Kurzfilmwettbewerb an der Uni

Müde, fast schon schläfrig sitzen Christof Reisenegger, Nina Zikmund, Alexander Löwen und Leila Josua am Küchentisch. Mit einer Tasse grünen Tee in der Hand lassen die vier Studenten die letzten 32 Stunden Revue passieren: Für den Kurzfilmwettbewerb „32 Stunden abgedreht“ haben die vier unter dem Gruppennamen „Schnitt-Shit“ die Geschichte eines Mannes verfilmt, der sich auf dem Weg zu seiner Traumfrau in verschiedenen Horrorszenarien vorstellt, was beim ersten Date alles schief laufen könnte.

Vor sechs Jahren wurde der „32 Stunden abgedreht“-Kurzfilmwettbewerb von Bayreuther Studenten der Medienwissenschafts initiiert. Beliebt ist er noch immer: Fast 100 Studenten traten am Wochenende in 17 Teams gegeneinander an, um den besten Film zu drehen.

„Es steht vor allem der Spaß im Vordergrund: Man verbringt zwei Tage mit seinen Freunden und versucht die Aufgabe in der Zeit zu schaffen, selbst wenn der Film am Schluss nicht perfekt ist“, sagt  Thomas Hilgers. Er organisierte gemeinsam mit seiner Kommilitonin Alexandra Kapralova den Wettbewerb.

Am Samstagmorgen erfuhren die Studenten, mit welchem Thema sie sich filmisch beschäftigen sollten. „Der Moment, der alles verändert“ hieß es diesmal. Und dann Klappe: 32 Stunden hatten die Studenten Zeit, um eine Filmidee zu entwickeln, Schauspieler und Drehorte zu finden, den Film zu drehen und diesen dann auf eine Spielzeit von vier Minuten zu schneiden.

Das Team mit Christof Reisenegger, Nina Zikmund, Alexander Löwen und Leila Josua brauchte neun Stunden, bis sich auf die Handlung seines Films geeinigt hatte. Für die vier war es wichtig, ein authentisches Thema zu finden. „Ich finde es immer affig, wenn Studenten versuchen alte Menschen zu spielen oder Situationen, die nicht ihrer Realität entsprechen. Das wirkt immer gekünstelt“, erklärt Reisenegger.

Bewusst entschieden sich die vier Freunde auch gegen ernste Themen wie Tod und Suizid. „Sehr viele Teams machen das, weil sich dann nicht mehr anstrengen eine gute Geschichte zu erzählen, weil der Tod alles automatisch dramatisch macht“, findet Löwen.

Erst am Nachmittag hatten sich die vier Freunde geeinigt. „Wichtig bei einem Film ist es, die Geschichte mit einem Satz erzählen zu können, und das konnten wir bis 16 Uhr noch nicht“, erinnert sich Löwen an den kreativen Prozess. Dann die zündende Idee: Sie verfilmen die Geschichte eines Mannes, der auf dem Weg zum ersten Date mit seiner eventuellen Traumfrau ist - und sich dabei bei der Fahrt im Aufzug vorstellt, was alles schieflaufen kann. Mal begrüßt er sie falsch, mal schmeckt ihr das Essen nicht, mal gesteht er ihr noch am selben Abend seine Liebe, mal kotzt er ihr vor die Füße, als sie ihn küssen will. Am Ende des Filmes kommt der Mann auch in der Realität endlich vor der Tür seines Dates an. Ob die Frau nun wirklich die Traumfrau ist und wie das Date verläuft, bleibt offen.  

Das Pärchen spielten Christof Reisenegger und Leila Josua, Nina Zikmund und Alexander Löwen filmten - mit Smartphones. Auch das war vin diesem Jahr eine Vorgabe des Wettbewerbs. „Wir haben nicht genug gute Kameras um jedes Team mit einer zu versorgen und die Smartphonekameras sind von der Qualität her ausreichend, um Filme damit zu drehen“, erklärt Organisator Thomas Hilgers. Mit möglichst wenig technischem Equipment einen Film zu drehen, das sei die Herausforderung des Wettbewerbs - und die Vorgabe, das Thema nicht explizit anzusprechen.

Das Team der vier Studenten drehte die ganze Nacht, geschnitten wurde das Material am frühen Sonntagmorgen. Nach einigen Feinabstimmungen wie Farbkorrekturen war der Film um 17 Uhr zur Abgabe fertig. Und dann hofften vor allem Christof Reisenegger und Alexander Löwen, zu gewinnen - schließlich hatten sie schon vier Mal an dem Wettbewerb teilgenommen, aber nie gewonnen. Das wollten sie nun mit ihrer letzten  Teilnahme schaffen: „Im letzten Jahr wurden wir nur lobend erwähnt, das war etwas wie ein Kindertrostpreis“, erinnert sich Reisenegger mit einem Lachen.

Vor der Präsentation fürchten sich die vier mehr als vor jedem Date. „Es wäre wirklich unangenehm, wenn man einen witzigen Film zeigt und der ganze Raum still ist“, meint Zikmund. Josua ergänzt: „Es wäre wirklich fatal, wenn die Zuschauer sich bei einem zweieinhalb Minuten langen Film langweilen.“ In so kurzer Zeit eine in allen Handlungsschritten nachvollziehbare, amüsante und interessante Geschichte zu erzählen, das war schwierig, sind sich die vier einig.

Am Sonntagabend präsentierten die Teams ihre Filme der Öffentlichkeit. Eine Jury aus Professoren und Journalisten wählte aus den Filmen die Gewinner aus. Neben einem ersten, zweiten und dritten Platz wurde vom Publikum auch ein Publikumspreis verliehen. Durch Sponsorengelder konnten Preise im Wert 600 Euro verliehen werden.

Nicht bewertet

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