Landesgartenschau: Aufsichtsrat hält an umstrittenem Erscheinungsbild fest

Ein abgekupfertes Logo – das werde Folgen für den Ruf der Stadt und der Landesgartenschau Bayreuth haben, prophezeit Bolay, der sich mit seiner Agentur an der Ausschreibung für den öffentlichen Auftritt der Gartenschau beteiligt und gegen die Vergabe an die Münchner Agentur propella Einspruch eingelegt hatte. „Das Ganze ist sehr bedauerlich", sagte Bolay gestern.

Was ihn stört: Die Argumentation der Aufsichtsräte, die am Erscheinungsbild der Landesgartenschau festhalten, ist seiner Meinung nach zu kurz gesprungen. „Leider haben sich die Verantwortlichen allein von ihrer rechtlichen Einschätzung der Sachlage tragen lassen, die ich durchaus anders beurteile", sagt Bolay. „Aber sie haben dabei die mindestens ebenso wichtige Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit völlig außer Acht gelassen." Ähnlich sieht das auch der Bayreuther Designer Stefan Schlags: „Das ist keine juristische Frage. Es geht um Qualität und Anspruch."

Juristisch alles einwandfrei

In der Tat stellen die beiden Landesgartenschau-Geschäftsführer, Dagmar Voß und Ulrich Meyer zu Helligen, den rechtlichen Teil der Debatte um das Logo in einer Pressemitteilung zu den Ergebnissen der Aufsichtsratssitzung in den Vordergrund. Juristisch sei alles einwandfrei. Juristisch habe die Agentur propella einen erweiterten Lizenzvertrag mit der Online-Agentur Shutterstock geschlossen, die das Ursprungsbild zum Kauf im Internet anbietet. Juristisch sei einwandfrei nachweisbar, dass das Gartenschau-Logo ein selbstständiges Werk im Sinne des Urheberrechtsgesetzes darstelle. Und juristisch sei auch nichts an dem Auswahlverfahren zu mäkeln, der Wettbewerb unter Marketingagenturen müsse also nicht aufgehoben werden. Roland Albert, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, lässt sich mit markigen Sätzen zitieren: „Es liegt kein überzeugender Grund vor, die Entscheidung rückgängig zu machen. Zudem lieferte propella einfach das beste Konzept."

Was in der Mitteilung indes nicht zu lesen ist: Eine Vertreterin des Rechtsamtes der Stadt Bayreuth hat die Aufsichtsräte zwar tatsächlich über das einwandfreie Verfahren und die Einhaltung des Urheberrechtes informiert. Kurier-Informationen zufolge hat sie allerdings ebenso ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man politisch zu einer anderen Bewertung des Logos kommen kann. Darüber kam es zu keiner ausführlichen Diskussion – stattdessen nahm man sich Zeit für Medienschelte. Helmut Zartner, Aufsichtsrat der Landesgartenschau und Stadtrat für die Bayreuther Gemeinschaft, äußerte sich gestern auch auf Kurier-Nachfrage medienkritisch: „Da wurde im Vorfeld polarisiert und ein Thema hochgespielt. Ich habe die Debatte um das Logo der Landesgartenschau als überhöht empfunden."

Steininger: "Belohnen Agentur, die wenig Kreativität entwickelt hat"

Das sieht Sabine Steininger anders, sie hält die Diskussion nach wie vor für wichtig: „Mit dem jetzigen Beschluss wird also endgültig eine Agentur beauftragt, die nicht imstande war, Eigenes zu schaffen", sagt die Grünen-Stadträtin, die ebenfalls dem Landesgartenschau-Aufsichtsrat angehört und als eine von zweien Sitzungsteilnehmerinnen gegen das Beibehalten der Erkennungsmarke gestimmt hatte. „Wir belohnen eine Agentur, die wenig Kreativität entwickelt hat, mit dem Auftrag für die gesamte Kommunikation der Landesgartenschau." Geschäftsführerin Voß spiele in dieser Angelegenheit keine gute Rolle. „Sie redet sich darauf hinaus, dass die Diskussion die Leistung der Agentur geschmälert habe", sagt Steininger. Aber worin bestehe denn eigentlich die Leistung? Und auch von einem bewährten Verfahren bei der Auswahl der Kommunikationsagentur, wie es die Geschäftsführerin den Aufsichtsräten angepriesen habe, könne sie nichts erkennen. In Bayreuth seien aus einem Bewerbungsverfahren sechs Agenturen ausgewählt worden – drei, die Landesgartenschau-Erfahrung haben, und drei weitere, mit denen die Stadt bereits zusammengearbeitet habe. Für die Landesgartenschau in Bamberg vergangenes Jahr hätten hingegen 21 Agenturen Vorschläge eingereicht, die anonymisiert bewertet wurden.

Noch ist unklar, welches Volumen der Auftrag der Landesgartenschau Bayreuth an die Siegeragentur propella haben werde, so Gartenschau-Geschäftsführer Ulrich Meyer zu Helligen. „Das ist kein Gesamtpaket. Wir vergeben Einzelaufträge."

Und was sagt die Aufsichtsratsvorsitzende? Sie akzeptiere die Mehrheitsentscheidung, erklärte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. „Denn rechtlich ist alles in Ordnung und es gibt eine übereinstimmende Meinung, dass das propella-Konzept das beste ist." Es bleibe allerdings dabei, dass das öffentliche Erscheinungsbild der Landesgartenschau auf einer Vorlage aus dem Internet basiert. „Ich hätte es lieber gehabt, wenn die Entscheidung im Aufsichtsrat eine andere geworden wäre", so Merk-Erbe. „Wir haben damit eine öffentliche Diskussion um ein Logo, die einer so positiv besetzten Landesgartenschau nicht zuträglich ist."

Nicht bewertet

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Und wie war das genaue Abstimmungsergebnis für diese hirnrissige Entscheidung - für dieses weitere Armutszeugnis für die Stadt Bayreuth?