Kurze, schmerzhafte Liebe zu einem BMW

Am 13. Mai besuchte der junge Mann seine Schwester in der großen Stadt. Draußen vor der Tür der Gebrauchte. Gebaut vor Jahren bei den Bayerischen Motorenwerken. Der junge Azubi mit etwa 600 Euro Ausbildungsvergütung - 300 Euro Kostgeld zahlt er zuhause - hatte sich den 900 Euro teuren Wagen vom Mund abgespart.

Bei seiner Heimfahrt fühlte er Stolz, Freude, Euphorie. Irgendwo bei Speichersdorf stoppte er an einem Waldweg. "Ich wollte zusammen mit meinem Auto feiern. Zwei Bier trinken."

Ein paar Kilometer weiter, im Ortsbereich von Zeulenreuth, brach das Heck des BMW aus. Der Wagen geriet ins Schleudern, Gegenlenken half nicht. Der BMW durchbrach einen Zaun, fuhr in einen Vorgarten und krachte gegen eine Steintreppe.

Der Unfallfahrer joggt erst mal heim

Als die Hausbewohner sich nachts um 1.30 Uhr aus den Betten gequält hatten, war der Fahrer des demolierten Wagens in ihrem Vorgarten verschwunden.

Sie riefen die Polizei, die aufgrund des Kennzeichens schnell feststellte, wer der Halter war. Im Prozess um den Unfall sagte ein Polizist als Zeuge aus, man habe die Halteradresse unweit der Unfallstelle angefahren.

Auf dem Weg ein Telefonanruf: Der Unfallfahrer sei wieder in den Vorgarten zurückgekehrt.

Dort trafen die Streifenpolizisten den Fahranfänger und die Besitzer des durchwühlten Vorgartens an. Wie schon damals gegenüber den Polizisten, gestand er auch im Prozess, dass er den Unfall verursacht hatte: "Ich war zu schnell. Wenn ich die zwei Bier nicht getrunken hätte, wäre das nicht passiert."

Der Jugendrichterin Andrea Deyerling berichtet er als wegen Straßenverkehrsgefährdung, Trunkenheit im Verkehr und Unfallflucht Angeklagter, das er sofort den Vorgartenbesitzer versprochen habe, den Schaden von mehreren Tausend Euro zu bezahlen, allerings werde er das bei seinen geringen Einkünften abstottern müssen. Dass er zuhause wochenlang "die Hölle heiß gemacht" bekommen habe. Dass er seinen BMW sofort habe verschrotten lassen.

Das Gericht wendet Jugendrecht an

In dem Prozess stellte sich heraus, dass die angeklagte Unfallflucht wohl eher keine klassische Unfallflucht war: "Ich hatte meine Papiere nicht dabei. In dem Haus war alles dunkel. Ich bin nach Hause gejoggt, um meinen Führerschein und meine Versicherungskarte zu holen. Und dann bin ich wieder zurückgejoggt."

Der Vorwurf der Unfallflucht wurde wegen geringer Schuld eingestellt. Ein Mitarbeiter des Kreisjugendamtes bescheinigte dem Heranwachsenden fehlende Reife: beim Beherrschen des Autos und beim Beherrschen der Situation nach dem Vorgartenausflug: "Es wäre so einfach gewesen: klingeln, hinsetzen, Auto betrauern und auf die Hausbewohner warten. Dieses Heimjoggen ist eine absolut jugendtypische Handlung."

Etwas mehr als 0,5 Promille hatten die zwei Bier verursachte. Die Freude über das neue Auto wurde durch alkoholbedingte Euphorie verstärkt und führten laut einem Gutachten zu einer relativen Fahruntüchtigkeit.

Die Richterin verurteilte den jungen Mann nach Jugendstrafrecht und brummte ihm als Strafe 40 gemeinnützige Artbeitsstunden auf. Außerdem wies sie ihn an, den Schaden der Vorgartenbesitzer in Raten abzuzahlen.

Die seit dem Unfall entzogene Fahrerlaubnis wird noch für drei weitere Monate gesperrt. Dann kriegt der Ex-BMW-Fahrer aber seinen Führerschein nicht automatisch wieder. Die Behörde wird auf den üblichen medizinisch-psychologischen Test bestehen.

Doch Autofahren ist für den jungen Mann, der das Urteil akzeptierte, mit seinem verschrotteten BMW gestorben - jedenfalls für den Moment: "Ich fahre jetzt erst mal Zug."

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