Landesgartenschau: Wenn Wagner wurzelt

So üppig die Größe ist, so groß ist auch die Zahl der Blumen, die dort ab Frühjahr dort blühen sollen. 245.000 Frühjahrs- und Sommerblüher insgesamt sagt Mirko Streich, der Pressesprecher der Landesgartenschau 2016. In den Beeten, die die Wege begleiten. Und auf den Wiesen. In Linsen, die wie zufällig hingestreut sind. Aber natürlich ist das alles genau geplant. Denn ein Durcheinander will in diesem Riesengarten keiner. Selbst Chaos hat hier eine Ordnung. Die Gärtner von elf Gärtnereien arbeiten jetzt den Plan ab, den sich zum großen Teil die Landschaftsarchitektin Petra Pelz (54) aus Hannover ausgedacht hat. Ein Plan mit zwei Zahlen. "Im November werden 140.000 Blumenzwiebeln gesteckt. Im Frühjahr dann weitere 60.000 Zierpflanzen und im Sommer noch einmal 45.000“, sagt Streich.

Blumenzwiebeln mit Erdbohrer versenkt

Thomas Gruber von der Gärtnerei Förth und seine Mitarbeiter legen vor. Die ersten vier Beete. Gleich am Haupteingang. Genau nach Pflanzplan werden die Beete abgesteckt. "In die Dahlienbeete kommen jetzt erst mal die Frühlingsblüher", sagt Gruber und wirft Tulpenzwiebeln auf das Beet. Sie fallen auf frisches, weiches Substrat. Die beiden Lehrlinge Franziska Bauer und Jennifer Ehmes versenken die Zwiebeln, aus denen lilienblütige Tulpen wechsen werden, im Boden. "Das geht wie die Feuerwehr", sagt Gruber. Lasting Love, Purple Dream, Red Shine und West Point heißen die Tulpen. "78 Stück kommen auf den Quadratmeter", sagt Gruber. Locker gestreut, nicht akkurat. "Das sol ja alles auch ein bisschen wild aussehen." Auf den Beeten sei es vergleichsweise einfach, die Blumenzwiebeln zu stecken. "Auf den Wiesen haben wir sie mit dem Erdbohrer versenkt. Der Boden ist hart wie Beton."

Die Gärtner hoffen darauf, dass das Frühjahr "nicht zu mild wird. Dass die Zwiebeln sich Zeit lassen. Damit der Besucher im April und im Mai auch Blüten vorfindet", sagt Gruber. Die Unterteilung der Beete mit Schnüren bleibt, damit der Sommerflor Anfang April gesteckt und gepflanzt werden kann.

Musik für die Augen

Petra Pelz, die 1999 ihre erste Gartenschau gemacht hat, hat den Wettbewerb gewonnen, den die Landesgartenschau-Gesellschaft ausgeschrieben hat. Und sie hat mit ihrem Plan den Takt vorgegeben, die Noten gesetzt, nach denen Musik für die Augen gespielt wird. Musikalische Motive ziehen sich vom Haupteingang an der Äußeren Badstraße rein ins Gelände. "Die Ouvertüre am Eingang blüht in kräftigen Farben. Rot. Gelb. Mehrere Beete, die zusammen eine Fläche geben", sagt Pelz. Die Ouvertüre geht über ins Streichquartett. "Vier verschiedene Grasarten, die kombiniert werden mit kühlen Farben wie Blau und Violett. Das findet sich an der Oberen Röth wieder - mit warmen Farben." Paukenschlag nennt Pelz den nächsten optischen Begleiter: "Dahlien mit großen Blüten, kombiniert mit Gräsern." 

Wagner wogt in den Beeten an den Wegen. "Ich musste mich da auch erst mal reinfinden und zehn verschiedene Motive aus den Wagner-Opern herausfinden", sagt Petra Pelz. Isoldes Todestrank wird da in rot und dunkelviolett blühen. Das Schiff aus dem "Holländer" wiegt sich in weiß bis dunkelblau gehaltenen Blumen, zwischen denen silbriges Laub blitzt. Das "Rheingold" glänzt "gelb und bernsteinfarben", sagt Pelz. "Die Besucher sollen so von einem Parkteil in den nächsten gezogen werden." 

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