Landesgartenschau: „Wie ein Kind, das man aufwachsen sieht“

Voß ist Geschäftsführerin der Bayreuther Landesgartenschau. Zusammen mit Ulrich Meyer zu Helligen. Die Bayreuther Schau – sie ist besonders. Es gab noch nie eine so große Gartenschau. Zum Beispiel. Für Dagmar Voß jedoch ist diese Schau auch eine ganz besondere: Es ist die letzte, die sie als Geschäftsführerin betreut. „Danach sollen Jüngere ran“, sagt sie.

Sie weiß, wie eine Verwaltung tickt

Dagmar Voß (60) ist Landschaftsarchitektin. Sie ist in München aufgewachsen. „Geboren bin ich in der damaligen DDR, in Zwickau. Meine Eltern waren Republikflüchtlinge.“ Sie hat in Weihenstephan studiert, „ganz klassisch“. Nach dem Studium arbeitet sie bei verschiedenen Landschaftsarchitekten, dann ein Jahr in der Grünordnungsplanung der Stadt München. „Das hat mich bewogen, zur Landesgartenschau zu gehen. Ich wollte einfach freier arbeiten können. Aber ich weiß auch, wie eine Verwaltung tickt. Je größer eine Verwaltung, desto hierarchischer geht es zu. Umso mehr ist der Einzelne eingeschränkt.“

Alles hat ein Ziel: Nachhaltigkeit

Seit 1991 ist Dagmar Voß bei der Gartenschau, „In Ingolstadt habe ich angefangen. Meine erste Geschäftsführung hatte ich in Hof 1994.“ Ein Start in Oberfranken, in Oberfranken schließt sich der Kreis. Dagmar Voß hat viele Bewerbungen auf ihren Tisch bekommen in den vergangenen 24 Jahren. Auch Bayreuth versucht es mehrfach beworben, bis es jetzt im dritten Anlauf klappt. „Ausschlaggebend ist, dass ein neuer Naherholungsraum, neues Grün in der Stadt entsteht.“ Die Fördermittel, die Vergeben werden für die Umsetzung der Gartenschauen, haben „eine extrem lange Bindungsfrist von 30 Jahren. Das muss alles nachhaltig angelegt sein“. Voß sagt, der Knackpunkt bei den gescheiterten Bayreuther Bewerbungen sei „in erster Linie die Grundstücksverfügbarkeit“ gewesen. Was auch nicht funktioniert habe in den ersten beiden Anläufen: die Verbindung in die Stadt. „Weil die Renaturierung des Mains in der Innenstadt eigentlich nicht möglich war.“ 2009, als die Stadt den Zuschlag erhalten habe, sei es der Stadtverwaltung sehr schnell gelungen, die nötigen Grundstücke zu kaufen in der heutigen Wilhelminen-Aue. „Das war alles gut vorbereitet.“

Jedes Projekt ist neu

„Keine Routine. Jedes Projekt ist neu, hat sein Eigenleben“, sagt Dagmar Voß. „Man bekommt natürlich eine gewisse Gelassenheit. Trotzdem ist es jedes Mal wieder spannend, wenn eine Gartenschau entsteht“, sagt Voß. Jahre rennen dahin. Wie im Zeitraffer. „Es ist wie ein Kind, das man gebiert. Das man aufwachsen sieht. Das man wieder hergeben muss, wenn die Schau zu Ende ist.“ Acht Jahre Vorlauf hat eine Landesgartenschau im Schnitt, sieben Jahre die kleinere „Natur in der Stadt“. „Ein Vorlauf, den wir wegen des riesigen Aufwands verlängern möchten.“ Abgebaut ist eine Landesgartenschau in der Regel nach wenig mehr als zwei Wochen. Diesen Moment des Loslassens – des Hergebens – empfindet Dagmar Voß jedes Mal als besonders schwer. „Ich gehe danach nicht mehr aufs Gelände. Vermeide es oft für Jahre. Da blutet mir das Herz.“

"Positive Veranstaltung"

Obwohl auch nach einer Gartenschau die deutliche Veränderung einer Stadtlandschaft lange nachhallt. „Alle Plätze sind hinterher schöner als vorher.“ Voß sagt, eine Landesgartenschau löse etwas aus in den Menschen: „Die Leute strahlen, freuen sich über die Schönheit. Sie bekommen eine positive Veranstaltung. Die Menschen rücken zusammen. Das hängt stark mit dem Konzept zusammen.“ Weil eine Gartenschau aus der Stadt in die Region strahlt, „weil viele Ehrenamtliche mit Herzblut dabei sind. Auch in Bayreuth haben sich schon viele gemeldet, die mitarbeiten wollen. Die Begeisterung, mit der hier am Programm fürs nächste Jahr gearbeitet wird – das ist eine besondere Qualität, die Bayreuth auszeichnet“.

Die Größte der Geschichte

Die Bayreuther Schau, die größte in der Geschichte der Gartenschauen in Bayern, sei eine besondere Herausforderung, „vor allem fürs Budget“. rund 9,5 Millionen Euro werden verbaut. Oben drauf hat das Wasserwirtschaftsamt rund 1,5 Millionen Euro in die Renaturierung des Roten Mains investiert. „Wenn man hier steht, auf die Schleifen des Mains schaut, ist das einzigartig“, sagt Dagmar Voß. „Das wäre so nicht gekommen, wenn die Gartenschau nicht gekommen wäre.“ Das Element Wasser wird neu erlebbar, allein das verändere den Charakter der ehemals landwirtschaftlich genutzten Aue komplett. „Der Spagat zwischen Ökologie und Freizeitnutzung, den wir immer machen“, sagt Voß gelinge aus ihrer Sicht in Bayreuth sehr gut. Ihr Blick wandert von einer der beiden rosa Main-Brücken übers Gelände. So, wie man stolz einem Kind nachschaut, das gewachsen ist. Bereit, auf eigenen Füßen zu stehen.

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