Lage so gut wie zuletzt vor sechs Jahren

Die Wirtschaft in Oberfranken steht gut da. Das geht aus den jüngsten Konjunkturumfragen hervor, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth und die IHK zu Coburg veröffentlicht haben. Der Konjunkturklimaindex hält sein hohes Niveau und liegt bei 127 Punkten. Damit überschreitet der Wert seit nunmehr vier Jahren seinen langfristigen Durchschnittswert von 116 Punkten. Der Indikator bildet als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch die Geschäftserwartungen ab.

Etwas weniger Dynamik

Die aktuelle Geschäftslage wird derzeit so gut beurteilt wie zuletzt vor sechs Jahren, teilt die IHK für Oberfranken mit. Die Erwartungen an das kommende Jahr verlören auf hohem Niveau etwas an Dynamik, blieben aber klar im positiven Bereich. „Unsere Unternehmen bleiben optimistisch“, wird IHK-Präsidentin Sonja Weigand zitiert.

Gestiegene Investitionsabsicht

Ihr Coburger Amtskollege Friedrich Herdan sieht das ähnlich. „Zu Beginn des Herbstes hat sich das Wachstumstempo in der Coburger Wirtschaft etwas abgeflacht“, kommentiert er. Von einer grundsätzlichen Trendwende gehe die Kammer aber vorerst nicht aus. „Das liegt am kräftigen Binnenkonsum und gestiegenen Investitionsabsichten unserer Unternehmen“, ergänzt Herdan.

Unsichere Rahmenbedingungen

Dass die Unternehmen nicht noch optimistischer in die Zukunft blicken, ist zweifellos auf die unsicheren Rahmenbedingungen zurückzuführen, heißt es in der Mitteilung der Bayreuther. Angefangen bei der sicher nicht einfachen Regierungsbildung in Deutschland, über die Unberechenbarkeit der Handelsentwicklung mit Russland, der Türkei und den USA bis hin zum Brexit, gebe es etliche Unsicherheitsfaktoren.

„Rasche Koalitionsverhandlungen sind von außerordentlicher Wichtigkeit“, mahnt Herdan. Wir brauchen jetzt eine stabile Regierung, die Wirtschaftsthemen im Zeichen von Globalisierung und Digitalisierung wieder mehr in den Fokus nimmt.“

Dennoch: Die Wirtschaft wächst. Die Hälfte aller von der Bayreuther Kammer befragten Unternehmer berichtet von einer positiven aktuellen Geschäftslage. Hinzu kommen 42 Prozent, die ihre Lage befriedigend einschätzen. „In den vergangenen 25 Jahren wurde nur im Frühjahr 2011 ein vergleichbar positiver Wert erreicht“, sagt IHK-Konjunkturreferent Malte Tiedemann.

Zuwächse im In- und im Ausland

Das gute Bild setzt sich auch bei der Auftragsentwicklung in den vergangenen Monaten fort. Die oberfränkischen Unternehmen legten sowohl im Inland, als auch im Ausland zu. Die deutlichsten Zuwächse im Inland vermelden das Baugewerbe, der Tourismus und der Großhandel. Auch das Auslandsgeschäft hat sich nach Angaben der befragten Unternehmen im Saldo positiv entwickelt. Ein gutes Pflaster für oberfränkische Produkte und Dienstleistungen ist der Dauerbrenner Euroraum, hinzu gesellen sich die Märkte in Südamerika und der Asien-/Pazifik-Raum. Zwar stiegen auch die Exporte nach China, der Zuwachs fiel hier aber nicht so deutlich aus.

Größte Herausforderung: Fachkräftemangel

51 Prozent der Coburger Unternehmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage noch überwiegend als gut ein. In der Vorumfrage waren es 55 Prozent. Für 39 Prozent ist die Lage befriedigend. Zehn Prozent sind unzufrieden. In der Vorumfrage waren es sieben Prozent. Größte Herausforderung für die oberfränkische Wirtschaft ist laut der IHK für Oberfranken der Fachkräftemangel. Knapp 60 Prozent der Unternehmen sähen hier eine Gefahr für ihre weitere Unternehmensentwicklung. Die Folgen: Aufträge müssten abgelehnt, Wachstumspotenziale können nicht genutzt werden und die vorhandene Belegschaft muss die Mehrbelastung abfangen.

Weitere Neueinstellungen geplant

Unabhängig davon will die Wirtschaft auch im kommenden Jahr ihre Mitarbeiterzahlen spürbar aufstocken. 19 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihren Personalbestand in den kommenden Monaten zu erhöhen, heißt es. Größere Beschäftigtenzuwächse werden in der Industrie, bei den Dienstleistungen und im Tourismus erwartet. „Insgesamt rechnen wir für das Jahr 2017 mit einem Zuwachs von 5000 bis 7000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Oberfranken“, stellt Weigand heraus.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06