriff nehmen, hat Hand und Fuß. In diesem Fall darf man das sogar wörtlich nehmen. Denn: „Vielleicht kriegen wir ja ein Konferenz-Baby“, sagt Konferenzdirektorin Katrin Schamel mit Blick auf eine Teilnehmerin, die ihr bereits gebuchtes Ticket inzwischen wieder zurückgegeben hat. Der nachvollziehbare Grund: Die Bayreuther Wirtschaftsjuniorin wird voraussichtlich dieser Tage ein Kind gebären. Die Idee des Kontakteknüpfens, des sich Vernetzens – was ja zu den Grundpfeilern der Organisation gehört – entfaltet im Fall dieses Wirtschaftsjuniorenpaares, das sich einst bei einer Konferenz kennengelernt hatte, sogar lebensstiftende Wirkung.

450 Teilnehmer

Vor allem geht es bei dem Verein aber darum: um eine Verbesserung der Gründerkultur in Deutschland, um „ehrbare Unternehmer“, um eine offene und flexible Arbeitswelt, das Rekrutieren von Führungskräften oder auch ganz konkret um Tipps fürs Vorstellungsgespräch. „Wir wollen was bewegen“, sagt Katrin Schamel. Im Jahr 2014 hat sich die Polizeibeamtin daran gemacht, die Landeskonferenz nach Bayreuth zu holen. Gute Planung ist alles. Und so wirkt die Organisatorin an der Seite ihres Mit-Konferenzdirektors Sebastian Döberl kurz vor Beginn der Tagung ziemlich entspannt.

450 Teilnehmer, größtenteils aus Bayern, werden zur Landeskonferenz erwartet. Der Etat beläuft sich auf rund 150.000 Euro. Zwei Drittel der Summe steuern Sponsoren bei, ein Drittel machen die Teilnehmergebühren aus, wie Döberl erläutert. Zum Kernteam der Organisatoren zählen zwölf Leute, insgesamt sind es rund 50. Gearbeitet wird in Ressorts wie Logistik, Marketing, EDV, Sponsoring oder Abendprogramm. Letzteres beinhaltet ein Treffen in der Walhall-Lounge, eine Nachtwächterführung durch Bayreuth und auch einen fränkischen Abend im Herzogkeller.

Ein weites Feld

Selbstredend findet auch Richard Wagner seinen Niederschlag im Konferenzprogramm, das sogar mit dem Motto „Wagner calling!“ überschrieben ist – auch wenn Katharina Wagner ihre ursprünglich angekündigte Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung am Freitag inzwischen aus terminlichen Gründen abgesagt hat. Soviel sei aber verraten: Einen Schwan werden die Konferenzteilnehmer dennoch zu Gesicht bekommen. Desweiteren beinhaltet das Programm Führungen durch hiesige Unternehmen, Workshops und Vorträge. Darunter der Impulsvortrag von Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm: „Länger leben als das Geld reicht – ein unterschätztes Risiko.“ Genialer sei Statistik noch nie vermittelt worden, werben die Organisatoren. Ohnehin deckt das Konferenzprogramm ein weites Feld ab: Wer sich kulturell weiterbilden will, kann das Richard-Wagner-Museum besuchen, wer sich mit Gleichgesinnten vernetzen will, kann dies auch sportlich auf dem Golfplatz tun und wer sich einfach nur in Fachvorträge setzen will, wird dafür ein große auswahl vorfinden.

Ambitioniertes Programm

Was den Konferenzdirektoren allerdings nicht gelungen ist: einen Festspieldirigenten zum Thema Führungsstärke zu verpflichten. Das Risiko, dass dieser plötzlich absagen würde, erschien dann doch zu groß.

Was motiviert die Macher, eine mehrtägige Konferenz mit ambitioniertem Programm auf die Beine zu stellen? Sebastian Döberl, der bei der Firma Eisen & Sanitär Bauer in Bayreuth arbeitet und selbst Personalverantwortung innehat, sagt: „Mich interessiert das lokale Netzwerk, aber auch die Möglichkeit etwas zu bewegen, zu gucken, wie ich mich weiterentwickeln kann.“ Und weiter: „Wir wollen was bewegen, wenn sich nix tut, werden wir nervös.“

Rückgrat und Durchsetzungskraft

Wer sich bei den Wirtschaftsjunioren einbringen will, bekommt dort ziemlich schnell viel zu tun. Das bestätigt auch Katrin Schamel: „Wer ein Unternehmen hat, kann sich eigentlich keine Fehler leisten. Bei uns kann man das Übernehmen von Führung ausprobieren, ohne dass das Konsequenzen hat. Wir sind ein Übungsverein.“ Gerade auch in der Vorbereitung der Landeskonferenz habe Schamel viel gelernt, was Management betrifft. Was eine gute Führungskraft auszeichnet? „Wenn man keine Menschen mag, wird man niemals eine gute Führungskraft sein.“ Überdies benötige man Rückgrat und Durchsetzungskraft. Und an diesem besonderen Wochenende vielleicht sogar Schnuller mit dem Logo der Wirtschaftsjunioren.

Hintergrund: Das sind die Wirtschaftsjunioren

Die Wirtschaftsjunioren sind ein Verein und als solcher in die Organisation der Wirtschaftsjunioren Deutschland e.V. (WJD) und der weltweiten Junior Chamber International (JCI) eingebettet. Gründung 1952

Mitgliedsbeitrag: 150 Euro im Jahr als aktives Mitglied , 150 Euro im Jahr als Fördermitglied

Vereinsstruktur : Vier Vorstände ( Präsident, Vizepräsidentin, Past-Präsidentin, Kassier, sechs Senatoren, 85 Mitglieder inklusive Fördermitglieder

Besonderheiten: aktive Mitgliedschaft nur von 18 bis 40 Jahre möglich, danach Fördermitglied

Förderung: IHK: Auf Antrag projektgebundene Zuschüsse

Kontakt: Jeweils erster Donnerstag im Monat Stammtisch im Oskar, 20 Uhr. E-Mail: vorstand@wj-bayreuth.de

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